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"For Honor" im Test: Nahkampf mit Schwertern und Äxten

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Actionspiel "For Honor" im Test Axt im Wald

Ritter gegen Samurai gegen Wikinger: So spannend wie in "For Honor" wird mittelalterlicher Schwertkampf selten dargestellt. Richtig gut ist das Online-Actionspiel aber nur, wenn es ums Wesentliche geht.
Von Tobias Hanraths

Robin Hood und Sir Guy. D'Artagnan und Rochefort. Luke Skywalker und Darth Vader. Das Duell Mann gegen Mann und Schwert gegen Schwert ist ein Klassiker des Hollywoodfilms. In der Welt der Videospiele, deren Macher sich ihre Inspiration sonst gerne aus dem Kino holen, kommt es jedoch kaum vor. Schwerter gibt es da zwar genug, meist aber nur im Zusammenhang mit Magie und Monstern.

"For Honor" ist da anders: Das Online-Actionspiel von Ubisoft will mittelalterlichen Schwertkampf so spielbar machen, wie er wirklich war. Oder wenigstens so, wie er im Kino dargestellt wird. Das ist den Entwicklern auch gelungen - vor allem weil "For Honor" Geduld und Verstand konsequent belohnt. Wer wild auf den Knöpfen herumhämmert, kommt hier nicht weit. Stattdessen geht es darum, den Gegner genau zu beobachten, sich sauber zu verteidigen und dann die Lücke für den entscheidenden Angriff zu finden. Im Zusammenhang mit flüssigen Animationen und schönen Kulissen entstehen so hochdramatische Zweikämpfe.

Berserker und Wächter

Schade nur, dass der Rest des Spiels längst nicht so interessant ist. Denn um die fantastischen Duelle herum hat Ubisoft ein relativ gewöhnliches Multiplayer-Spektakel gestrickt, gut vergleichbar mit "Overwatch" oder "Battlefield": Spieler wählen einen Charakter, ziehen damit in die Schlacht und erspielen sich dort Erfahrungspunkte, neue Fähigkeiten oder Waffen und Verzierungen für Rüstung und Helm.

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"For Honor" im Test: Nahkampf mit Schwertern und Äxten

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Zwölf Charaktere stehen zur Wahl, die sich teils sehr unterschiedlich spielen: Während die Ritter-Wächterin mit dem Schwert angreift und verteidigt, kämpft der Wikinger-Berserker mit zwei Äxten und ohne besonders dicke Rüstung, muss sich also auf schnelles Ausweichen verlassen. Die Samuraikriegerin Nobushi versucht derweil, Feinde mit ihrem Speer auf Distanz zu halten. Und ihr Kollege Shugoki gewinnt Kämpfe, weil er einfach größer und schwerer ist als alle anderen.

Je kleiner die Schlacht, desto besser das Spiel

Am besten zur Geltung kommen diese Unterschiede in den Spielmodi Duell und Handgemenge, in denen je zwei oder vier Spieler gegeneinander antreten. Ehrliche Zweikämpfe, keine Komplikationen, große Spannung. Die anderen Spielmodi sind längst nicht so überzeugend. Denn je mehr Spieler und Schnörkel "For Honor" hinzufügt, desto schneller zeigen sich seine Schwächen.

Denn es gibt auch einen Deathmatch-Modus für Gruppenkämpfe, dazu noch eine Variante mit Territorien zum Erobern und computergesteuerten Soldaten als Schwertfutter für zwischendurch. Allerdings ist dem Spiel hier schnell anzumerken, dass es für Kämpfe mit mehreren Gegnern auf beiden Seiten nicht so richtig ausgelegt ist. Zu oft enden Massenkeilereien in unübersichtlichem Chaos - oder darin, dass unterlegene Gegner die Flucht ergreifen.

Bauerntheater statt Historiendrama

Und dann erzählt das Spiel in seiner Kampagne für Solospieler noch, warum Wikinger, Ritter und Samurai eigentlich Krieg gegeneinander führen. Der Einzelkämpfer-Modus hat genug Missionen für sechs bis acht Stunden Spielzeit und bietet reichlich Gelegenheit, fast jede Spielfigur kennenzulernen. Die Geschichte über Sinn und Unsinn von Krieg, Ritterehre und Wikingerwerte ist allerdings arg dünn und wird zudem von Charakteren vorgetragen, die ihre Gesichter fast immer hinter einem Helm verstecken. Das Ergebnis ist eine Art Bauerntheater mit Blechbüchsen, kein packendes Historiendrama.

Wer keine Lust hat, "For Honor" online und mit echten Menschen zu spielen, sollte daher lieber die Finger davon lassen. Ohne Internetverbindung startet das Spiel gar nicht erst. Im Vergleich zu manch anderem Onlinespiel ist der Schwertkampf-Simulator dafür schon zum Start technisch sehr robust. Einzig in Kämpfen mit mehr als zwei oder vier Kontrahenten werden kleine Wackler der Internetverbindung dem Spieler zu schnell zum Verhängnis - denn gerade die etwas raffinierteren Kampfmanöver klappen oft nur mit sekundengenauem Timing.

Wer Lust auf Multiplayer-Action hat, bekommt für sein Geld aber reichlich Spiel; Ubisoft hat auch bereits angekündigt, dass kommende Charaktere für alle Spieler nutzbar sein sollen, ohne Aufpreis.

Dass sich das Unternehmen an solche Versprechen hält, hat es bereits mit dem Taktik-Shooter "Rainbow Six Siege" unter Beweis gestellt, den es auch mehr als ein Jahr nach dem Release noch vorbildlich unterstützt. Allerdings gehört es für Ubisoft in "For Honor" zum Geschäftsmodell, Stahl für virtuelle Schatzkisten gegen echtes Geld zu verkaufen. In Free-to-play-Spielen sind solche Manöver üblich, in einem 60-Euro-Spiel wie "For Honor" hat das aber noch immer den Beigeschmack von Raubritterei.


"For Honor", für Playstation 4, Xbox One und PC, circa 60 Euro, Altersfreigabe ab 18 Jahren

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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