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30. Juli 2014, 11:46 Uhr

Spieleflatrate von Electronic Arts

Netflix für Spiele? Na ja.

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Hits wie "FIFA 14" und "Battlefield 4" für vier Euro im Monat: Electronic Arts hat mit EA Access eine Spieleflatrate für die Xbox One angekündigt, mancher vergleicht den Dienst schon mit Netflix. Doch das Startangebot ist eher unspektakulär.

Der Spielekonzern Electronic Arts (EA) hat am Dienstagabend eine überraschende Ankündigung gemacht: Das Unternehmen hat eine Spieleflatrate für die Xbox One vorgestellt. Der Dienst EA Access soll Spielern noch diesen Sommer ermöglichen, für einen monatlichen Pauschalpreis Zugang zu bestimmten EA-Spielen bekommen. Mit dabei sind zunächst das Fußballspiel "Fifa 14" und das Footballspiel "Madden NFL 25", außerdem der Shooter "Battlefield 4" und das Geschicklichkeitsspiel "Peggle 2". Die Teilnahme an EA Access ist zunächst einer Auswahl von Testern vorbehalten, später sollen sich Mitgliedschaften auch bei Amazon und Gamestop erwerben lassen.

Für 3,99 Euro im Monat oder alternativ 24,99 Euro im Jahr hat der Nutzer aber nicht nur Zugriff auf diese bereits 2013 erschienenen Spiele. Zusätzlich erhält der Spieler 10 Prozent Rabatt auf alle digital gekauften EA-Spiele und die Möglichkeit, kommende Titel wie "Fifa 15" und "Dragon Age: Inquisition" kurz vor Erscheinen auszuprobieren, jeweils für mindestens zwei Stunden. Eine Art Premium-Demoversion.

Der Vergleich mit Netflix hinkt

Im Netz sorgte EAs Ankündigung für einigen Wirbel. "Von allen Firmen, die sowas machten könnten, habe ich bei EA nicht damit gerechnet", lautet einer der populärsten Reddit-Kommentare. In vielen Medien ist bereits von einem "Netflix für Games" die Rede, obwohl dieser Vergleich in vielerlei Hinsicht hinkt. Denn anders als bei Netflix und ähnlichen Videoflatrate-Anbietern gibt es bei EA nur Spiele des Anbieters selbst, außerdem lässt sich der Dienst ausschließlich auf der Xbox One nutzen.

Praktisch dürfte EA Access, für das EA mit Microsoft kooperiert, vor allem ein Versuch des Windows-Konzerns sein, ein weiteres Kaufargument für die Xbox One zu liefern. Mit Playstation Plus und Xbox Live bieten sowohl Microsoft als auch Konkurrent Sony Abomodelle, bei denen Spieler kostenlos Zugriff auf bestimmte Titel bekommen. Doch Sony startet in den USA gerade Playstation Now, einen Streaming-Dienst, mit dem sich über hundert Playstation-3-Spiele auf der Playstation 4 spielen lassen - ein merklicher Ausbau des knappen Spieleangebots.

Versuche, einen Spieleflatrate zu etablieren, gab es schon diverse - meistens waren diese auf bestimmte Plattformen oder Genres begrenzt. O2-Kunden etwa können für 4,99 Euro über hundert EA-Spiele wie "Tetris" auf Smartphones und Tablets spielen. Besitzer der Android-Konsole Ouya bekommen für 60 Dollar Zugriff auf rund 800 Spiele. Und für PC-Spieler bot der Telekom-Dienst Gamesload eine Flatrate, die dem Unternehmen jedoch keinen großen Erfolg beschert hat. Vor Kurzem wurde Gamesload verkauft, das Portal startet gerade neu.

Auf dem PC-Markt haben es Flatrates schwer

Das Scheitern von Gamesload lässt sich unter anderem damit erklären, dass gerade PC-Spiele vergleichsweise wenig kosten. Der Onlinekauf-Marktführer Steam lockt immer wieder mit massiven Rabatten, Spielepakete wie das Humble Bundle liefern für wenige Euro diverse ältere Titel. 2013 nutzte sogar EA letzteren Vertriebsweg, um Spiele wie "Dead Space 3" und "Mirror's Edge" unter die Leute zu bringen.

Auf den neuen Konsolen Xbox One und Playstation 4 ist das Preisniveau stabiler, große Spiele kosten hier recht lange 50 bis 70 Euro. Insofern könnte eine Spieleflatrate hier durchaus auf Interesse stoßen, zumindest bei Spielern, die sich nicht unbedingt in einzelne Titel vertiefen, sondern lieber möglichst viel ausprobieren wollen, vom Sport- bis zum Actionspiel.

Die Starttitel sind eher unspektakulär

Wirklich reizvoll ist das Startangebot von EA Access für diese Zielgruppe aber nicht. "Battlefield 4" und "Fifa 14" zählen zu den meistverkauften Xbox-One-Spielen, sprich: Viele Spieler dürften sie sowieso kennen. Und "Madden NFL 25" dürfte als Footballspiel eher amerikanische als deutsche Spieler ansprechen.

Spannend ist daher vor allem, was EA langfristig mit seiner Flatrate vorhat. Wird der Spielekatalog mit Klassikern anderer Plattformen ausgebaut - mit Spielen, die Nostalgie wecken und nicht nur die letztjährige Auflage einer Spielereihe sind? Werden irgendwann nur noch EA-Access-Mitglieder große Titel vor dem Kauf ausprobieren können? Und kann EAs Dienst dafür sorgen, dass auch bei Spielen das Leihen das Kaufen ablöst? Lassen sich diese Fragen bald mit ja beantworten, könnte dies den Spielemarkt durchaus radikal verändern. Vorerst bringt EA Access aber allenfalls ein wenig frischen Wind.

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