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10. September 2019, 17:23 Uhr

"eFootball PES 2020"

Dieses Fußballspiel ist schwer zu lieben

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Auf dem Platz setzt "Pro Evolution Soccer 2020" Maßstäbe. Doch die Fußballsimulation aus Japan hat viele Altlasten - und bietet dieses Jahr wenig Neues, anders als ihr großer Rivale "Fifa 20".

In "Pro Evolution Soccer 2020" können die Spieler den Ball nun in den Magen gedroschen bekommen - oder in den Schritt, was sie kurz spielunfähig macht. Neu ist zudem die Taktikanweisung "Positionstreue". Und, ach ja, und man kann jetzt gezielt ein taktisches Foul begehen. Es gibt Aufregenderes als solche Anpassungen.

Die zwei etablierten Reihen "Fifa" und "Pro Evolution Soccer" ("PES") bringen zwar jedes Jahr neue Vollpreisspiele hervor. Grundlegende Neuerungen wie ein für "Fifa 2020" angekündigter Straßenfußball-Modus, in dem erstmals männliche und weibliche Figuren zusammen spielen, sind aber seltene Lichtblicke.

Bei "PES" vom japanischen Hersteller Konami ist diesmal ein verlängerter Spieltitel die größte Anpassung: Konami will sein Spiel unter dem Namen "eFootball PES 2020" stärker als E-Sport-Titel positionieren - und es vielleicht in alphabetisch sortierten Spieleübersichten näher an "Fifa" rücken. Der Konkurrent verkauft sich um ein Vielfaches besser, auch in Deutschland wird "Fifa" von viel mehr Spielern gespielt (und manchmal auch gehasst).

"Der Ball, der rollt schon."

Praktisch - das kann ich mit 15 Jahren "PES"-Erfahrung sagen - bleibt "PES" aber "PES": eine vom Spielgefühl her grandiose Fußballsimulation, der jenseits der Matches aber der Feinschliff fehlt und die mit dem Onlinezeitalter hadert. Mal wieder.

Ein paar Beispiele:

Die Spiele machen viel Spaß

Das alles ist ärgerlich, denn die Partien in "PES 2020" sind spaßig und fordernd - selbst gegen den Computer, erst recht gegen menschliche Gegner und im "Koop-Modus", in dem zwei oder drei Spieler gemeinsam ein Team übernehmen.

"PES 2020" gibt Spielern das Gefühl, ihre Mannschaft unter Kontrolle zu haben. Gegentore lassen sich nicht immer, aber oft genug mit eigenem Versagen erklären. Tore dagegen muss man sich erarbeiten, was sie umso befriedigender macht.

Gegenüber "PES 2019" ist das Geschehen etwas verlangsamt worden, was dem Spielgefühl gut tut, genau wie der größere Fokus auf die Physis der Spieler, ergänzt um neue Dribbel-Optionen. Die Schiedsrichter scheinen in den Vollversionen wieder weniger kleinlich zu pfeifen als in der Demoversion.

Optisch hat sich kaum etwas geändert. Die Grafik gefällt trotzdem, selbst auf einer normalen Playstation 4. Vor allem die Spieleranimationen sind beeindruckend realitätsnah, Stars oft schon an ihren Bewegungen und ihrem Spielstil zu erkennen. Die Stadionatmosphäre ist indes mau.

Kaum Neues bei "MyClub"

In den Modi wurde die "Meisterliga" mit neuen Start-Optionen und Videosequenzen aufgepeppt, die man bald überspringt. Die Spieler-Karriere "Werde zur Legende" und "MyClub", das Pendant zum wichtigsten "Fifa"-Onlinemodus "Ultimate Team", scheinen dagegen zu stagnieren. Neu ist für Online-Spieler lediglich der Modus "Matchday", in dem viele Spieler zugleich aktuelle Derbys nachspielen und sich dabei auf eine bestimmte Seite schlagen.

An deutschen Teams bietet "PES 2020" nur Bayern München, Bayer Leverkusen und Schalke 04. Frankreichs und Italiens erste Liga beispielsweise sind dagegen mit Originaldaten im Spiel (inklusive Juventus Turin, das in "Fifa 20" "Piemonte Calcio" heißen wird). Alle englischen und spanischen Vereine außer Arsenal, Manchester United und dem FC Barcelona bieten derweil echte Kader, aber Fake-Vereinsnamen. Die meisten Nationalteams sind authentisch vertreten, 2020 liefert Konami noch ein EM-Update nach.

Beim Füllen der Lizenzen-Lücken hilft wie gewohnt ein umfangreicher Editor. Mit ihm lassen sich Originaldaten selbst nachtragen oder Datensets von Dritten einspielen. Der Offline-Teil des Spiels lässt sich so noch stark aufpeppen.

Am besten mit mehreren auf der Couch

Am besten ist "PES 2020" ganz klar, wenn man Duelle mit Mitspielern neben sich auf der Couch mag. Für Offline-Partien gibt es die spannendsten Spiel-Optionen, E-Sport-Einstellungen inklusive. Hier stellt das Spiel "Fifa 19" und seinen Vorgänger in den Schatten. Spieler mit Onlinefokus haben es dagegen weiter schwer, "PES" zu lieben. Die wenigen Neuerungen, die "PES 2020" bietet, hätte Konami jederzeit per Update nachliefern können.

Für Fans bleibt es ein Spiel, das einen Tick runder wirkt als "PES 2019". Neueinsteiger bekommen eine teils schwergängige, aber sehr ernsthafte "Fifa 2020"-Alternative - wenn auch ohne Bonbons wie Straßenfußball.


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