Fußballsimulation "Fifa 20" Ab auf die Straße - mit Frauen und Männern

Bislang simulierte die Spielereihe "Fifa" die großen Stadien und Spiele - im nächsten Teil kommen nun Kleinfeld-Partien hinzu. Der neue Modus erlaubt etwas, das in der Serie noch nie möglich war.

Ein neuer Modus von "Fifa 20" erlaubt es, dass Frauen und Männer zusammen oder gegeneinander spielen können
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Ein neuer Modus von "Fifa 20" erlaubt es, dass Frauen und Männer zusammen oder gegeneinander spielen können

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Mit "Fifa", das jedes Jahr in einer neuen Fassung auf den Markt kommt, ist es wie mit Fußballsaisons. Es gibt Jahre, an die Fans noch lange zurückdenken, weil "Fifa" echte Neuerungen bekam, wie den "The Journey"-Storymodus, den seinerzeit revolutionären "Ultimate Team"-Modus oder Frauenteams. Dann gibt es Jahre, die okay waren, wie das Jahr mit "Fifa 18", samt WM-Modus. Und dann sind da Jahre, die Fans schnell hinter sich lassen wollen.

Das aktuelle "Fifa 19" war zwar - wie üblich - das in Deutschland meistverkaufte Videospiel seines Erscheinungsjahres. Doch bei vielen Spielern hat sich seit dem Release im Herbst 2018 Frust angestaut: Sowohl E-Sportler, als auch Gelegenheitsspieler schimpften über das Gameplay. Hersteller EA versuchte mehrfach durch Online-Updates nachzubessern - mit mäßigem Erfolg. Als EA kürzlich aufzeigte, was sich in den kommenden Teilen ändern soll, war das auch ein Eingeständnis, dass bei "Fifa 19" vieles nicht gut gelöst war.

"Zurück zu den Wurzeln"

"Fifa 20", das Samstagabend enthüllt wurde, buhlt nun mit Gameplay-Anpassungen um die Gunst der Fans, vor allem aber mit neuen Spielmöglichkeiten. Der nächste Teil bekomme einen Kleinfeld-Modus, erzählten Aaron McHardy und Matthew Prior aus dem Entwicklerteam dem SPIEGEL: Man wolle den Fußball "zurück zu seinen Wurzeln" bringen. Die wenigsten Menschen würden jemals selbst vor 50.000 Stadionbesuchern spielen. "Fifa" wolle daher nun auch die "andere Seite" des Sports einfangen.

Im neuen Kleinfeld-Modus sind den Entwicklern zufolge künftig Straßen- und Hallenfußballpartien möglich. Vorgestellt wurden zunächst Plätze, die in Amsterdam, London und Tokio angesiedelt sind. In Tokio wird auf einem Hausdach gespielt, in London in einer Art Käfig. Es werde in "Fifa 20" aber unter anderem auch noch ein Berliner "Indoor Court" geben, sagten McHardy und Prior, einen Hallenplatz also.

In Tokio wird auf einem Hausdach gespielt
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In Tokio wird auf einem Hausdach gespielt

Auf den Kleinfeldern wird Drei-gegen-Drei, Vier-gegen-Vier oder Fünf-gegen-Fünf gespielt, wahlweise mit oder ohne Torwart. "Volta Football" nennt EA den gesamten Modus, der neben Straßenfußball die Hallenfußball-Variante Futsal simuliert.

In London wartet ein Käfig
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In London wartet ein Käfig

Erinnerungen an die Neunzigerjahre und "Fifa Street"

Bei einigen "Fifa"-Spielern dürfte die Idee der Minifelder Erinnerungen wecken, denn fundamental neu ist sie nicht: Wer schon in den Neunzigerjahren auf virtuelle Torjagd ging, kennt noch den legendären Hallenmodus von "Fifa". Der tauchte nach Auftritten in "Fifa 97" und "Fifa 98" aber nie wieder auf - mit Ausnahme einiger "Fifa"-Versionen für Nintendos Konsole Wii, die kaum Beachtung fanden. Jüngeren Spieler fällt vielleicht der Beginn der "The Journey"-Story in "Fifa 18" ein, bei der es in einem Favela-Hinterhof ein kurzes Spiel Drei-gegen-Drei gab.

Auf der Hand liegt natürlich auch der Vergleich zu "Fifa Street", einem "Fifa"-Ableger zum Thema Straßenfußball, von dem zwischen 2005 und 2012 vier Serienteile erschienen.

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06.06.2019, 13:20 Uhr
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Eine Neuauflage von "Fifa Street" als Spiel im Spiel solle man aber nicht erwarten, sagen die Entwickler McHardy und Prior. Das Gameplay des Kleinfeld-Modus basiere auf dem normalen Elf-gegen-Elf-Erlebnis: Man müsse also nicht, wie einst beim Serienableger, groß umlernen. Der Unterschied sei eher der Stil, in Kombination mit neuen Animationen, aber auch ungewohnten Elementen wie Banden am Spielfeldrand. Ebenso gebe es Story-Elemente.

