Games-Festival Blizzcon Wo Elfen und Gnome ihre Schöpfer treffen

Ein Unternehmen, drei Spiele, 20.000 Fans: Die Blizzcon in Kalifornien ist mehr als eine Werbeveranstaltung für "World of Warcraft". Einmal im Jahr treffen bei der Hausmesse von Spielehersteller Blizzard Macher und Fans aufeinander - und sind gleichermaßen voneinander fasziniert.

Stephan Freundorfer

Bereits um fünf Uhr stehen an diesem Freitagmorgen die ersten Fans vor dem Convention Center im kalifornischen Anaheim. Die Türen zu dem verglasten Zweckbau, gerade mal zwei Kilometer von Disneyland entfernt, werden sich erst Stunden später öffnen. Doch an der Spitze von 20.000 Besuchern die fünfte Blizzcon zu stürmen, eröffnet nicht nur die Chance, als einer der ersten Menschen weltweit eine neue Spielfigur im kommenden Action-Rollenspiel "Diablo 3" auszuprobieren. Es lässt sich auch ein Sitzplatz nahe der Bühne für die Eröffnungszeremonie ergattern - den traditionellen Startschuss der zweitägigen Veranstaltung.

Diesen Startschuss gibt wie immer Mike Morhaime, Mitgründer und Chef von Blizzard - einer knapp 20 Jahre alten PC-Spielefirma, die einiges an Investoren- und Besitzerwechseln mitgemacht hat und heute mit "Call of Duty"-Publisher Activision assoziiert ist. Blendender Laune nennt Morhaime eine Handvoll Zahlen und wird dafür von der Menge frenetisch gefeiert: Zwölf Millionen Menschen spielen das mittlerweile über fünf Jahre alte Online-Rollenspiel "World of Warcraft", drei Millionen Mal verkaufte sich das Science-Fiction-Strategiespiel "Starcraft 2" im ersten Monat nach der Veröffentlichung in diesem Sommer.

Was Morhaime schuldig bleibt, sind die großen News: Bislang wurde auf jeder Blizzcon ein neuer Titel angekündigt. Diesmal ist die größte Überraschung, dass man die kommende "World of Warcraft"-Erweiterung "Cataclysm" im Vorfeld des Starts am 7. Dezember auch als Download verkaufen wird - was dem Handel etliche Millionen Euro Umsatzverlust bescheren dürfte.

Teure Leidenschaft

Den Fan aber freut es, der wird nämlich bereits ein paar Stunden vor Öffnung der Geschäfte ein neues Kapitel von "World of Warcraft" aufschlagen können. Die Blizzcon dreht sich zwar nicht ausschließlich um das populärste aller Online-Rollenspiele. Aber es ist zweifellos das Spiel, das die meisten Menschen hierher bringt. Allerdings geht es denen weniger um die Möglichkeit, eine halbe Stunde "Cataclysm" auszuprobieren oder professionellen "World of Warcraft"-Spielern über die Schulter zu sehen. Sie genießen zuvorderst "das gemeinsame Erlebnis und die einmalige Atmosphäre", wie ein junges Paar aus Pennsylvania erklärt. Hier ist man für zwei Tage nicht nur virtuell, sondern endlich einmal körperlich Teil einer eingeschworenen, oft unverstandenen Gemeinschaft.

Zahlreiche Besucher investieren aber nicht nur massiv in Anreise und Ticket - 150 Dollar kostet in diesem Jahr der Eintritt zur Blizzcon, die nach Unternehmensangaben bislang nie ihre Kosten decken konnte. Hunderte sind zudem mit riesigem Aufwand als die größten Helden (und Halunken) aus dem "World of Warcraft"-Universum verkleidet. Kurz geschürzte Blutelfen, schwer gepanzerte Paladine, niedliche Gnom-Hexerinnen und gehörnte Dämonen wandern durch die Hallen, ganze Familien stehen kostümiert in den Schlangen vor Fanartikelshop und Hot-Dog-Stand.

Eine davon ist aus New Mexico angereist. Vater, Mutter, Tante, Tochter - alles passionierte "World of Warcraft"-Spieler, alle liebevoll kostümiert. "Wir verbringen unseren Familienurlaub immer auf der Blizzcon", teilt die etwa 40-jährige Online-Magierin nicht ohne Stolz mit - Disneyland und weitere Vergnügungsparks in der Gegend machen die Reise doppelt lohnenswert. "Aber Blizzcon ist am besten", grinst die neunjährige Elfe, "die ist nur einmal im Jahr, Disneyland hat immer offen."

Eine ergebene Fangemeinde

Trotz des satten Preises waren die Blizzcon-Karten, die übers Internet in zwei Tranchen à 10.000 Stück angeboten wurden, in wenigen Sekunden ausverkauft. Weitere 100.000 Menschen buchten für das Wochenende den HD-Videostream - vier Kanäle mit rund 50 Stunden Live-Programm aus Wettbewerben, Bühnen-Shows und Entwickler-Diskussionen zu einem Preis von knapp 40 US-Dollar.

Eine derartige Kosten und Mühen ignorierende Leidenschaft kennt man eigentlich nur aus Musik und Sport, kein Spielehersteller verfügt über eine derart ergebene Fangemeinde wie Blizzard. "Die Spieler schätzen unsere Detailarbeit. Wir nehmen uns einfach so viel Zeit für unsere Spiele, wie wir benötigen", versucht Mike Morhaime Blizzards Erfolgsrezept zu erklären.

