Von »Demon's Souls« bis »Dreams« Das sind die besten Videospiele des Jahres

2020 kamen viele neue Games auf den Markt. Doch welche Titel sollte man unbedingt gespielt haben? Die Empfehlungen unserer Spieleexperten.

Hades

Sicher, es gibt viele Gründe, »Rogue-like«-Games und prozedural erstellte Dungeons nicht zu mögen. Und es muss auch nicht jeder ein Fan von Hack 'n Slay sein. »Hades« sollten Spieler und Spielerinnen trotzdem eine Chance geben. Das Spiel bedient sich all dieser Elemente, ist aber unglaublich charmant, kurzweilig, fordernd und vor allem niemals unfair. Sowohl für die Stunde zwischendurch, als auch für mehrstündiges Spieler ist »Hades«, dank abwechslungsreicher Umgebung, Gegner und Waffen eine kaum versiegende Quelle an Spielfreude. Dazu kommen ein toller Soundtrack und interessante Charaktere, die immer wieder mit neuen Dialogoptionen überraschen. »Hades« muss man einfach mögen. (Matthias Kreienbrink)

von Supergiant Games, für Nintendo Switch und PC, USK: ab 12 Jahren, Spieldauer der Hauptgeschichte etwa 20 Stunden

Doom Eternal

Foto: Bethesda

»Euer Leid ist unsere Inspiration«: Der Slogan der höllischen Heerscharen, die die Erde unterjocht haben, ist in »Doom Eternal« Programm: Alles im wiederbelebten Shooter-Klassiker steht im Zeichen von Leibeszerstückelung und Leid-Verteilen – und zwar an zahllose Dämonenhorden. So funktioniert das Erfolgsrezept der Reihe von 1993 auch heute noch. Mit seiner Bombast-Grafik sieht das neueste »Doom« nicht nur höllisch gut aus, sondern es macht auch sündhaft viel Spaß. Gerade, weil sich das Spiel zum Glück selbst nicht allzu ernst nimmt, ist »Doom Eternal« ein Videospielschlachtfest, das man einfach gespielt haben sollte. (Nora Beyer)

von id Software für Playstation 4/4 Pro/5, Xbox One/One X/Series S/Series X, PC und Nintendo Switch, USK: ab 18 Jahren, Spieldauer circa 15 Stunden

Microsoft Flight Simulator (2020)

Foto: Microsoft

Viele Spiele, die gerade für Playstation 5 und Xbox Series X erscheinen, vermitteln kaum das Gefühl, dass eine neue Gaming-Ära anbricht. Microsofts »Flight Simulator« dagegen wirkt trotz gelegentlicher Technikprobleme wie ein Vorbote von dem, was bald noch alles kommen mag: Das Spiel simuliert nicht weniger als die ganze Welt. Da Original-Kartendaten ins Spiel einfließen, kann man nicht nur die spannendsten Orte der Erde überfliegen, sondern sogar sein Zuhause. Missionen im klassischen Sinne bietet die Simulation jedoch nur wenige, hier motiviert man sich primär selbst, Dinge auszuprobieren. Und wer ein paar Mal um den Globus fliegen will, der sollte dafür am besten Urlaub nehmen: Die Flüge dauern hier tatsächlich genauso lang wie in echt. (Markus Böhm)

von Asobo Studio, für PC 5, USK: ab 0 Jahren, Spieldauer prinzipiell unendlich

Ghost of Tsushima

Foto: Sony Interactive Entertainment

Die offene Spielwelt, die Open World, war das Heilsversprechen der auslaufenden Konsolengeneration. »Ghost of Tsushima« kann als eine Zusammenfassung, als eine Art Best-of all jener Welten für Playstation 4 und Xbox One betrachtet werden. Es hat eine historische Vorlage, die akribisch ausgearbeitet wurde, es bietet etliche Nebenmissionen, Collectibles und Charaktere, denen man auf dem Weg begegnet. Aber wenn man diese Fleißarbeiten einmal ruhen lässt und sich der Spielwelt hingibt, zeigt »Ghost of Tsushima« seine eigentlichen Stärken: eine atmosphärisch dichte Spielwelt, die den Spieler durch Wind, Vogelgezwitscher oder Gewächse leitet und nicht durch etliche Marker auf einer Weltkarte. Vor allem das ist eine wirklich frische Brise im Muff der Open Worlds. (Matthias Kreienbrink)

von Sony Interactive Entertainments, für Playstation 4/4 Pro/5, USK: Ab 18 Jahren, Spieldauer der Hauptgeschichte etwa 25 Stunden

