Fotografie in Games Schnappschuss statt Abschuss

In einigen Titeln lassen sich mit dem Fotomodus Impressionen aus fantastischen Welten sammeln, andere nutzen ihn als wichtigen Teil des Spielprinzips. Hier sind die besten Videospiele für Fans opulenter Bilder.
Foto: Naughty Dog

Eine Screenshotsammlung unterscheidet sich von Urlaubsfotos manchmal nur in Details. Beide rufen Erinnerungen an besondere Momente wach, man träumt sich an den Strand, in den Dschungel, in die fremde Großstadt. Der Unterschied fällt auf den zweiten Blick auf: Im Sand wimmelt es vor kleinen Pokémon, durch den Dschungel schleichen Dutzende Gegner und die Stadt wird von einer allmächtigen Techfirma unterdrückt.

Gerade diese Details, die in der realen Welt fehlen, machen den Spaziergang durch diese wundersamen Welten so reizvoll. Vor allem, wenn man nicht dem Highscore nachjagt, sondern sich mit dem Fotomodus auf der Jagd nach dem bestmöglichen Urlaubsfoto in der digitalen Welt macht.

Wir stellen neun Spiele vor, in denen der Auslöser mal komplett den Abzug ersetzt, ob als netter Zusatz oder wichtiger Teil des Spiels. Denn beim kleinsten Indie-Titel gilt wie beim größten Blockbuster: Wer nah genug heranzoomt, bekommt ganz neue Perspektiven.

"Watch Dogs 2"

"Watch Dogs 2" von Ubisoft für Playstation 4, Xbox One, PC, ca. 20 Euro

"Watch Dogs 2" von Ubisoft für Playstation 4, Xbox One, PC, ca. 20 Euro

Foto: Watch Dogs/ Ubisoft Entertainment

In dem Open-World-Spektakel streicht der findige Hacker Marcus Holloway im "GTA"-Stil durch eine fiktive Version von San Francisco und versucht, diese vom Überwachungssystem ctOS 2.0 und der dazugehörigen Techfirma zu befreien. Die Ähnlichkeit mit existierenden Firmen ist natürlich rein zufällig, die mit der echten US-Metropole aber umso gewollter.

Glücklicherweise finden sich in "Watch Dogs 2" auch jede Menge Möglichkeiten, mit dem Smartphone ungewöhnliche Fotos zu knipsen. Ein Schnappschuss von der Golden Gate Bridge? Kein Problem. Ein Selfie vor dem Gebäude des Herstellers Ubisoft? Ein Klick und fertig. Netter Bonus: Für bestimmte Errungenschaften müssen Spieler in der Stadt verteilte Motive abfotografieren und bekommen so eine kleine virtuelle Führung durch die kalifornische Küstenstadt.

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"Umurangi Generation"

"Umurangi Generation" von Veselekov für PC, ca. 12 Euro

"Umurangi Generation" von Veselekov für PC, ca. 12 Euro

Foto: Origame Digital

Das eigenwillige Indiegame mit Playstation-Optik ist halb Fotobearbeitungsprogramm, halb Walking Simulator. In jedem der neun kleinen Level müssen Spielerinnen und Spieler, ausgerüstet mit der Kamera, als Fotojournalisten verschiedene Motive festhalten. Im Lauf des Spiels lassen sich realistische Objektive wie ein Tele- oder Weitwinkelobjektiv und Bearbeitungsmöglichkeiten wie Kontrast, Bloom und Farbverschiebungen freischalten.

Die Fotografie ist hier aber nicht nur Mittel zum Spielfortschritt. Während die Spielenden Menschen, Denkmäler oder Wahrzeichen in einem retrofuturistischen Neuseeland - irgendwo zwischen Cyberpunk und Monsterfilm - ablichten, wird eine spannende Geschichte über den Klimawandel, Fremd- und Selbstbestimmung erzählt. Die geknipsten Bilder werden direkt auf der Festplatte gespeichert - kein Screenshot-Button nötig.

"No Man’s Sky"

"No Man’s Sky" von Hello Games für Playstation 4, Xbox One, PC, ca. 60 Euro

"No Man’s Sky" von Hello Games für Playstation 4, Xbox One, PC, ca. 60 Euro

Foto: Hello Games

Der Fotomodus des Weltraumabenteuers ähnelt dem anderer Spiele. Man kann die Kameraposition festlegen, die Tageszeit einstellen und bestimmte Filter über das Bild legen. Was man vor die Linse bekommt, ist allerdings im wahrsten Sinne des Wortes einzigartig.