Zweifellos sind die Kalifornier eines von wenigen Entwicklungsstudios, die sich in puncto Veröffentlichungsterminen nicht sklavisch Marketing und Finanzabteilung unterwerfen. "It's done when it's done" - man bringt ein Spiel auf den Markt, wenn es fertig ist. Für Blizzard, einen der letzten erfolgreichen Hersteller von Vollpreisspielen für PC, ist das ein traditionelles und bewährtes Motto.

Fanservice vs. Gewinnmaximierung

Trotz ihrer ungebrochenen Euphorie fürchten viele Fans einen Wandel bei Blizzard und einen Verlust des direkten Drahtes zwischen Entwicklern und Spielern, wie er auf der Blizzcon zelebriert wird. Der Grund: Die Firmenmutter Activision und deren Oberhaupt Robert Kotick - ein Manager, der sich Profitmaximierung und firmeninterne Spaßminimierung auf die Fahnen schreibt und regelmäßig die Gemüter von Spielern und Entwicklern erhitzt.

"Bobby wurde mehr aus dem Zusammenhang zitiert als jeder andere Mensch, den ich kenne. Er unterstützt uns und unsere Werte sehr", wiegelt Morhaime ab. Er glaubt, dass sich die nächsten Jahre nichts an der Firmenphilosophie ändern wird - und auch nichts an der Leidenschaft der Fans für "Starcraft", "Warcraft", "Diablo" und Blizzard: "Activision weiß, dass der wertvollste Besitz von Blizzard Entertainment die Marke Blizzard Entertainment ist."



insgesamt 18 Beiträge
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C.Kenny 25.10.2010
1. Freiheit für den Titel \o/
"GEEK is:" Der Stream war nett anzuschauen. Die Eröffnung war ja kostenfrei anzuschauen, wie auch einige WC3- und SC2-Matches. Das richtige "Aha"-Erlebnis hat leider gefehlt. Weder neuer Titel (was hätte es auch sein sollen, mit SC2, WoW Cataclysm und Diablo 3 sind erst neue Spiele rausgekommen, stehen vor der Veröffentlichung oder im Falle von Diablo 3 noch in der Entwicklung) noch ein Erscheinungsdatum für Diablo 3. Heisst also weiter warten. :X
Xarit 25.10.2010
2. naja
Moin ! It is done, when it is done... Das ist schon ein Wahlspruch der für "World of Warcraft" nicht gelten kann. Seit einer Veränderung im Spiel im Hinblick auf die Erweiterung "Cataclysm" im Dezember, gibt es enorm viele bugs. Die Programmierer haben den betroffenen Spielern eine Wüste von Fehlern aufgebürdet. Dafür gibt es inzwischen nahezu täglich updates, hotfixes etc.
Kenaj_1 25.10.2010
3. kommt schon mal vor
Zitat von XaritMoin ! It is done, when it is done... Das ist schon ein Wahlspruch der für "World of Warcraft" nicht gelten kann. Seit einer Veränderung im Spiel im Hinblick auf die Erweiterung "Cataclysm" im Dezember, gibt es enorm viele bugs. Die Programmierer haben den betroffenen Spielern eine Wüste von Fehlern aufgebürdet. Dafür gibt es inzwischen nahezu täglich updates, hotfixes etc.
klar, ist ein bissl buggy, aber denke das wird schnell gefixt - hat bisher ja immer geklappt.
joergsi 25.10.2010
4. Genau
Zitat von XaritMoin ! It is done, when it is done... Das ist schon ein Wahlspruch der für "World of Warcraft" nicht gelten kann. Seit einer Veränderung im Spiel im Hinblick auf die Erweiterung "Cataclysm" im Dezember, gibt es enorm viele bugs. Die Programmierer haben den betroffenen Spielern eine Wüste von Fehlern aufgebürdet. Dafür gibt es inzwischen nahezu täglich updates, hotfixes etc.
Dem kann ich mich nur anschließen! Das neue Patch hat ein Qualitätsniveau das ich von Blizzard eigentlich nicht gewohnt bin. Bisher war es bei mir immer so, dass ich die Blizz Spiele seid Warcraft II immer unbesehen gekauft habe ohne vorher ein bisschen zu warten bis diese 'Marktreif gepatcht' waren. Den Kauf für Diablo III werde ich mir nach den letzten Erfahrungen reiflich überlegen!
joergsi 25.10.2010
5. Genau
Zitat von XaritMoin ! It is done, when it is done... Das ist schon ein Wahlspruch der für "World of Warcraft" nicht gelten kann. Seit einer Veränderung im Spiel im Hinblick auf die Erweiterung "Cataclysm" im Dezember, gibt es enorm viele bugs. Die Programmierer haben den betroffenen Spielern eine Wüste von Fehlern aufgebürdet. Dafür gibt es inzwischen nahezu täglich updates, hotfixes etc.
Dem kann ich mich nur anschließen! Das neue Patch hat ein Qualitätsniveau das ich von Blizzard eigentlich nicht gewohnt bin. Bisher war es bei mir immer so, dass ich die Blizz Spiele seid Warcraft II immer unbesehen gekauft habe ohne vorher ein bisschen zu warten bis diese 'Marktreif gepatcht' waren. Den Kauf für Diablo III werde ich mir nach den letzten Erfahrungen reiflich überlegen!
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