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"Game of Thrones"-Spiel: Trip durch die Fantasy-Welt

"Game of Thrones"-Spiel Hier steppt der Zwerg

Dieses Spiel kommt gerade recht zur Winterzeit. In "Game of Thrones" können Fans Teil des Fantasy-Universums werden. Die erste Folge ist intensiv und voller Nervenkitzel, aber leider schnell vorbei.

Spoiler-Hinweis: Wer das Spiel spielt, sollte mindestens die ersten drei Staffeln der Fernsehserie gesehen haben. Dieser Artikel verrät nichts über die Serienhandlung und geht nur grob auf Spielszenen ein.

Kämpfe ich mit der Mistgabel oder der Axt um mein Leben? Kann ich jemanden laufen lassen, der meinen Vater töten wollte? Welche Strafe hat ein Dieb und Deserteur verdient? Entscheidungen, die mir im echten Leben hoffentlich erspart bleiben, treffe ich in "Game of Thrones, Episode 1: Iron from Ice" im Minutentakt. Der Nervenkitzel ist fantastisch.

"Iron from Ice " ist ein neues Videospiel, das sich um die populäre Fernsehserie "Game of Thrones" dreht. Die wiederum basiert auf der Fantasy-Saga "Das Lied von Eis und Feuer" von George R.R. Martin. Seit 2011 sind vier Staffeln erschienen - 40 Folgen voll Gewalt, Sex und Intrigen, mit Zwergen, Drachen und Untoten. Ein Mix, der Millionen von Zuschauern fasziniert: "Game of Thrones" hat ein eigenes Wiki , im Netz finden sich unzählige Fangeschichten und Memes zur Serie.

Wie die Serie erscheint auch das Spiel in Episoden. Mit einigen Wochen Abstand sollen sechs Folgen von je rund zwei Stunden Spieldauer veröffentlicht werden. Zunächst ist das Spiel nur als Download und auf Englisch verfügbar, auf Wunsch lassen sich englische Untertitel zuschalten. Zeitlich spielen "Iron from Ice" und die folgenden Teile zwischen dem Ende der dritten und dem Beginn der fünften TV-Staffel: Wer nicht mindestens die ersten drei Staffeln gesehen hat, dem droht gleich zu Beginn ein heftiger Spoiler.

Einblicke ins Haus Forrester

Mit Figuren wie Tyrion Lannister und Margaery Tyrell tauchen im Spiel zwar Serienfiguren auf, hauptsächlich wird jedoch eine Parallelgeschichte zur bekannten Handlung erzählt. In der ersten Episode schlüpft man in die Haut von drei Zugehörigen des Hauses Forrester, das in der TV-Serie nicht vorkommt, in einem Buch jedoch erwähnt wird.

In den Rollen gilt es, Entscheidungen im Stil der eingangs genannten zu treffen - was in der Regel darauf hinausläuft, bei Dialogen unter Zeitdruck einen von zwei bis drei vorgegebenen Sätzen auszuwählen. Was man sagt oder tut, hat mal sofortige Konsequenzen, mal zeigt sich wohl erst in den nächsten Episoden, was man angerichtet hat.

Telltale hat mit diesem Spielprinzip Erfahrung. Das Studio veröffentlichte Spiele wie "Sam & Max" und "Tales of Monkey Island". Als sein Meisterstück gilt die erste Spielstaffel von "The Walking Dead", ein Adventure auf Basis der Serien- beziehungsweise Comicvorlage. Selten war eine Zombie-Apokalypse so eindringlich wie in diesem Spiel, das sich wie ein interaktiver Film oder ein ungewöhnlich komplexes Spielbuch  anfühlt.

Auch für Nichtspieler interessant

Auch "Iron from Ice" hat wenig mit herkömmlichen Videospielen gemeinsam - was "Game of Thrones"-Fans, die nicht oder selten spielen, den Einstieg erleichtert. In Action-Sequenzen reicht es, schnell genug die richtige Taste zu drücken, der Spieler braucht keine Taktik oder eigene Ideen. Man erlebt die personalisierte Version einer guten Geschichte, statt wie in Rollenspielen mit offener Welt seine eigene zu schreiben.

So ist das Spiel zwar inhaltlich, aber keineswegs spielerisch herausfordernd. Die kurzen Sequenzen, in denen man eine Figur tatsächlich mal zwischen unsichtbaren Wänden umherbewegen darf, hätte man auch weglassen können.

Der Ölgemälde-Stil des Spiels ist nett, jedoch nichts Besonderes. Passte eine ähnliche Optik bei "The Walking Dead" noch zur Comicvorlage, hätten Grafik und Animationen hier durchaus realistischer sein dürfen. Überzeugender sind der Sound und die Texte: Die bekannte Titelmelodie ist dabei, dazu kommen Originalstimmen aus der Serie.

Und schon wieder Ärger

Die Atmosphäre aus "Game of Thrones", wo man nie weiß, wann das nächste Drama seinen Lauf nimmt, wurde gut eingefangen. Auch im Spiel dauert es manchmal nur Augenblicke, bis einer gerade in die Handlung eingeführten Person etwas Schreckliches zustößt.

Umso trauriger ist es, dass "Iron from Ice" nach zwei Stunden vorbei ist. Als Überbrückung zur fünften Serienstaffel eignet sich das Spiel deshalb nur bedingt. Plötzlich gibt es auch noch eine Videospielreihe, bei der man die nächste Episode herbeisehnt - und doppeltes Warten ist nicht halb, sondern doppelt so schlimm.

Bei Spielern, die mit "Game of Thrones" nicht vertraut sind, dürfte das Adventure übrigens wenig Begeisterung entfachen. Es ist eindeutig für Fans gemacht und zieht den Großteil seiner Spannung daraus, dass man bereits viel über Westeros und seine Scharmützel weiß. Ein ungewohntes Gefühl, auf einmal Teil davon zu sein.

Das sagen die anderen: Die meisten US-Tester sind angetan vom Spiel. Das Fachmagazin "IGN"  hebt die schwierigen Entscheidungen und die überzeugend dargestellten neuen Figuren hervor. Konkurrent "Polygon"  schreibt als eine der kritischeren Stimmen, die erste Episode sei ein holpriger Start einer vielversprechenden Geschichte.


"Game of Thrones, Episode 1: Iron from Ice" von Telltale, für iOS, PC und Mac, Xbox 360 und One, Playstation 3 (10. Dezember), Playstation 4; möglicherweise folgen weitere Plattformen, sechs Episoden für je rund sechs Euro oder im Paket für circa 30 Euro, derzeit nur auf Englisch und als Download verfügbar

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