Gamescom in Köln Vielfalt ja, aber...

In Köln hat die größte Spielemesse der Welt begonnen. Zur zehnten Gamescom inszeniert sich die Branche als divers. Doch die Gaming-Welt hat ernsthafte Probleme beim Miteinander im Netz.
Figur aus "Darksiders" auf der Gamescom

Figur aus "Darksiders" auf der Gamescom

Foto: Oliver Berg/ dpa

Die Gamescom 2018 in Köln setzt auf Diversität, das soll schon das offizielle Magazin der Messe klarmachen. Die Auswahl an Themen und spielbaren Protagonisten in modernen Games sei "riesig", ist zu lesen. Passend zum diesjährigen Messe-Motto "Vielfalt gewinnt" heißt es weiter: "Die große Vielfalt begeistert immer mehr Spieler, unabhängig von ihrer Nationalität, ihrem Alter, Geschlecht oder körperlichen Einschränkungen." Games würden heute von Teams gemacht, deren Mitarbeiter "unterschiedlichste Ursprünge" haben. Und: "Frauen stellen knapp die Hälfte der Spielerschaft."

An all dem ist durchaus etwas dran. Felix Falk, Geschäftsführer des deutschen Branchenverbandes game, sagt, er sei stolz, auf der Gamescom zeigen zu können, "wie vielfältig die Welt der Games ist - gerade in einer Zeit, in der wir in der Gesellschaft eine Tendenz zu Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung beobachten".

Tatsächlich ist die Gamescom angesichts ihrer Größe, angesichts des Stresses in den teils proppenvollen Hallen eine bemerkenswert friedliche und tolerante Veranstaltung. Cosplayer, die sich wie Spielfiguren verkleiden, haben ebenso ihren Platz wie Hardcore-Zocker, die für einmal Probespielen anstandslos drei Stunden Schlange stehen - genau wie die Fans von YouTubern, die auf eine kurze Umarmung ihres Lieblings-Videomachers lange warten.

Zehn Jahre schlauer

Jahr für Jahr zieht es Hunderttausende junge Menschen auf die Kölner Messe, da ist es vielsagend, dass der größte Skandal ihrer Geschichte ein RTL-Beitrag aus dem Jahr 2011 ist, in dem Gamer pauschal diffamiert wurden.

Diesmal ist mit solchen Beiträgen nicht zu rechnen, Spielen hat in Zeiten der Smartphones und E-Sport-Events in Arenen an Ansehen gewonnen. "Politik, Gesellschaft und Medien verstehen heute besser, wie spannend und wie wichtig Spiele und die Games-Entwicklung sind", sagt Verbandschef Falk. Auch die CSU-Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär, sagte zur Messe-Eröffnung: "Games zu unterstützen, schockt irgendwie niemanden mehr."

Fotostrecke

Hits, Klassiker, Kurioses: Games, made in Germany

Foto: Mimimi

Belästigungen und Hasskommentare sind Probleme

Nicht leugnen lässt sich aber, dass auch die Gamesbranche, die in Köln mehr als tausend Aussteller aus aller Welt repräsentieren, bei Diversität und Miteinander noch immer Probleme hat, aller Inszenierung zum Trotz.

Unsere Fotostrecke zeigt beispielhaft, was die Branche allein im vergangenen Jahr umtrieb, von Hassattacken auf einen Journalisten bis zur Belästigung von Streamerinnen:

Fotostrecke

Gamescom-Auftakt in Köln: Die dunklen Seiten der Games-Welt

Foto: StudioMDHR

Im Video: Sexismus in der Gamer-Szene

SPIEGEL TV

Gegenüber 2009, dem Jahr der ersten Gamescom in Köln, lässt sich immerhin klar erkennen, dass die Branche Fortschritte bei Diversität macht. So gibt es heute mehr Spiele mit (teils optionalen) weiblichen Protagonisten und generell nur noch wenige neue Titel, in denen Frauen vor allem als Sexobjekte dargestellt werden.

Eine aktuelle Bitkom-Umfrage  kommt trotzdem zu dem Ergebnis, dass "sieben von zehn Frauen, die spielen", die Darstellung weiblicher Figuren in Spielen "unangemessen und nicht zeitgemäß" finden - eine Ansicht, die der Befragung zufolge knapp die Hälfte der Männer teilt.

E-Sport ist bislang eine Männerdomäne

Schaut man sich im Umfeld der Gamescom um, ist einer der letzten klar männlich dominierten Bereiche der E-Sport: In den relevanten Spielen konkurrieren hier, wo körperliche Unterschiede anders als beim klassischen Sport keine Rolle spielen, fast ausschließlich Männer um Ruhm und hohe Preisgelder. Bei einem Kongress im Vorfeld der Gamescom über E-Sport, Gaming und das Sportbusiness standen am Montag mehr als 50 Personen auf der Bühne - darunter nur drei Frauen .

Im Video: Profi-Gamerin in China: Zocken als Beruf

Deutsche Welle
Fotostrecke

Tipps für Spielefans: Spannende Gaming-Kanäle auf YouTube

Foto: YouTube Other Places

Falk vom Branchenverband meint, das Fehlen von Frauen im E-Sport könne mit den Anfangsjahren der Szene zusammenhängen, als sich fast nur Männer für das professionelle Gaming begeisterten: "Wahrscheinlich sehen wir jetzt noch das Ergebnis aus dieser Zeit." Er glaubt aber, dass sich dieser Bereich wandeln wird: "Ähnlich war es schon in der Games-Entwicklung, wo es heute mehr Frauen in den Studios gibt und wo mittlerweile auch immer häufiger Frauen als Zielgruppe in den Fokus rücken."

Zu den Gamern, die im Netz Hass verbreiten oder die sich über Frauenfiguren in Spielen empören, sagt Falk, man dürfe ihre Zahl und Relevanz nicht überschätzen. "Gamer, die sich über Diversität in Spielen aufregen, werden oft viel wortstärker wahrgenommen, als sie wirklich sind." Die große schweigende Mehrheit seien "friedvolle Spieler". Doch auch unter Spielern dürfte gelten: Wenn die Vernünftigen schweigen, bestimmt der Rest den Diskurs.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.