Almut Schwacke, 39, freie Tonmeisterin "Als Freie bin ich auf ein Netzwerk angewiesen"

Almut Schwacke
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"Als Tonmeisterin arbeite ich in einem ziemlichen Männerberuf. Ich komponiere Soundtracks, erstelle Geräusche und kümmere mich ums Sounddesign. Der überwiegende Teil der Tonbranche in Deutschland ist in männlicher Hand. Ein Professor an der Universität der Künste in Berlin meinte während des Studiums sogar, dass Frauen in solchen technischen Berufen nichts zu suchen haben. Das war 2006.

Angefangen habe ich mit Hörspiel und Film. Videospiele als Arbeitsbereich hatte ich eigentlich nie so richtig im Sinn - obwohl ich selbst gern spiele. Erst 2012 bin ich durch Zufall auf eine Jobausschreibung für ein Indiespiel gestoßen. Ich habe mich dann da einfach mal gemeldet und wurde auch genommen. Seitdem arbeite ich regelmäßig an Videospielen - als freie Tonmeisterin.

Ich sitze als Teil eines Spielemacherkollektivs im Berliner "Saftladen": Dadurch habe ich neue Leute kennengelernt, bekomme mit, wenn es neue Events und Spiele gibt. Als Freie bin ich auf ein Netzwerk angewiesen.

Mein Eindruck ist, dass die Videospielbranche genauso sexistisch ist wie die gesamte Unterhaltungsbranche. Ein Kollege hat mir mal erzählt, dass auf 300 Bewerbungen für eine Tonstelle nur eine Frau dabei war. Der Indiebereich ist da aber sehr viel diverser: Da wird es auch als Problem erkannt, wenn keine Frau im Team arbeitet.

Ab und zu werde ich gefragt, ob ich bestimmte Jobs als Mutter von zwei Kindern überhaupt machen kann. Nun, ich habe auch einen Mann. Wir teilen uns das. Ein wenig erinnert mich das an die Zeit, als ich noch 'Counter-Strike' gespielt habe. Der häufigste Kommentar damals war: Gar nicht schlecht für eine Frau."

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PJanik 20.05.2018
1. Wenn man in der Minderheit ist, dann ist das natürlich schwer ...
... die Anekdote mit dem Professor ist natürlich schräg. Wenn die andere Anekdote typisch ist, das auf 300 Bewerber nur eine Frau darunter ist, na, dann, wenn man mal davon ausgeht das Kompetenz bei beiden Geschlechtern gleich verteilt ist könnte eine rein kompetenzbasierte Betrachtung zu einem ähnlichen Verhältnis bei den dann antretenden Tonmeistern sein. Und ich denke nicht das Frau Schwacke sich bei den Auswahlkriterien die bei einer Entscheidung für sie angelegt wurden auf ihr Geschlecht sondern auf ihre Fähigkeiten und ihre Kompetenz berufen kann. Die, meiner Meinung nach nicht endgültig entschiedene, Frage ist ob man Mädchen und junge Frauen zwingen oder "nudgen" sollte Berufe zu wählen die sie normalerweise nicht wählen? Hürden abzubauen, ich denke da ist keiner dagegen. Ich weiss aber nicht wie das Ergebnis ausschaut wenn man nur die Hürden abbaut und keine Quote für die lernenden/studierenden festlegt??? Und wäre das wünschenswert????
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