The Longing

Foto: Studio Seufz

Ladezeiten, Installationsdauern, Spielrunden: Warten ist etwas, was man in der Welt der Videospiele eigentlich vermeiden will. Im Indie-Titel »The Longing« ist es das erklärte Spielziel. Hier wartet man mutterseelenallein in einem Reich unter Tage ganze 400 Tage darauf, dass der geliebte König wiederaufersteht. Und mit 400 Tagen sind 400 echte Tage gemeint. Das Spiel ist eine Lektion in Zeit-Totschlagen, die der Spieler lesend, malend, die unterirdische Welt erkundend oder einfach nur däumchendrehend auf dem Sessel sitzend verbringen kann. Ein unkonventionelles Spiel, das schmerzhaft und berührend zugleich Themen wie Warten, Isolation und Einsamkeit aufgreift. (Nora Beyer)

von Studio Seufz für PC, für jedes Alter geeignet, Spieldauer bis zu 9600 Stunden

Demon's Souls

Foto: Sony Interactive Entertainment

»Demon's Souls« hat 2009 den Grundstein eines ganzen Genres gelegt, viele »Souls«- und »Soulslike«-Spiele folgten. Exklusiv für die Playstation 5 ist nun ein Remake des Klassikers erschienen, das unglaublichen Spaß macht – wenn man sich denn darauf einlassen möchte. Denn zu Spielen wie »Demon's Souls« gehört es nun mal, zu scheitern, nur um dann weiterzumachen. Wieder und wieder. Jeder Endgegner braucht seine eigene Strategie, jedes Level will bis in den letzten Winkel erkundet werden. Und auch das lohnt sich, denn »Demon's Souls« sieht auf der Playstation 5 auch fantastisch aus. (Matthias Kreienbrink)

von From Software, für Playstation 5, USK: ab 16 Jahren, Spieldauer der Hauptgeschichte etwa 25 Stunden 

Dreams

Foto: Media Molecule

Auch wenn »Dreams« nicht die größte Aufmerksamkeit bekommen hat: Der Spielebaukasten für die Playstation-Konsolen hat sich seit seinem Erscheinen zu einem der spannendsten Langzeitprojekte der Spielewelt entwickelt. Immer besser werden die von Nutzern erstellten Spiele und Filme, sogar Musik entsteht. Die Werkzeuge in »Dreams« reichen von der 3D-Objektgestaltung bis zum vollwertigen Audio-Editor und sind so vielfältig, dass damit immer neue Ideen umgesetzt werden können. Und so findet sich bei jedem Besuch in der »Dreams«-Welt etwas Neues und Faszinierendes, so wird jedes sogenannte Dreamsurfen zum Erlebnis und zeigt, dass es viele Menschen gibt, die ihr Hobby sehr engagiert betreiben – und das auch gern zeigen. (Carsten Görig)

von Media Molecule, für Playstation 4/4 Pro/5, USK: ab 12 Jahren, Spieldauer prinzipiell unendlich

