Spielefirma Ubisoft "Erscheint eine neue Konsole, sind die Kunden offener"

Am Dienstag beginnt in Los Angeles die weltgrößte Videospielmesse E3. Doch wie steht es um die Branche? Haben sich die neuen Konsolen schon durchgesetzt? Wir haben den Chef der Spielefirma Ubisoft, Yves Guillemot, gefragt.
Aktueller Ubisoft-Titel "Watch Dogs": Ungewöhnlich erfolgreich am Erstverkaufstag

Aktueller Ubisoft-Titel "Watch Dogs": Ungewöhnlich erfolgreich am Erstverkaufstag

Foto: Ubisoft

Spielefans stehen aufregende Tage bevor: Auf der E3 in Los Angeles stellen Konsolen- und Spielehersteller ab Dienstag ihre neuen Produkte vor. Viele Spielehits werden dort erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Zudem veranstalten fast alle Branchenriesen im Umfeld der Messe aufwendig inszenierte Pressekonferenzen, die Millionen Zuschauer per Livestream verfolgen.

Gespannt warten Spielefans unter anderem auf die Veranstaltung von Ubisoft, die in der Nacht zum Dienstag um Mitternacht beginnt. Mit Reihen wie "Rayman", "Assassin's Creed", "Prince of Persia" und "Far Cry" ist das französische Unternehmen seit langem erfolgreich und nutzt die E3 regelmäßig zur Neuheitenpräsentation. Letztes Jahr kündigte Ubisoft in Los Angeles zum Beispiel das Rennspiel "The Crew" an.

Anlässlich der E3 2014 haben wir mit Ubisoft-Chef Yves Guillemot gesprochen.

Zur Person
Foto: Ubisoft

Yves Guillemot ist Geschäftsführer der Spielefirma Ubisoft, die weltweit 9200 Mitarbeiter hat. 1986 hat Guillemot das Unternehmen mit vier Brüdern gegründet. Er ist Vater dreier Kinder, sein Lieblingsspiel ist "Rayman".

SPIEGEL ONLINE: Herr Guillemot, Xbox One und Playstation 4 sind jetzt seit einigen Monaten auf dem Markt. Haben sich die Konsolen schon als Standard-Spieleplattformen durchgesetzt?

Guillemot: Die Kunden sind jedenfalls gespannt darauf, die neuen Spiele zu spielen. Das gerade erschienene "Watch Dogs " hatte den besten Erstverkaufstag, den wir je bei einem Spiel hatten.

SPIEGEL ONLINE: Viele Spiele werden derzeit sowohl für die neuen als auch für die alten Konsolen veröffentlicht. Warum sollte man sich da überhaupt eine neue zulegen?

Guillemot: Die neue Konsolengeneration bietet viele neue Features, die helfen, Spiele auf ein neues Level zu bringen. Die jetzt mögliche Grafikqualität unterscheidet sich stark von dem, was man von den alten Konsolen kennt. Ein weiterer Vorteil ist das Soziale - die Trennlinie zwischen Einzel- und Mehrspielermodus verschwimmt. "Watch Dogs" etwa haben schon Millionen Spieler auf ihren Tablets und Smartphones gespielt, gemeinsam mit Konsolenspielern. Das geht mit unserer kostenlosen Companion-App .

SPIEGEL ONLINE: Wie lange wird Ubisoft die Xbox 360 und die Playstation 3 noch mit aktuellen Spielen versorgen?

Guillemot: Dieses Jahr erscheinen viele Spiele. Wie es in den Jahren danach aussieht, wissen wir noch nicht.

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SPIEGEL ONLINE: Für Nintendos Wii U plant Ihre Firma auf der E3 angeblich keine große Neuankündigung. Haben Sie die Konsole aufgegeben?

Guillemot: Nein. In den nächsten Monaten veröffentlichen wir mehrere Wii-U-Spiele, zum Beispiel "Just Dance".

