Gamescom 2020 Waffen, Blut und Schulterzucken

Mit einer fulminanten Show sollte die Gamescom eröffnet werden, wenn auch diesmal nur digital. Nur das blieb es dann eben auch: eine Show. Bleibt zu hoffen, dass die kommenden Messetage mehr Substanz bringen.
"Call of Duty: Black Ops Cold War": Verschwörungen und eine manipulierte Bevölkerung

"Call of Duty: Black Ops Cold War": Verschwörungen und eine manipulierte Bevölkerung

Foto: Activision

"Es ist Zeit, die Kinder ins Bett zu stecken", heißt es, als ein psychedelischer Trailer beginnt, der stark an "Doom" erinnert. Wesen zerfetzen, sobald sie ins Visier der Spieler geraten, viel Blut und laute Waffen. "Quantum Error" lautet der Titel und es ist: eindeutig ein Videospiel.

Während die Opening Night der Videospielmesse Gamescom im vergangenen Jahr noch vor großem Publikum stattfand, ist daran nun natürlich nicht zu denken. Die gesamte Messe, zu der diese Show nur der Auftakt sein soll, findet in Zeiten von Corona digital statt. Die Frage ist, ob die kommenden drei Tage mehr Substanz bringen werden als diese Show.

Langweilig, aber immerhin eine Weltpremiere

Den Anfang der großen Show macht "Call of Duty: Black Ops Cold War", das jedoch ohne Gameplay auskommen muss - das wurde ja bereits am Tag zuvor  gezeigt. Stattdessen informiert ein animierter Ronald Reagan im Trailer die Spieler über ihre Aufgaben - es geht um Verschwörungen und eine manipulierte Bevölkerung. Doch für mehr Tiefgang ist keine Zeit, der nächste Trailer wartet bereits.

Sehen Sie eine Zusammenstellung in unserer Bilderstrecke:

Fotostrecke

Gamescom 2020

Foto: Activision

Angekündigt wird jeder Kurzclip mit "World Premiere", als wäre das wichtiger als der eigentliche Inhalt. Das Gezeigte mag langweilig sein, aber immerhin ist es eine Weltpremiere, auch wenn es sich um eine Portierung eines jahrealten Spiels handelt. Und viel Aufsehenerregendes gibt es in den insgesamt zwei Stunden nicht zu sehen. Das mag verblüffen, stehen mit der PlayStation 5 und Xbox Series X doch die neuen Konsolen kurz vor der Veröffentlichung.

Ein Blick in die Vergangenheit scheint für einen Moment ein Höhepunkt der Show zu werden: Doc Brown aus "Zurück in die Zukunft" höchstpersönlich wird zugeschaltet - um den Zuschauern zu sagen, dass sie jetzt "Surgeon Simulator 2" spielen können. Danach sehen sie weitere bekannte Gesichter auf der Leinwand: "The Walking Dead" wird Pate für ein neues Spiel. Ein "Bridge Constructor", in dem es darum geht, tragfähige Brücken zu bauen. Anschließend "World of Warcraft" - jedoch nur in Form animierter Kurzfilme.

Und so reihen sich Clips und Trailer aneinander, die, für sich stehend, eingefleischte Fans sicherlich erfreuen dürften. Bei den meisten jedoch lösen sie nicht mehr als ein Schulterzucken aus.

Dabei sollen sie in ihrer Gesamtheit eine zweistündige Show für Zehntausende Zuschauer interessant machen. Immerhin wird am Ende der Show mit "Ratchet & Clank: Rift Apart" ein Spiel für die neue PlayStation 5 gezeigt - wenn auch nicht zum ersten Mal, dafür mit dem Versprechen, dass es in diesem Spiel keine Ladezeiten geben soll.

Der Livestream wird mal wieder zu Diashow

Wie es zu so einem groß angelegten Livestream aus Deutschland gehört, bricht dieser freilich immer wieder ab, sodass ganze Trailer nur noch als Diashow zu erleben sind. Für die Entwickler hinter diesen Spielen sicherlich kein schöner Moment. Aber na ja, wenigstens läuft die Werbung für "Red Bull" flüssig.

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"Was würde ich ohne Videospiele tun?", wird im Video zwischendurch gefragt. Schreiben vielleicht, antwortet eine YouTuberin. Oder TV schauen, die Antwort eines anderen. Inhaltlich bleibt es also überschaubar.

Es wird auch die Pandemie thematisiert, die dafür verantwortlich ist, dass sich die Spielefans nicht in Köln treffen können, die aber auch der Branche einen Boom beschert hat: "Das alles wird rumgehen", sagen die Menschen im Video. Und dass Videospiele dabei helfen können, sich mit anderen Menschen zu verbinden und Stress und Ängste abzubauen - absolut richtig.

Zum manchem Thema wird lieber geschwiegen

Dann gilt es noch Preise zu vergeben. Denn trotz allem sind in den letzten zwölf Monaten ja einige interessante Spiele erschienen. Doch nein, hier werden Preise für Spiele vergeben, die erst noch erscheinen werden. "Watchs Dogs: Legion" für das beste Action-Adventure etwa, das allerdings im Oktober auf den Markt kommt. Aber immerhin: Das deutsche "Curious Expedition 2" gewinnt als bestes Indie-Spiel. Das können Spieler auch bereits seit einiger Zeit im Early Access selbst testen.

Kurz wird dann doch Relevantes angesprochen: Soziale Unruhen, Naturgewalten - 2020 scheint einfach kein gutes Jahr zu sein. Die Lösung: Gaming kreiere eine globale Community. Das ist ziemlich unspezifisch und passt so gar nicht zu den sehr spezifischen Vorwürfen von Missbrauch und Belästigung in der Gamesbranche, die in den letzten Wochen - wieder - laut wurden. Hier, beim großen Zusammentreffen der Szene, ist davon an diesem Abend keine Rede.

Freilich, es ist eine große Videospielshow, der Anspruch sollte wohl nicht zu hoch sein. Doch stellt sich die Frage, wem diese Show dienen soll - und wieso sie als großes Spektakel angekündigt wurde. Sicherlich waren ein paar schöne Spiele und Momente dabei (siehe Bilderstrecke). Vor allem dann, wenn die Menschen hinter den Spielen zu Wort kommen, für die es tatsächlich wichtig ist, dass ihre Spiele von einem großen Publikum gesehen, ihre Ideen gewürdigt werden. Hoffentlich werden sie noch weniger vollgestopfte Momente haben, um ihre Spiele in Ruhe zu zeigen.