Hier ist das Amsterdamer Kleinfeld zu sehen
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Hier ist das Amsterdamer Kleinfeld zu sehen

Der neue Modus soll zugänglich und anpassbar sein, versprechen die Entwickler - und für "Fifa"-Verhältnisse ungewohnt inklusiv. Kleinfeld-Partien lassen sich in "Fifa 20" mit echten Fußballprofis, aber auch mit selbst gebastelten Spielern austragen - mit Männern wie Frauen. Bislang war es in "Fifa" unmöglich, weibliche Charaktere zu erstellen. Es gab nur Frauen-Nationalteams, die ausschließlich gegeneinander antreten konnten.

Der neue Modus bricht nun auch mit der künstlichen Geschlechter-Grenze von "Fifa". Auf dem Kleinfeld, allerdings auch nur hier, kann erstmals zeitgleich mit Frauen und Männern gespielt werden.

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"The Journey" ist auserzählt

Die Spieler für den Kleinfeld-Modus werden sich optisch individualisieren lassen, heißt es. Freispielen lassen sollen sich etwa neue Trikots, Socken, Schuhe und Tattoos. Mikrotransaktionen gebe es keine, sagen Prior und McHardy [in einem anderen Interview zum Spiel war später übrigens vonvager von "keinen Mikrotransaktionen zum Release" die Rede; Anmerkung des Autors]. Die optionalen Accessoires sollen auch die Partien selbst nicht beeinflussen.

Eine Figur mit Klamotten ausstatten konnten Spieler zuletzt schon im "The Journey"-Storymodus, der bei Einzelspielern beliebt war. In "Fifa 20" wird dieser Modus fehlen. "The Journey" sei von Anfang an als Trilogie angelegt gewesen, sagen die EA-Entwickler dazu. Sie sei mit dem letzten Teil in "Fifa 19" abgeschlossen worden.

"The Journey" geht also, "Volta Football" kommt: Es wird sich zeigen müssen, ob der Reiz des Kleinfelds den Verlust des Storymodus verschmerzen lässt. Erscheinen soll "Fifa 20" am 27. September, Kunden der EA-Flatrate Origin Access Premier können die Vollversion bereits ab dem 19. September spielen. Erhältlich sein wird das Spiel für die Playstation 4, die Xbox One und den PC. Nintendos Switch bekommt dieses Jahr nur eine auf die aktuelle Saison angepasste Variante ("Legacy"-Version genannt) der Switch-Version von "Fifa 19", die selbst schon eine abgespeckte und enttäuschende "Fifa 19"-Version war. "Volta Football" gibt es darin nicht.



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
quercusuevus 08.06.2019
1. Warum künstlich ?
"Der neue Modus bricht nun auch mit der künstlichen Geschlechter-Grenze von "Fifa"." Das ist keine künstliche Grenze, sondern bildet nur die Realität ab: Männer sind Frauen im Fußball körperlich schlicht überlegen.
AngelsAdvocate 08.06.2019
2.
Zitat von quercusuevus"Der neue Modus bricht nun auch mit der künstlichen Geschlechter-Grenze von "Fifa"." Das ist keine künstliche Grenze, sondern bildet nur die Realität ab: Männer sind Frauen im Fußball körperlich schlicht überlegen.
Dass es hier um die ...künstliche... Spielwelt der Serie "Fifa" geht und nicht um die Realität ist schon klar, oder? Wer so realistisch wie möglich Fußball spielen will, könnte natürlich auch einfach raus auf einen realen Fußballplatz gehen... Und sogar da dürfen (außerhalb von Saudi-Arabien) Männer und Frauen gemeinsam spielen, wenn sie denn wollen.
Nonvaio01 09.06.2019
3. entaeuscht
mein Sohn war von Fifa 19 entaeuscht, er sagt es gibt kaum noch spieler updates in der saison, frueher wurden die staerken der spieler oefter angepasst.
jochenbergerhoff 09.06.2019
4. Wii
Auf der Wii war der Street-Soccer-Modus auch der einzige gelungene. Vereine und Nationalmannschaften konnte man vergessen. Bei FIFA19 gibt es im Ultimate-Team ununterbrochen neue Spieler, nur häufig muss man sie sich erspielen oder bei den Squad Building Challenges tauschen. Jetzt wo die Spieler der Saison raus kommen macht es mir Spaß zu spielen, vor allem die Wochenherausforderungen und die Rivals-Ligen finde ich besser als früher die Weekend-Ligue. Die spiel ich gar nicht mehr.
quercusuevus 10.06.2019
5.
Zitat von AngelsAdvocateDass es hier um die ...künstliche... Spielwelt der Serie "Fifa" geht und nicht um die Realität ist schon klar, oder? Wer so realistisch wie möglich Fußball spielen will, könnte natürlich auch einfach raus auf einen realen Fußballplatz gehen... Und sogar da dürfen (außerhalb von Saudi-Arabien) Männer und Frauen gemeinsam spielen, wenn sie denn wollen.
Sicher. Im echten Leben führt das dann zu kuriosen Regeln wie diesen bei der "Straßenfußball-WM" in Mannheim: - mindestens ein Mädchen muss stets auf dem Feld "aktiv in das Geschehen eingreifen" - Tore zählen erst, wenn auch ein Mädchen ein Tor geschossen hat - Tore der Mädchen zählen doppelt https://sportjugend-mannheim.de/strasenfusball-wm/
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