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In-Game-Fotografie: So schön können Videospiele sein

Foto: Leonardo Sang

Fotografie in Videospielen Die malerische Seite der Macht

Leonardo Sang ist In-Game-Fotograf: Er zieht als Kriegsreporter in virtuelle "Star Wars"-Schlachten - und hält die Ästhetik des Spiels auf Bildern fest.

Eigentlich soll es eine einfache Mission werden. Mit einer Einheit der Rebellen landet Leonardo Sang auf dem Planeten Endor. Das Team soll in den Wäldern einen versteckten Schildgenerator deaktivieren. Doch imperiale Sturmtruppen entdecken die Saboteure und eröffnen das Feuer. Natürlich findet das alles nur in einer virtuellen Welt statt, im Online-Shooter "Star Wars Battlefront".

Trotzdem geht Sang in Deckung, als neben ihm Laserstrahlen in das Gehölz einschlagen, Thermaldetonatoren explodieren und AT-ATs das Unterholz mit ihren riesigen Stahlfüßen durchbrechen. Der Angriff scheitert, imperiale Truppen umzingeln die Rebellen.

Doch Sang lassen sie ziehen, denn Sang ist in diesem Computerspiel kein Soldat, sondern Fotograf, ein Kriegsberichterstatter in einer virtuellen Schlacht. Für ein Fotoprojekt mischte sich der 26-Jährige ins virtuelle Schlachtengetümmel von Onlinespielen. Die Waffe ließ er stecken, machte stattdessen ungewöhnlich ästhetische Screenshots vom Geschehen.

"Ich bin natürlich ziemlich oft gestorben", sagt Leonardo Sang im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Aber es sei interessant gewesen, die Rolle des Kriegsreporters zu spielen, die in den Spielen eigentlich nicht vorgesehen ist. "Den Kampf zu überleben, um Fotos zu machen, war für mich eine ganz neue Herausforderung."

"Es ist wie eine Parallelwelt"

Sang lebt in São Paulo, arbeitet als Designer in einer Agentur. In seiner Freizeit fotografiert er gerne, aber eben nicht nur alltägliche Motive in der Realität. Er nutzt sein Wissen, um die Ästhetik von Videospielen festzuhalten. In "Assassin's Creed" knipst er Kirchtürme, die in der Mittagssonne leuchten, in "Watch Dogs" einsame Straßenschluchten und in "GTA" flackernde Leuchtreklamen. Manche Screenshots sehen so realistisch aus, dass sie sich kaum von Schnappschüssen aus der wahren Welt unterscheiden lassen.

In-Game-Fotografie nennt sich die Kunstform, die sich Sang als Hobby ausgesucht hat. Er verhält sich in den Videospielen genauso, wie er es auch mit seiner Spiegelreflexkamera in der Realität tut: umherlaufen, nach interessanten Motiven suchen und Bildausschnitte wählen. "Es ist wie eine Parallelwelt, in der man Fotos macht, aber eben eine virtuelle", sagt der Brasilianer.

Auch bei der Nachbearbeitung behandelt er die Screenshots wie echte Fotos, dreht die Sättigung raus, schraubt am Kontrast und legt Filter über die Bilder.

Für In-Game-Fotografen wie Leonardo Sang bieten Open-World-Spiele wie "GTA V" und "Fallout 4" eine große Fundgrube an Motiven. Die Welten sind riesig, schnellere Prozessoren und Grafikkarten sorgen dafür, dass sich Oberflächen und Lichtreflexe immer mehr einer fotorealistischen Darstellung annähern.

Die Grafik ist mittlerweile so gut, dass einige Spieler schon gar nicht mehr an der Story interessiert sind. Es genügt ihnen, sich an den virtuellen Landschaften zu ergötzen - oder eben die schönen Momente auf einem Foto festzuhalten.

Die schönsten In-Game-Schnappschüsse von Leonardo Sang haben wir in der Fotostrecke zu Beginn dieses Textes zusammengestellt.

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