Remake im Test So faszinierend ist das neue "Final Fantasy 7"

"Final Fantasy 7" ist eins der beliebtesten Rollenspiele der Neunzigerjahre. Jetzt kommt eine moderne Interpretation des Klassikers auf den Markt. Ist die Neuauflage gelungen?
Foto: Square Enix

Spoiler-Hinweis: Dieser Text enthält bewusst kaum Details zur Handlung von "Final Fantasy 7 Remake". Wenn Sie möglichst wenig über den Verlauf des Spiels erfahren wollen, empfehlen wir Ihnen allerdings, die zugehörige Fotostrecke nicht aufzurufen.

Die Blumen blühen noch immer, in Weiß und Grün. In der zerfallenen Kapelle, in der Menschen einst Segen und Gnade suchten. Gottesdienste gibt es hier schon lange nicht mehr - aber Opfer werden weiterhin gebracht. Die Tür schlägt auf, der groteske Antagonist tritt herein. Der Held greift sein gigantisches Schwert, die Musik dramatisiert. Auf in den Kampf.

"Final Fantasy 7" zählt zu den meistverehrten Videospielen überhaupt. Das jetzt für die Playstation erscheinende Remake möchte seine Geschichte über Widerstand, Liebe und – natürlich – Weltenrettung aus den Neunzigerjahren in die aktuelle Zeit transplantieren.

Dabei entledigt es sich seiner antiquierten Mechaniken: Es gibt keine rundenbasierten Kämpfe mehr, keine vorgerenderten Hintergründe. Aus dem eher betulichen Original von 1997 ist ein actionreiches Spiel voller Spektakel geworden. Doch darunter findet sie sich noch, die Essenz des Spiels, das damals das Rollenspiel-Genre veränderte.

Kampf gegen das Ende

In "Final Fantasy 7" ist die Widerstandsgruppe Avalanche bestrebt, dem Unternehmen Shinra die Geschäfte zu vermiesen. In großen Reaktoren saugt dieses die Lebensenergie des Planeten, das Mako, ab und baut daraus gigantische Städte, die geteilt sind in glänzende Oberstädte und dreckige Slums. Hier leben die Nutznießer, dort die Knechte.

Der Held des Spiels, Cloud Strife, war einst Elite-Soldat, jetzt lässt er sich für Aufträge billig bezahlen. Doch als er an Avalanche gerät, verändert sich sein Lebensrhythmus – und mit ihm auch der der Spielerinnen und Spieler. Erzählt wird im jetzt erscheinenden Remake jedoch lediglich jener Part der Geschichte, der in der Metropole Midgar spielt: Die Neuauflage ist in Wirklichkeit nur ein erster Teil.

Fotostrecke

So sieht "Final Fantasy 7 Remake" aus

Foto: Square Enix

In Bezug auf das Szenario wirkt das neue "Final Fantasy 7" überraschend aktuell. Es verhandelt den Kampf um einen siechenden Planeten und gegen das Wirken kapitalistischer Großmächte. Es ist eine Geschichte, die mit allem Pomp und Proporz japanischer Rollenspiele erzählt wird. Dabei driftet sie immer wieder ins Skurrile und Absurde ab, findet aber immer dann den richtigen Anteil Kitsch, wenn dieser gebraucht wird. Das Spiel selbst nimmt sich nicht immer so ernst, wie es wohl viele Spieler tun, die seit Jahren sehnsüchtig auf die Auffrischung ihrer Kindheitserinnerungen warten.

Inszenierte Wege

Die Wege der Spieler gibt "Final Fantasy 7 Remake" noch immer vor. Aus dem linearen Rollenspiel ist kein Open-World-Game geworden. Die Inszenierung ist dicht und stringent, ab und an wird sie durch Nebenmissionen oder amüsante Minispiele aufgelockert. Das Spiel setzt auf gerahmte Momente, die einen großen Teil der Erzählung ausmachen.

Es gibt Unterhaltungen in dunklen Verliesen, Zwischensequenzen nach Kämpfen gegen gigantische Endbosse. Die Atmosphäre schwebt über allen Worten, gibt ihnen einen Duft, deutet bei den teils zweidimensionalen Charakteren doch eine gewisse Tiefe an.

Einen großen Teil der Stimmung macht die Musik aus. Gleich des wagnerschen Leitmotivs hat jeder Charakter oder Ort seine eigene Melodie. Diese Melodien verweben sich mit anderen, kreieren ihre eigenen kleinen Momente.

Es ist ein Phänomen von Remakes, das altbekannte Geschichten plötzlich wieder mit Spoiler-Warnungen versehen werden sollen. Doch Spieler des Originals werden wohl besonders beim musikalischen Thema der Blumenhändlerin Aerith in gewisse Momente und Orte zurücktransportiert. Mehr denn je ist die Musik eine der Stärken von "Final Fantasy 7".

Diverse Reibungen

Die Artefakte des Originals sind an vielen Stellen noch zu erkennen. Etwa da, wo die Spieler ein elaboriertes Schaltersystem bedienen, um einen nicht sehr breiten Abgrund zu überwinden, über den Cloud Strife in der nächsten Zwischensequenz ohne Mühe springt. Oder in den Momenten, wo die immer gleichen Animationsabläufe einer mechanischen Hand abgewartet werden müssen, die sich, aus heutiger Sicht, viel zu langsam bewegt. Außerdem kann die Umgebung monoton wirken, spielt das Remake doch zu großen Teilen in den Slums von Midgar. Diese sind zwar durchaus unterschiedlich, bestehen jedoch größtenteils aus Metall und Rost.

Das alles sind Dinge, die bei neuen Spielern Unbehagen hervorrufen können – bei Kennern des Originals lösen sie wohl aber ein gewisses Wohlbehagen aus.

Die gleiche Geschichte, die gleichen Charaktere - aber auf ganz neue Art: Ein Remake in dieser Form gibt es nur im Medium Videospiel. Alte Spielmechaniken treffen neue Konventionen. Ansprüche an Grafik und Spielbarkeit reiben sich mit dem Wunsch vieler Spieler, dass es sich "so wie früher" anzufühlen habe.

"Final Fantasy 7 Remake" schafft diesen Balanceakt. Es ist absurd und dramatisch, anachronistisch und modern, actionreich und dennoch auch durchsetzt von vielen stillen Momenten. Ein Spiel von 1997 in einer Form, wie sie gut ins Jahr 2020 passt.

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