Games-Streaming und Spiele-Flatrates auf der E3 Alles nur gecloud

Spiele-Monatsabos locken mit zahlreichen Titeln. Dank Streaming sollen Blockbuster-Games sogar auf Handys laufen. Die Gaming-Messe E3 zeigt, wo die Branche hinwill. Ob der Plan auch für Spieler gut ist?

Games-Flatrate für 15 Euro im Monat: Ubisofts Brenda Panagrossi stellt auf der E3 den Dienst Uplay+ vor
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Games-Flatrate für 15 Euro im Monat: Ubisofts Brenda Panagrossi stellt auf der E3 den Dienst Uplay+ vor

Aus Los Angeles berichtet


Wer ein neues Computerspiel kaufen wollte, für den stellte sich jahrelang dieselbe Frage: Gebe ich zum Release 50 bis 60 Euro aus? Oder warte ich, bis das Spiel als Sonderangebot auftaucht, für 30 Euro? Oder gar solange, bis es für zehn verramscht wird?

Mit Spiele-Flatrates bringen einige Branchengrößen solche Rechnungen jetzt durcheinander. Gamer werden mit Monatsabos gelockt, die in Aussicht stellen, dass man statt bislang ein oder zwei Titeln pro Monat Dutzende spielen kann. Das Motto: Warum für eines entscheiden, wenn du für weniger Geld ein ganzes Paket bekommen kannst?

  • Microsoft etwa hat auf der Spielemesse E3 angekündigt, seinen Xbox Game Pass jetzt auch für PC-Spieler anzubieten. Für zehn Euro pro Monat erlaubt er den Zugriff auf über 100 Spiele, darunter der "Football Manager 2019", "Metro Exodus" und "Forza Horizon 4". Kommende PC-Blockbuster der Microsoft-Spielestudios wie "Age of Empires 2: Definitive Edition" sollen direkt zum Release im Katalog landen. Nachschub scheint so garantiert. Für drei Euro Aufpreis ist ein Upgrade auf den Xbox Game Pass Ultimate drin, womit man auch die Konsolen-Variante des Passes sowie Xbox Live Gold freischaltet, einen Service, den Xbox-Besitzer zum Online-Spielen brauchen.
Vorstellung von Microsofts Xbox Game Pass Ultimate
Casey Rodgers/AP

Vorstellung von Microsofts Xbox Game Pass Ultimate

  • Auch Ubisoft preschte auf der E3 mit einer Flatrate vor. Für 15 Euro im Monat bietet das Uplay+ genannte Angebot einen Zugang zu Dutzenden PC-Games wie "Assassin's Creed: Odyssey". Auch bei Ubisoft sollen künftige Eigenproduktionen wie "Watch Dogs Legion" direkt bei Erscheinen das Abo-Paket ergänzen.
  • Zehn Euro im Monat verlangt derweil EA für sein vergangenes Jahr enthülltes Monatsabo Origin Premier Access, das "Battlefield 5" beinhaltet und mit dem man unter anderem "Fifa 20" eine Woche vor dem offiziellen Erscheinen spielen darf.
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Spielemesse in Los Angeles: Die E3 2019 in Bildern

Angesichts dessen, wie Netflix, Spotify und Co. das Geschäft mit Musik und Videos aufgemischt haben, überrascht es kaum, dass sich nun der Spielebereich in eine ähnliche Richtung wandelt. Spiele-Flatrates sind aber nur einer der Trends, die die Branche derzeit beschäftigen. Ein weiterer ist das Game-Streaming. Die Spiele laufen dabei nicht mehr lokal auf dem Gerät des Nutzers, sondern - in der stets neuesten Version - auf Rechnern der Tech-Konzerne. Das Spielgeschehen wird dabei via Internet auf den Bildschirm des Spielers übertragen. Die sonst üblichen Downloads riesiger Installationsdateien sind dabei nicht mehr nötig.

  • Microsoft will im Oktober mit Tests seines Streaming-Services xCloud beginnen. Xbox-One-Spieler sollen damit die Möglichkeit bekommen, ihre Xbox-Spiele aus der Cloud oder von ihrer Konsole aus auf Mobilgeräte wie Smartphones und Tablets zu streamen, die für die Spiele eigentlich zu leistungsschwach wären. "Unsere Vision fürs Gaming ist, dass du die Games, die du spielen willst, überall spielen kannst", sagte Xbox-Manager Mike Ybarra dem SPIEGEL.
Demo-Geräte fürs Microsofts Projekt xCloud
Casey Rodgers/AP