SPIEGEL ONLINE: Die Verkäufe der Wii U blieben bislang hinter den Erwartungen zurück. Was raten Sie Nintendo, um mehr Konsolen abzusetzen?

Guillemot: Nintendo hat vorletzten Freitag etwas Gutes gemacht: Sie haben "Mario Kart 8" herausgebracht. Je mehr Projekte es für die Wii U gibt, umso besser wird sie sich verkaufen.

SPIEGEL ONLINE: Microsoft hat kürzlich die Strategie gewechselt, das Unternehmen bietet seine Xbox One ab dieser Woche auch ohne Kinect-Kameraleiste an. War's das mit aufwendigen Spielen mit Bewegungssteuerung?

Guillemot: Wir sollten da kurz zurückschauen: Kinect gab es direkt mit der Xbox, das Ganze hat sich durchaus gut verkauft, also werden wir auch einige Spiele für Kinect liefern. Von uns kommen dieses Jahr noch zwei Spiele, die Kinect-Funktionen einsetzen. Microsoft wird schon tun, was nötig ist, damit Kinect weit genug verbreitet ist.

SPIEGEL ONLINE: Sehr präsent im Netz sind mittlerweile Let's-Play-Videos, kommentierte Videospiel-Mitschnitte. Xbox One und Playstation 4 unterstützen die Videospiel-Streaming-Plattform Twitch sogar direkt. Wie stehen Sie dazu, dass man anderen Spielern zuguckt statt selbst zu spielen?

Guillemot: Das ist etwas Neues und sehr Interessantes. Uns gefällt, dass unsere Fans Videos machen können und so tiefer in die Spielwelten abtauchen. Die Entscheidung, ob sie selbst spielen oder lieber ein Video schauen, überlassen wir den Leuten. Unsererseits ist es wichtig, dafür zu sorgen, dass die Spielwelt bekannt und groß ist und dass jeder daran teilhaben kann. Letzte Woche beispielsweise haben wir ein Buch zu "Watch Dogs"  herausgebracht. Auch das ist ein Weg, in die Spielwelt einzutauchen.

SPIEGEL ONLINE: Sie erwähnten, dass man manche Ubisoft-Spiele mittlerweile kostenlos per Mobilgerät mitspielen kann, per Companion-App. Werden wir in zwei, drei Jahre noch immer 60 bis 70 Euro für neue Spiele-Blockbuster zahlen?

Guillemot: Das ist schwer zu sagen, die Industrie wandelt sich schnell. Ich denke, es wird allerlei Formen der Monetarisierung geben, aber auch verschiedene Typen von Spielen. Wie es heute auf dem PC ist, könnte es auch auf Konsolen werden: Es gibt Spiele für 70 Euro, aber auch welche, die kostenlos spielbar sind, in denen manche Spieler aber 500 Euro ausgeben, um das Spiel ihren Ansprüchen anzupassen. Es gibt nicht nur das eine oder nur das andere.

SPIEGEL ONLINE: Im Bereich der Indie-Spiele werden häufig Early-Access-Versionen zum Kauf angeboten. Mit ihnen kann man Spiele ausprobieren, bevor sie fertig programmiert sind. Ist sowas auch für Ubisoft eine Option?

Guillemot: Es ist ein Weg, Feedback von den Kunden zu bekommen - das ist spannend. Es hilft den Machern, die Qualität in die Richtung anzupassen, die die Kunden bevorzugen. Deshalb wird es davon künftig mehr geben.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Firma setzt stark auf Fortsetzungen bekannter Reihe wie "Assassin's Creed" oder "Rayman", hat mit "Watch Dogs" aber gerade eine neue Marke gestartet. Wie schwierig ist so etwas heutzutage?

Guillemot: Es ist merkwürdig, aber der Start neuer Konsolen ist der richtige Zeitpunkt, um neue Marken zu etablieren. Die Kunden sind deutlich offener, neue Dinge auszuprobieren, wenn eine neue Konsole erschienen ist.

Das Interview führte Markus Böhm.

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