Neue Fußballsimulation im Test "Fifa 21" lädt zum Schützenfest

Der Spielfluss ist noch geschmeidiger, das Flanken macht wieder Spaß - doch Corona wird komplett ausgeblendet. Morgen erscheint "Fifa 21". Wir haben ausprobiert, ob das Spiel das Geld wert ist.
Foto: Electronic Arts

Manuel Neuer hat es in dieser Saison nicht leicht. Der Torhüter des FC Bayern München lässt deutlich mehr Schüsse abprallen, faustet den Ball auch mal gegen den Rücken des Mitspielers und pflückt längst nicht mehr jede Ecke aus der Luft. Für torfreudige Videospieler ist das eine gute Nachricht: Denn Electronic Arts (EA) hat alle Torhüter der Fußballsimulation "Fifa 21" ein bisschen schlechter gemacht.

Doch damit nicht genug: Auch Verteidigen ist schwieriger. Eine leichte Körpertäuschung reicht oft schon, um den Stürmern den freien Weg aufs Tor zu ebnen. Das erhöht bei jeder Partie die Chancen für ein Schützenfest beim diesjährigen Update der Fifa-Reihe. Leider ist es wirklich nur ein Update. "Fifa 21" ist kein neues Spiel, auch wenn die feinen Änderungen den Spielfluss auf dem Feld und dem Betonplatz nochmal verbessern.

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Das ist neu bei "Fifa 21"

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Corona gibt's hier nicht

Doch für einen Vollpreistitel für rund 60 Euro reicht das nicht. Denn auch die aktuelle Pandemielage ignoriert das Spiel völlig: Zwar sind die Kader auf aktuellem Stand, die Fußballer sehen realistischer aus als je zuvor, bewegen sich eleganter und punkten mit verbesserter Mimik. Doch vom Coronavirus und den Hygieneregeln, die fast alle Fußballstadien der Welt leer gefegt haben, ist in der Fifa-Simulation nichts zu spüren.

Kein einziger Fan trägt Maske, die Zuschauerränge sind vollgepackt bis obenhin und Spieler klatschen sich fröhlich ab. Nicht einmal einen Kippschalter für einen Corona-Modus mit Geisterspielen bietet EA an. Das ist schade für eine Fußballsimulation mit dem Anspruch auf Aktualität.

Die Konkurrenz bei Konami geht ehrlicher mit den Fans um. Anstatt ein paar Verbesserungen als vollwertigen neuen Titel zu verkaufen, können sich die Spieler für rund 30 Euro ein Update für "eFootball PES 2020" installieren, um die Mannschaften und Spielerwerte auf den neuesten Stand zu bringen.

Straßenfußball nun auch online mit Freunden

Die gute Nachricht: Der erfrischende Straßenfußballmodus Volta ist bei "Fifa 21" wieder mit dabei. Dieses Mal dürfen Freunde auch in Onlinespielen gegeneinander antreten und ihre Dribbeltricks auf dem Bolzplatz auspacken. Das ist eine wirkliche Verbesserung und eine nette Abwechslung zum Rasensport.

Wer lieber allein spielt und sich auf eine neue Kampagne mit starken Charakteren und emotionaler Story wie damals mit dem Protagonisten Alex Hunter gefreut hat, der wird jedoch enttäuscht sein. Auf eine richtige Volta-Kampagne hat EA verzichtet. Lediglich ein paar lieblos reingeklatschte Zwischensequenzen leiten den Spieler in "Das Debüt" durch eine etwa dreistündige Einzelspielergeschichte ohne Höhepunkte.

Die Geldmaschine FUT läuft wieder an

Aus wirtschaftlicher Sicht ist das nachvollziehbar. Auch bei "Fifa 21" liegt der Fokus der Entwickler wieder voll auf dem Erfolgsmodus Fifa Ultimate Team (FUT), seit rund zehn Jahren die offizielle Geldmaschine der Fußballreihe. Hier stecken Fifa-Fans jedes Jahr viel Geld rein, um sich Topspieler mit aufgepumpten Werten aus virtuellen Kartensets zu ziehen und sich damit einen spielerischen Vorteil zu verschaffen.

Wer ganz oben mitspielt, der gibt laut Fifa-Profi Tim Latka von Schalke 04 auch gern mal bis zu 4000 Euro pro Saison dafür aus, um genügend Superstars zu ziehen. Dieser Casino-Trend, der teilweise sogar in Kinderzeitschriften beworben wird , stößt immer mehr Spielern sauer auf. "E-Sport darf sich nicht darüber identifizieren, wer am meisten Geld dafür ausgibt", sagte Latka vor etwa zwei Wochen in einem YouTube-Video . Für "Fifa 21" will er kein Geld mehr in Kartensets stecken, auch wenn seine Gegner mit Ikonen wie Thierry Henry und Zinédine Zidane seiner Meinung nach "deutlich höhere Chancen haben gegen mich zu gewinnen".

Damit das Geld wieder fließt, werden die FUT-Mannschaften auch mit "Fifa 21" wieder auf null gesetzt. Der Grund: Die meisten Onlineteams sind nach einer Saison so absurd stark, dass derzeit fast nur noch Teams mit Ikonen über den Platz hetzen, die mit Tempo- und Schusswerten knapp unter 100 antreten. Mit "Fifa 21" herrscht erst mal wieder Chancengleichheit auf dem Platz. Damit ist es aber bald vorbei. Denn der Sammelwahnsinn hat wieder begonnen.

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