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Rollenspiel im Test: So sieht die Welt von "Fallout 4" aus

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"Fallout 4" im Test Hurra, diese Welt ging unter

Die Steuerung nervt, die Geschichte ist nebensächlich, die Optik im Stil von 2008: Vieles am neuen "Fallout 4" schreckt ab. Doch das Post-Apokalypse-Rollenspiel bietet zum Glück eine Welt, die man unbedingt erkunden will.

Die Bunkertüren öffnen sich, die Sonne strahlt vom Himmel, und der Blick schweift von einer Anhöhe über eine Landschaft voller eingestürzter Häuser, zerstörter Brücken und abgebrochener Bäume. Es ist Boston, 200 Jahre nach einem Atomkrieg. Die zerstörte Stadt ist Schauplatz der strahlenden Zukunftsvision von "Fallout 4".

"Fallout" ist eine Serie von Rollenspielen, deren erster Teil immer noch ein Klassiker des Erzählens ist. Ein Spiel, das selbst dann attraktiv war, wenn man kein Tolkien- oder Dungeons-&-Dragons-Fan war. Ein Spiel, das Trolle und Elfen durch Ghule und Supermutanten ersetzt und märchenhafte Erzählungen gegen einen ironischen Retro-Futurismus getauscht hat.

Mit dem dritten, 2008 erschienenen Teil hat Bethesda die Serie in eine 3D-Welt geholt und ihr mehr Action verpasst. Das kam so gut an, dass der vierte Teil nun zu den am meisten erwarteten Spiele des Jahres zählt und bereits in vielen Spielemagazinen Höchstwertungen einfuhr - was allerdings nicht unbedingt verständlich ist.

Die Gesichter sind leer

"Fallout 4" ist nämlich keine Schönheit, vor allem nicht im Vergleich zu anderen aktuellen Spielen. Dabei sind es vor allem die Spielfiguren, die immer wieder die Illusion einer stimmigen Welt zerstören. Die Animationen etwa wirken eckig und erinnern eher an Aufziehspielzeug als an flüssige Bewegungen, wie man sie inzwischen auch virtuell gewöhnt ist. Die Gesichter sind leer, die Mundbewegungen nur minimal.

Kein Wunder also, dass man im Spiel immer wieder aus Versehen auf Schaufensterpuppen schießt, sind diese doch nur wenig lebloser als alle anderen Figuren. Die oft lustlos vorgetragenen Dialoge helfen da auch nicht weiter. Bezeichnend ist zudem, dass der Detektiv-Androide Nick Valentine über weite Strecken die interessanteste und lebendigste Gestalt des Spiels ist.

Blaues Wasser, radioaktiv verstrahlt: Die Gefahr lauert auch in der Tiefe

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Genauso enttäuschend wie die Optik des Spiels, die auf dem Stand von 2008 stehengeblieben scheint, ist auch die Technik: Kleine und große Fehler tauchen immer wieder auf, manchmal stürzt das Spiel auf der Playstation 4 gar ab. Die Steuerung ist umständlich, was immer wieder dazu führt, dass man in Kämpfen den falschen Knopf drückt und versehentlich eine unpassende Aktion auslöst.

Irgendwo ist immer etwas los

Noch komplizierter wird es in dem Moment, in dem man anfangen soll, Siedlungen zu bauen - eine der neuen Funktionen von "Fallout 4". Dabei passiert es, dass man gern eine Hauswand einsetzen würde, dieses jedoch daran scheitert, dass man sie nicht richtig drehen kann. Das komplizierte Jonglieren von Dingen im unaufgeräumten Inventar ist da nur noch Nebensache.

Das Ganze ist besonders ärgerlich, da fast all diese Probleme schon in den Vorgängern und dem auf ähnlicher Technik aufbauenden "Skyrim" auftraten. Entweder bekommt der Hersteller Bethesda die Probleme nicht in den Griff, oder er ist nicht sonderlich interessiert, sie zu beheben. Schließlich kaufen die Spieler die Spiele ja trotzdem.

Für einen Kauf von "Fallout 4" gibt es allerdings auch gute Gründe. Schließlich ist die Spielwelt groß und an jeder Ecke voller Überraschungen und Gefahren. Man kann kaum eine halbe Minute gehen, ohne wieder etwas Neues entdeckt zu haben. Überall dort könnten dann neue Geschichten versteckt sein. Jünger der Atombombe im Bombenkrater, eine Stadt im Baseballstadion, kleine Siedlungen in alten Fabriken: Irgendwo ist immer etwas los.

Eine Geschichte ohne viel Tiefgang

Nebenbei soll auch noch die Hauptgeschichte verfolgt werden: das Kind der Hauptfigur wiederfinden. Es wurde als Baby aus dem Bunker entführt, in dem es im Kälteschlaf die Zeit zwischen dem großen Atomkrieg und der Spielegegenwart verbracht hat. Aber das ist schnell egal.

Die Geschichte wird ohne großen Tiefgang erzählt und taucht immer wieder dann auf, wenn gerade mal Leerlauf ist und keine Siedlungen vor Überfällen geschützt, Entführte gerettet oder Handelswege gesichert werden sollen.

Faszinierend an "Fallout 4" ist letztlich vor allem, dass es die große, offene Welt mit ihren Sehenswürdigkeiten schafft, den Mangel an Geschichte und die technischen Ungereimtheiten vergessen zu lassen. Dass das wüste Land nach dem Atomkrieg so viel Gelegenheiten bietet, Spieler ihre eigenen Geschichten schreiben zu lassen. Der nächste "Fallout"-Teil darf dann aber gern doch mal technisch auf der Höhe der Zeit sein.


"Fallout 4" von Bethesda, für Playstation 4, Xbox One, PC, ab 55 Euro; USK: Ab 18 Jahren

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