Demo-Geräte fürs Microsofts Projekt xCloud

  • Herausgefordert wird Microsoft beim Streaming von Google, mit einem im November startenden Dienst namens Stadia. Über diesen Google-Service soll sich ab 2020 - hier überschneiden sich die beiden Trends - auch Uplay+ nutzen lassen, wie Ubisoft auf der E3 bekannt gab. Auch einzelne Blockbuster-Games wie ein "Avengers"-Spiel wurden dort für Stadia angekündigt.
Zwischen Ubisofts Uplay+ und Googles Streaming-Dienst Stadia wird es eine Kooperation geben
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Zwischen Ubisofts Uplay+ und Googles Streaming-Dienst Stadia wird es eine Kooperation geben

  • Das Thema Streaming beschäftigt auch weitere Spiele-Publisher. So stellte Bethesda ("The Elder Scrolls") in Los Angeles sein Projekt Orion vor. Dahinter verbirgt sich dem Unternehmen zufolge eine "patentierte Sammlung von Software-Technologien", die Games-Streaming mit "nicht wahrnehmbarer Latenz" verspricht. Als Latenz bezeichnet man die Zeit, die etwa zwischen einer Joystickbewegung des Spieler und deren Wiedergabe auf dem Bildschirm vergeht. Ist diese Zeitspanne zu groß, kann ein Spiel unspielbar werden.
Vorstellung des Bethesda-Projekts Orion
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Vorstellung des Bethesda-Projekts Orion

  • Für Spieler, die weder eine große Games-Sammlung pflegen, noch teure Spiele-Hardware besitzen, klingt das nach einer rosigen Zukunft, mit einem günstigen Zugang zu zahlreichen Games, die dank Streaming theoretisch auf allerlei Plattformen laufen.

Problemfall Deutschland

Praktisch könnte sich diese Zukunft aber auch als wenig berauschend erweisen. Denn während die Spiele-Flatrates wohl echte Schnäppchen sind - der Game Pass für PC etwa lockt derzeit mit einem Einstiegspreis von einem Euro -, dürfte sich die Cloud-Vision in vielen Bereichen Deutschlands nicht sonderlich gut mit dem vielerorts schlecht ausgebauten Breitband- und Mobilfunknetz vertragen.

Spiele-Streams könnten gute Games für alle zugänglich machen, auch für Menschen ohne teuren Gaming-PC oder Konsole. Praktisch aber ist die Internetverbindung eine Hürde. Google etwa empfiehlt für Stadia in 4K-Auflösung einen Internetanschluss, der mindestens 35 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) schafft. Selbst für Stadia-Gaming in Full-HD sind 20 Mbit/s notwendig. Mobiles Cloud-Gaming ergibt angesichts der Datenmengen eigentlich nur mit einer eine echten- und damit teuren - Mobilfunk-Flatrate Sinn.

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Games-Neuheiten: Die spannendsten Spiele der E3 2019

Und selbst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, muss sich zeigen, ob nicht doch die Latenzen ein größeres Problem sind, als es die Cloud-Anbieter behaupten. Offen ist auch, ob und wie gut die Interfaces von Streaming-Games für die neue Nutzungssituation angepasst werden: Manche Spiele haben schon auf Riesenfernsehern schwer lesbare Menüs. Eins zu eins aufs Smartphone übertragen könnte sich der ein oder andere Titel wie ein Sehtest anfühlen.

Das Prinzip des goldenen Käfigs

Zudem könne Spiele-Flatrates noch ganz andere Tücken haben. Zum Beispiel, wenn es die Branche es Netflix und Amazon Prime-Video nachtut und aufwendige Eigenproduktionen nur zahlenden Flatrate-Kunden zugänglich macht. Schon jetzt segmentiert sich der Markt: Die EA-Titel gibt es nur in dem einem Paket, die Ubisoft-Spiele in dem anderen. Man muss sich entscheiden. Oder doppelt zahlen.

Von den eigenen Games der Flatrate-Anbieter abgesehen, fehlt auch Planungssicherheit: Es ist schwer vorauszusagen, wie viel Neues die Pakete auf Dauer bieten werden. Zudem können und werden manche Spiele von Drittfirmen aus einem Paket wie dem Xbox Game Pass nach einem bestimmten Zeitraum auch wieder verschwinden. Auch das haben die Videoanbieter vorgemacht. Doch statt einen Film nicht mehr sehen zu können, kann man dann vielleicht ein Spiel nicht mehr zu ende durchspielen - und muss es am Ende doch kaufen.

Bei beiden Modellen, beim Abo und beim Cloud-Gaming, machen sich Spieler stark vom Anbieter abhängig: Fällt beispielsweise der Streaming-Dienst mal aus oder wird ein Abo irgendwann vom Anbieter eingestellt, war es das mit dem unkomplizierten und günstigen Spielerlebnis. Was einem nicht gehört, was man nicht auf Disk hat oder auf der Festplatte sichern kann, ist dann womöglich außer Reichweite.

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