Denn das Universum, in dem Spielerinnen und Spieler herumreisen, Stützpunkte bauen, Rohstoffe gewinnen und handeln, ist prozedural generiert. Das bedeutet: Jeder Planet, jede Pflanze, jedes Tier ist zufällig und einzigartig aus vorgefertigten Bestandteilen zusammengesetzt. In "No Man’s Sky" Fotos zu schießen, ist ein bisschen so, wie eine abgelegene Wasserstelle im Regenwald zu entdecken. Nur man selbst weiß, dass es sie gibt – bis man das Fotosouvenir teilt.

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"ShutterStroll"

"ShutterStroll" von Jannik Boysen für PC, ca. 5 Euro

"ShutterStroll" von Jannik Boysen für PC, ca. 5 Euro

Foto: Jannik Boysen

Was den Fotoaspekt angeht, ist "ShutterStroll" eine Lightversion von "No Man’s Sky". Die anstrengenden Aktivitäten drumherum fehlen völlig. Hier geht es wirklich nur darum, zufällig generierte Inseln zu bereisen und in aller Seelenruhe das schönste Motiv zu finden und auf den Auslöser zu drücken. Die wunderhübschen Pastelltöne und die leichte Cel-Shading-Optik machen die Auswahl allerdings nicht leicht.

Wenn einem die aktuelle Insel nicht zusagt, hüpft man einfach in sein Boot und steuert die nächste an, die zufällig ausgewürfelt wird. Kleiner Tipp: Die Tastenbelegung wird nicht im Spiel, sondern nur in der dazugehörigen Readme-Datei erklärt. Das ist aber auch der einzige Moment, in dem das Zen-Spiel für Aufregung sorgt. Tipp: Wer das Itch.io-Bundle zugunsten der "Black Lives Matter"-Bewegung  erworben hat, kann das Spiel umsonst installieren.

"Pokémon Go"

Aufgrund der Beliebtheit von "Pokémon Go" hat Nintendo eine Neuauflage von "Pokémon Snap" angekündigt. Hier wird der Fotomodus zentral sein

Aufgrund der Beliebtheit von "Pokémon Go" hat Nintendo eine Neuauflage von "Pokémon Snap" angekündigt. Hier wird der Fotomodus zentral sein

Foto: The Pokémon Company/ Nintendo

Wenn man über Pokémon und Fotospiele spricht, darf natürlich der Smartphonehit "Pokémon Go" nicht fehlen. Besonders, weil es die Fotografie auf eine Metaebene hebt: Während man durch die Nachbarschaft läuft und Pokémon einfängt, lässt sich mit einem Tipper ein Augmented Reality-Modus aktivieren.

Dieser platziert die digitalen Taschenmonster mittels der Handykamera in der echten Welt. Diese Verbindung zwischen Spielern und ihren putzigen Begleitern ist besonders für das Kumpelsystem wichtig, um sich ein Pokémon des Gegenübers auszusuchen und es auf den Screen zu zaubern. Dort kann man es wie ein Tamagotchi füttern, mit ihm spielen und interagieren.

Nintendo hat inzwischen auch eine Neuauflage von "Pokémon Snap" für die Switch angekündigt. In dem Spiel gehen Reisende auf Entdeckungstour zu unbekannten Inseln, um dort "Pokémon in ihrer natürlichen Umgebung zu fotografieren und ihren eigenen Photo-Index zu erstellen", wie Nintendo bekannt gab. Ein Erscheinungstermin wurde noch nicht verkündet.

"Once Upon A Crime In The West"

"Once Upon A Crime In The West" von National Insecurities für PC, ca. 10 Euro

"Once Upon A Crime In The West" von National Insecurities für PC, ca. 10 Euro

Foto: National Insecurities

Stellen Sie sich eine Mischung aus dem Tarantino-Streifen "The Hateful Eight" und dem Zeitreise-Puzzler "The Return Of The Obra Dinn" vor. Das Ergebnis: "Once Upon A Crime In The West". Nachdem ein Streit in einer verlassenen Berghütte im wilden Westen eskaliert, müssen Spielerinnen und Spieler mit Hilfe einer altmodischen Kamera und ihrer Spürnase rekonstruieren, wer wen wie und warum um die Ecke gebracht hat.

