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"Football Manager 2019": Das "Breaking Bad" der Fußballgames

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"Football Manager 2019" im Test Einmal Pep Guardiola sein

Jahrelang fehlte in Deutschland ein richtiges Fußballmanagerspiel. Nun kommt der "Football Manager 2019" auf den Markt. Doch mancher Fan könnte enttäuscht werden: zu viel Realismus.

Eines sollte man nicht erwarten, wenn man den "Football Manager 2019" ("FM 2019") das erste Mal startet: dass allzu bald Fußball gespielt wird. Das von vielen Fußballfans so lange herbeigesehnte Spiel erscheint Freitag. Es simuliert den Alltag eines Profiklubs so präzise, dass man sich fragt, wie viel Realismus so ein Videospiel eigentlich verträgt.

Managerspiele wie die Reihen "Anstoss" (Ascaron) oder "Fußball-Manager" (EA) waren in Deutschland vor allem in den Neunziger- und Zweitausenderjahren beliebt. Im Gegensatz zu Games wie "Fifa" (ebenfalls EA) geht es nicht darum, selbst Tore zu schießen, man ist Trainer und Manager zugleich. Wenn der Ball rollt, ist die meiste Arbeit getan.

2013 stellte EA seine Reihe ein und konzentrierte sich voll auf "Fifa" samt "Ultimate Team"-Modus, einer Art Manager Light. Weil EA die Bundesliga-Exklusivrechte für den deutschen Markt besaß, gingen Manager-Fans seither, zumindest auf offiziellen Wegen, leer aus. Nun hat sich Sega die nötigen Lizenzen gesichert. Deutschland hat wieder ein Managerspiel - wenn auch eines, das anders ist.

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"Football Manager 2019": Das "Breaking Bad" der Fußballgames

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Taktische Vielfalt statt Bratwurst-Geschäfte

In "Anstoss" konnte man heiraten, im "Fußball-Manager" den Bratwurstpreis bestimmen. Der neue "FM 2019" nimmt sich selbst viel ernster, er fokussiert sich ganz auf den Sport. Keine Sponsorendeals, kein Stadionausbau. Stattdessen tüftelt man so lange an der Taktik, bis der rechte Achter die Vorstöße des Nebenmanns zuverlässig absichert.

Das ist übrigens keine Übertreibung. Was taktische Optionen betrifft, ist der "FM 2019" mit keiner Fußballsimulation vergleichbar. Man kann festlegen, auf welcher Höhe gepresst wird oder auf welchen Fuß gegnerische Spieler gelenkt werden sollen. Für das eigene Team müssen Rollen bestimmt werden. Soll mein Mittelfeldmann das Spiel gestalten oder sich für Pässe anbieten? Orientiert er sich eher vertikal oder weicht er auf die Seiten aus? Nerdfaktor: 10/10.

Wie ein Roman, der schwer ins Rollen kommt

Zu erkennen, dass das eigene 3-5-2-System gegen das 4-4-2 des Gegners zu anfällig auf den Flügeln ist, daraufhin die Taktik zu ändern und so zu gewinnen - solche Momente gehören zu den befriedigendsten im "FM 2019". Man fühlt sich dann wie Pep Guardiola.

Nur: Bis dahin ist es ein weiter Weg. Ehe das erste Pflichtspiel ansteht, müssen etliche E-Mails beantwortet werden. Bis sich einem Anfänger das Spiel erschlossen hat, braucht es Stunden, die sich ein bisschen anfühlen, als wälze man einen Roman, der auf den ersten 100 Seiten schwer ins Rollen kommt.

Die Frage ist, ob der deutsche Markt das will. Managerspiele waren stets auf Kurzweil ausgelegt statt auf Tiefe. Es kam vor, dass man an einem Abend gleich mehrere Saisons spielte.

Die Legende der Datenbank

Im "FM 2019" ist das unmöglich. Zwar bestimmt der Spieler, wie ausführlich Partien dargestellt werden. Dass er Aufgaben delegieren kann, spart ebenfalls viel Zeit. Dann kümmert sich der Sportdirektor um Verhandlungen, der Co-Trainer ums Training und Team-Ansprachen. Dennoch bleibt jeder Wochentag voll von Scoutingberichten, Updates über Verletzte, Anfragen von Journalisten. Und diesen 17-Jährigen aus der Jugendmannschaft, den sollten Sie im Auge behalten, Chef.

All das einfach wegzuklicken, ist kaum im Sinne der Entwickler. Sie stützen die Mythen, wonach ihr Spiel so präzise ist, dass die Fußballbranche selbst sich dafür interessiert. Hartnäckig hält sich die Erzählung, semiprofessionelle Fußballvereine in England würden die Datenbank des "FM" beim Scouting nutzen. Ob man das glaubt, ist einem selbst überlassen. Aber die "FM"-Daten sind wirklich gut.

Wer schnelle Unterhaltung sucht, ist falsch

Jedem Profi sind 36 Attribute zugeordnet, von "Abschluss" bis "Antizipation", in denen er eine Bewertung zwischen 0 und 20 erhält. Weil es keinen Gesamtwert gibt, braucht es viel Übung, zu erkennen, wie gut ein Spieler ist. Zumal es bei der Zusammenstellung einer Elf auch darum geht, verschiedene Stärken zu kombinieren. Ist mein Mittelfeld schnell genug? Habe ich genügend spielintelligente Profis im Team? Das Spiel bietet zwar Hilfestellung, etwa durch Co-Trainer, aber zunächst kann das Mixen der Teams überfordern.

Wer schnelle Unterhaltung sucht, ist bei dem Spiel so falsch wie jemand, der einen Actionfilm schauen möchte und stattdessen bei Breaking Bad landet. Der "Football Manager 19" ist sehr gut. Man sollte nur vorher wissen, worauf man sich einlässt.

"Football Manager 2019" von Sega, für PC (ca. 50 Euro); auch als Touch-Version fürs Tablet und Mobile-Version fürs Smartphone, sowie für Nintendo Switch erhältlich. Getestet wurde die Beta-Version der PC-Fassung.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort