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18. Juni 2015, 13:48 Uhr

Computerspiel-Entwickler Howard

"Fallout ist eher ein amerikanisches Spiel"

Ein Interview von

Das Rollenspiel "Fallout 4" ist einer der Hits auf der Spielemesse E3. Hier erklärt Chefentwickler Todd Howard, was Spieler auf ihrer Reise durchs postapokalyptische Boston erwartet.

Todd Howard ist einer der bekanntesten Computerspiele-Entwickler der Welt. Der Game-Designer von Bethesda Softworks hat mit "Fallout 3" und den "The Elder Scrolls"-Spielen "Morrowind", "Oblivion" und "Skyrim" gleich mehrere hervorragende Spiele verantwortet, die Millionen Spielefans in ihren Bann zogen.

Auf der Spielemesse E3 hat Howard seinen nächsten Hit vorgestellt: "Fallout 4", das am 10. November für den PC, die Playstation 4 und die Xbox One erscheinen soll.

Das Endzeit-Rollenspiel voller Anspielungen auf die Fünfzigerjahre und Science-Fiction-Comics ist im amerikanischen Boston angesiedelt - in einer Welt, deren Geschichtsschreibung unserer realen nur teilweise ähnelt (Eindrücke liefert unsere Bildstrecke).

Die Hauptfigur, deren Geschlecht man wählen kann, ist im Jahr 2277 unterwegs, 200 Jahre nach einem Atomkrieg. Zu entdecken gibt es eine Welt voller geheimnisvoller Orte, seltsamen Personen und fiesen Kreaturen. Wir haben mit Todd Howard über den neuesten Teil der Serie gesprochen.

SPIEGEL ONLINE: Herr Howard, als Sie "Fallout 4" bei Bethesdas E3-Pressekonferenz vorgestellt haben, sagten Sie, dass seit 2009 daran gearbeitet wird. Fiel es Ihnen schwer, der Öffentlichkeit erst jetzt von dem Projekt zu erzählen?

Howard: Die vergangenen vier Jahre waren hart, nachdem wir "Skyrim" auf den Markt gebracht hatten. Man wollte darüber reden und hätte es tun können, doch wir hielten es für besser, die Entwicklung geheim zu halten, bis wirklich etwas da ist. Wir wollten den Moment, in dem die Leute davon erfahren, besonders machen - und wir haben das Gefühl, das ist uns ganz gut gelungen.

SPIEGEL ONLINE: Der dritte "Fallout"-Teil spielte in Washington, warum haben Sie sich diesmal für Boston entschieden?

Howard: Schon in "Fallout 3" gab es Hinweise auf Boston. Die Stadt hat den richtigen Mix aus amerikanischer Geschichte und Hightech-Zeug.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie mal mit dem Gedanken gespielt, ein "Fallout"-Spiel in Europa anzusiedeln?

Howard: "Fallout" ist vom Ton her viel eher ein amerikanisches Spiel, etwa was die Propaganda, den Humor und den Futurismus angeht.

SPIEGEL ONLINE: Auf der E3 wurden dieses Jahr viele Spiele vorgestellt, bei denen man von einem Moment zum anderem vom Einzel- in den Mehrspielermodus wechseln kann. Warum haben Sie "Fallout 4" als reines Einzelspielerspiel konzipiert?

Howard: Die Frage ist, was man dem Spieler ermöglichen will. Zum Erkunden in "Fallout" gehört eine gewisse Einsamkeit. Und wir wollten eine bestimmte Art von Geschichte erzählen. Wäre "Fallout" ein Mehrspielerspiel, wäre es ein ganz anderes Spiel. Nicht zwangsläufig ein schlechtes, aber ein anderes.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt mittlerweile viele Spiele mit offener Welt, etwa von Rockstar Games und Ubisoft. Gerade ist das Rollenspiel "The Witcher 3" erschienen. Was macht die Welt von "Fallout 4" besonders?

Howard: Unsere Welt hat eben den "Fallout"-Stil, schon das macht das Spiel besonders. Wir bemühen uns, alles so zu gestalten, dass es in die "Fallout"-Welt passt. Bei uns kann der Spieler außerdem zwischen der Ich-Perspektive und einer Dritte-Person-Perspektive wählen: Wir müssen uns also um die winzigen, aber auch die großen Details kümmern.

SPIEGEL ONLINE: Zum ersten Mal werden Spieler die Chance haben, die Spielwelt vor der Apokalypse zu Gesicht zu bekommen - dort individualisiert man unter anderem seinen Charakter. Welchen Umfang hat dieser Teil des Spiels?

Howard: Das kann man zeitlich nicht genau sagen - man kann ja eine halbe Stunde damit verbringen, das Gesicht seiner Spielfigur zu erstellen. Der Teil ist nicht allzu lang.

SPIEGEL ONLINE: Die Handlung vor der Apokalypse spielt also vor allem in der gezeigten Wohnsiedlung, man kann nicht die ganze Umgebung bereisen?

Howard: So ist es.

SPIEGEL ONLINE: Welche Rolle spielen der Hund und der Haushaltsroboter, die bei der Spielpräsentation zu sehen waren?

Howard: Im Spiel gibt es eine Reihe von Begleitern, der Hund und der Roboter sind zwei davon. Sie können dem Spieler helfen und mit ihm kämpfen, jedoch nie mehr als einer auf einmal. Man kann aber zwischen den Begleitern wechseln.

SPIEGEL ONLINE: Neu ist die Möglichkeit, in der Spielwelt kleine Festungen, aus Dingen, die man gefunden hat, zu errichten. Hat diese Funktion Grenzen?

Howard: Das Bauen wird nur in bestimmten Arealen auf der Karte möglich sein. Innerhalb dieser Areale gibt es keine Beschränkungen.

SPIEGEL ONLINE: Bei der Microsoft-Pressekonferenz wurde bekannt gegeben, dass per PC erstellte Fan-Erweiterungen auch auf der Xbox One laufen sollen. Wird man für manche Mods bezahlen müssen? Bei "Skyrim" hat Bethesda mit einer Mod-Bezahlmöglichkeit experimentiert, die nach Fan-Protesten zurückgezogen wurde.

Howard: Wie lang war das Bezahlsystem online? 24 Stunden? Ich kann nur für den jetzigen Zeitpunkt sprechen, aber aktuell gibt es keine Pläne für ein Bezahlsystem.

SPIEGEL ONLINE: Wie "Fallout 4" wurden auch schon andere Spiele sehnlich von den Fans erwartet, doch nicht immer lösten sie ein, was sie versprachen. Bei "Assassin's Creed: Unity" etwa ärgerten sich viele Spieler über Zusatzkäufe, die darin angeboten wurden. Gibt es etwas Derartiges in "Fallout 4"?

Howard: Nein.

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