Half Life: Alyx

Foto: DER SPIEGEL/Valve

Kein Spiel hat mich 2020 emotional so mitgerissen wie dieser Virtual-Reality-Titel, bei dem von der Grafik über den Sound und die Physik bis hin zur Länge der einzelnen Level so einiges stimmt. Ich war nie ein großer »Half-Life«-Fan, doch manche Situationen aus »Alyx« hatte ich noch beim Einschlafen vor Augen, ich musste sie regelrecht verarbeiten. Was für ein Erlebnis! Klassische Videospiele, wie »The Last of Us Part 2«, haben mich danach einige Wochen lang kaum noch interessiert. Sicher werden irgendwann VR-Titel erscheinen, die die Stärken des Mediums noch besser ausspielen, doch wie ich hier im Wohnzimmer auf die Knie ging, um hinter virtuellen Autos Deckung zu suchen, werde ich so schnell nicht vergessen. (Markus Böhm)

von Valve für PC, VR-Headset vorausgesetzt, geeignet ab 18 Jahren, Spieldauer rund 15 Stunden

The Last of Us Part 2

Foto: Sony

»The Last of Us Part 2« ist ein Spiel, auf das viele Menschen gewartet haben – und das bei seinem Erscheinen bei einigen gemischte Gefühle hinterließ. Wer den ersten Teil kennt und eine weitere Geschichte voller Zombies, toller Locations und viel Hoffnung erwartete, wurde brutal enttäuscht. Das optisch beeindruckende Spiel kennt nur Verlierer, ist ein einziger Trip in menschliche Abgründe, in Enttäuschungen, Verrat und Gewalt. Wer es durchspielt, muss viel aushalten können – und wird sich immer wieder fragen, warum er eigentlich über viele Stunden hinweg mitleidet, wenn Menschen sich immer tiefer in ausweglose Situationen manövrieren, sie immer brutaler werden und auch der Schluss kaum Erleichterung verschafft. (Carsten Görig)

von Naughty Dog, für Playstation 4/4 Pro/5, USK: ab 18 Jahren, Spieldauer rund 25 Stunden

Animal Crossing: New Horizons

Foto: Nintendo

»Animal Crossing: New Horizons« erschien im Frühjahr passend zum ersten Lockdown und hat vielen Menschen über die plötzliche Einsamkeit hinweggeholfen – und nebenbei dafür gesorgt, dass Nintendos Switch vielerorts vergriffen war. Im Spiel kann man eine Insel nach seinen Wünschen gestalten, sich mit seinen Nachbarn arrangieren und sehr viel Zeit mit Tätigkeiten wie Angeln, Pflanzen oder Ernten verbringen. Am Wichtigsten aber war und ist der Onlinemodus des Spiels: Kinder können sich darüber mit Klassenkameraden auf der Insel verabreden, Verstecken spielen, um die Wette angeln und dabei am Telefon quatschen. Und so wenigstens ein klein wenig Normalität im langweiligen Alltag daheim haben. (Carsten Görig)

von Nintendo, für Switch, USK: ab 0 Jahren, Spieldauer prinzipiell unendlich 

Cyberpunk 2077

Foto: CD Projekt RED

Ja, »Cyberpunk 2077« hat seine Probleme. Bei der Darstellung von Stereotypen marginalisierter Menschen etwa oder mit Blick auf Menschen mit Epilepsie. Und natürlich vor allem in seinen technischen Unzulänglichkeiten, besonders auf Playstation 4 und Xbox One (mehr dazu hier). Kann so ein Spiel zu den besten des Jahres zählen? Am Ende steht ein sehr knappes Ja. Denn unter all dem Ärger steckt definitiv ein Spiel mit vielen interessanten Geschichten, einer faszinierenden Spielwelt und einigen zum Denken anregenden Ideen, übers Menschsein, Moral oder Religion. Wer ein Rollenspiel sucht, das die Entscheidungen der Spieler würdigt, ist hier richtig. Ebenso, wer sich in einer dystopischen Spielwelt mit vielen Details verlieren möchte. Wer jedoch ein fehlerfreies Spiel erwartet, der liegt hier falsch – oder muss wohl mindestens noch ein paar Wochen auf Updates warten. (Matthias Kreienbrink)

von CD Projekt Red, für Playstation 4/4 Pro/5, Xbox One/One X/Series S/Series X und PC, USK: Ab 18, Spieldauer bis zu 60 Stunden, Hauptgeschichte etwa 20 Stunden

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