Computerspiele "Counter-Strike"-Spieler sollen zum Doping-Test

Wer professionell Computer spielt, wird künftig noch mehr wie ein Sportstar behandelt - auch wenn es ihn nervt. Bei einem "Counter-Strike"-Turnier im August will die E-Sports-Liga ESL erstmals Doping-Tests durchführen.
ESL-Event im Frankfurter Fußballstadion: Bei E-Sports-Turnieren wird oft vor Tausenden Zuschauern um hohe Preisgelder gespielt - hier läuft "Dota 2"

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Foto: SPIEGEL ONLINE

Seit junge Menschen mit Computerspielen Geld verdienen, läuft eine Diskussion, die sich ständig im Kreis dreht: Ist E-Sport, das professionelle Computerspielen, wirklich Sport? Ist Mausklicken und Tastendrücken in höchstem Tempo einfacher, herausfordernder oder genauso anspruchsvoll wie gegen einen Ball zu treten oder mit anderen um die Wette zu schwimmen?

Machen wir's kurz: Wer professionell spielt, braucht längst genauso viel Training, so viel Leidenschaft und im Zweifel so viel Talent wie Profis in klassischen Sportarten. Und dass gute Computerspieler vor zehntausenden Zuschauern um Millionensummen konkurrieren, macht die Welt genauso wenig besser oder schlechter wie eine Fußballweltmeisterschaft oder eine Tour de France.

An letztere Veranstaltung könnten Computerspieler demnächst aber häufiger denken müssen, als ihnen lieb ist. Die E-Sports-Liga ESL, in der Spieler in Disziplinen wie "Counter-Strike: Global Offensive", "Fifa" und "League of Legends" antreten, hat angekündigt, mit der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) zu kooperieren. Es soll um Dopingprävention gehen, aber auch um konkrete Tests. Die Liga kündigt an, bei einem "Counter-Strike"-Turnier am 22. und 23. August in der Kölner Lanxess Arena erstmals Hauttests durchführen zu wollen.

Profispieler auf Adderall?

"Wer extra fürs Spielen Medikamente nimmt, cheatet", sagt die Liga-Sprecherin Anna Rozwandowicz im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Die ESL habe sich schon lange mit dem Thema Medikamente beschäftigt - offiziell ist Doping für ESL-Spieler verboten -, kürzlich habe es allerdings eine Art Schlüsselmoment gegeben, der den Ligabetreibern klarmachte, dass sie noch aktiver werden müssen.

Rozwandowiczs Äußerung bezieht sich auf ein viel beachtetes Interview  mit einem "Counter-Strike"-Spieler. Dieser hatte in dem auf YouTube veröffentlichten Video behauptet, dass sein Team und er unter Einfluss des Medikaments Adderall gespielt hätten. Ob das stimmt und wie es bei anderen Teams aussieht, wissen wohl nur die Spieler selbst. Adderall wird eigentlich zur Behandlung von ADHS eingesetzt, Spieler könnten es zur Stärkung der Konzentration und als Aufputschmittel nutzen.

Die psychische Belastung bei E-Sports ist enorm, nicht nur wegen der Gewinnsummen. Auch der Erwartungsdruck des Publikums ist hoch, die Spielefans wollen niemanden zusehen, der ständig verliert. Hinzu kommt, dass die professionell gespielten Spiele extrem fordernd sind, bei Titeln wie "League of Legends" müssen in jeder Sekunde Entscheidungen getroffen werden. Bei E-Sports-Turnieren mitzuspielen, ist definitiv kein entspannter Weg, reich und berühmt zu werden.

Tests auf 300 Substanzen

Anna Rozwandowicz sagt, zusammen mit der Nada suche man nun nach einem Hauttest, der wenig kostet, aber möglichst viele von rund 300 Medikamenten und Substanzen abdeckt, die für Spieler attraktiv sein könnten. Was im Falle positiver Tests passiert, werde man von Fall zu Fall entscheiden, sagt Rozwandowicz. Möglich wäre alles vom Punkteabzug bis zur Disqualifikation. "Auch einen Spieler, der total betrunken zum Turnier kommt, würden wir nicht mitspielen lassen", sagt die ESL-Sprecherin.

Dass Computerspieler Medikamente nehmen, um erfolgreicher zu spielen, kann sich Rozwandowicz zumindest vorstellen. Allein beim ESL One genannten Kölner "Counter-Strike"-Turnier gehe es um 250.000 Dollar Preisgeld - solche Summen seien schon ein Anreiz, zu tricksen.

Die Hauttests sollen nach der ESL One auch bei anderen Profi-Events stattfinden, unabhängig davon, welches Spiel gespielt wird. Die ESL schreibt in einer Pressemitteilung, sie wolle demnächst gemeinsam mit der Nada eine Anti-Doping-Richtlinie schaffen, "welche sowohl fair und realisierbar ist, als auch die Privatsphäre der Spieler schützt und gleichermaßen eindeutige Testergebnisse liefert."


Zusammengefasst: Die Videospiel-Liga ESL kooperiert künftig mit der Nationalen Anti-Doping-Agentur. Professionelle Spieler werden damit langfristig wohl immer mehr wie Profis aus traditionellen Sportarten behandelt. Beim Kölner ESL-One-Event im August soll es erstmals Hauttests bei "Counter-Strike"-Spielern geben.

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