Das Besondere: Mit der Kamera geschossene Fotos von Beweisen, Opfern und Tätern werden als eine Art Moodboard an die Wände der Holzhütte gepinnt. Per Mausrad geht es bis zu zwölf Tage in der Zeit zurück, wo man Augen und Ohren offenhalten und Hinweise so zusammensetzen sollte, dass sich Motive und Gelegenheiten ergeben. Das Setting ist nicht sonderlich originell, aber die Geschichte spannend und die Kamerafunktion unglaublich klug ins Spiel integriert. Auch dieses Spiel ist Teil des Itch.io-"Bundle For Racial Justice And Equality".

"The Bradwell Conspiracy"

"The Bradwell Conspiracy" von A Brave Plan für Playstation 4, Xbox One, Nintendo Switch, PC, ca. 20 Euro

"The Bradwell Conspiracy" von A Brave Plan für Playstation 4, Xbox One, Nintendo Switch, PC, ca. 20 Euro

Foto: A Brave Plan

Der futuristische First-Person-Puzzler ist ein weiteres Beispiel dafür, wie man Fotografie als spielerisches Kernelement einsetzen kann.

Um zu überleben, müssen Spielerinnen und Spieler mit einer computergesteuerten Forscherin zusammenarbeiten, die ebenfalls nach dem Ausgang sucht. Die Stimmbänder der eigenen Spielfigur sind zwar beschädigt, doch glücklicherweise haben die Spielenden im Game eine High-Tech-Brille mit integrierter Kamera auf. Brauchen Sie also Hintergrundinfos zu Situationen im Spiel oder müssen ein Rätsel lösen, knipsen Sie einfach ein Foto und schicken es Ihrer virtuellen Kollegin. Gemeinsam kommen Sie der Lösung so hoffentlich einen Schritt näher.

"theHunter: Call Of The Wild"

"theHunter: Call Of The Wild" von Expansive Worlds für Playstation 4, Xbox One, PC für ca. 20 Euro

"theHunter: Call Of The Wild" von Expansive Worlds für Playstation 4, Xbox One, PC für ca. 20 Euro

Foto: Expansive Worlds

Da hat sich das Team von Expansive World selbst ein Bein gestellt. Eigentlich ist "theHunter: Call Of The Wild" als realistischer Jagdsimulator gedacht, inklusive Fährtenlesen, Anpirschen und Zielen auf die richtigen Körperteile, um einen möglichst schmerzfreien Tod zu garantieren.

Tatsächlich ist es aber viel interessanter, durch die atmosphärischen Wälder und Wiesen des Spiels zu streifen und mit seiner Kamera stimmungsvolle Schnappschüsse zu machen. Selbst der mitteleuropäische Mischwald, den es im ersten Spielgebiet Rathenfeldt zu erkunden gilt, ist beeindruckend in Szene gesetzt. Und wer akribisch erkundet, bekommt besondere Wahrzeichen wie Hügelgräber vor die virtuelle Linse.

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THQ Nordic

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"Uncharted 4"

"Uncharted 4" von Naughty Dog für Playstation 4 für ca. 20 Euro

"Uncharted 4" von Naughty Dog für Playstation 4 für ca. 20 Euro 

Foto: Naughty Dog

In einem Artikel über Fotografie in Spielen darf der Blockbuster "Uncharted 4" nicht fehlen. Denn die Spielumgebungen sind zu beeindruckend, um sie nicht für die Ewigkeit festzuhalten.

Entsprechend mächtig ist auch der Fotomodus, der zahlreiche Filter und professionelle Kameraeinstellungen wie Dolly-Fahrten und Field Of View beinhaltet. Damit lassen sich nicht nur actionreiche Szenen einfangen, sondern auch malerische Landschaftsaufnahmen, Porträts oder einfach nur Alltagsbegegnungen. Allein dafür lohnt es sich, mal den Finger vom Abzug zu nehmen und den Moment zu genießen – etwas, das gerade in Megaproduktionen ohnehin viel zu selten ist.

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