"Gears of War 4" im Test Humpa Humpa mit Klumpfuß und Kettensäge

Mäuerchen hier, Sandsack dort - das heißt, gleich wird geballert. Das Actionspiel "Gears of War 4" bietet kaum Überraschendes. Zusammen mit einem Kumpel machen die Schießereien aber jede Menge Spaß.

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Müsste man die "Gears of War"-Reihe mit einem Wort beschreiben, würde "Grunz" wohl ganz gut passen. Gerade ist der vierte Teil der Shooter-Serie erschienen. Der Held ist ein neuer, stumpf ist das Geballer immer noch. Bullige Männer in schwerer Rüstung kämpfen auf einem fremden Planeten gegen Aliens, die unter der Erde wohnen. Mit dicken Maschinengewehren. An denen dicke Kettensägen hängen. Zwischen den Metzeleien werfen sich die Helden lässige Einzeiler zu. Mit tiefer Stimme.

Die Grundzutaten von "Gears of War" sind verführerisch simpel. Und das ist ja auch nicht sonderlich verwerflich; Videospiele dürfen auch mal hirnloser Spaß sein. Nicht jede Stunde Bildschirmunterhaltung muss tiefenpsychologischen Tiefgang haben, wie in "Silent Hill 2".

Leider hat "Gears"-Erfinder Cliff Bleszinski das nie davon abgehalten, seine stumpfe Jungsfantasie immer wieder mit Ausflügen in pilchereske Gefilde zu verbrämen. Sein Protagonist, Marcus Fenix, war stets das Abziehbild eines Achtzigerjahre-Actionhelden. Nur, dass Bleszinski in die Geschichte um den Kämpfer gegen eine Invasion der Unterirdischen immer wieder Bezüge zu seiner eigenen Biografie einbaute.

Er glaubte, mit tränendrüsigen Dialogen über Vater-Sohn-Beziehungen und markige Bruderschwüre nicht nur den präfrontalen Kortex, sondern auch die Herzen seiner Fans zu erreichen. Klar, dass das scheitern musste.

Schön bunt hier

"Gears of War 4" ist nun der erste Teil der Serie, bei dem Bleszinski nicht mehr als Chefdesigner dabei ist. Der Spieler übernimmt dieses Mal auch nicht die Kontrolle über Marcus Fenix, sondern über dessen Sohn J.D..

25 Jahre sind vergangen, seit Fenix senior den Planeten Sera vor den bösen Locust gerettet hat. Die Welt hat sich mittlerweile gewandelt und gleicht eher einer postapokalyptischen Idylle. Die Natur hat sich anscheinend von all dem Geballer der Elterngeneration erholt. Papa Fenix hat sich ergraut auf dem Familienanwesen vergraben. Der Sohnemann lebt in einem Eingeborenendorf, jagt und sammelt. Anscheinend steht alles auf Anfang.

Aus der dritten Person steuert der Spieler Fenix junior - oder im Mehrspielermodus seine Begleiterin - durch die verfallenen Landschaften, die in schönstem Bunt erstrahlen. Das Braun und Grau der Vorgänger sucht man oft vergebens. Schon zu Xbox-360-Zeiten sahen die "Gears of War"-Titel beeindruckend aus. Teil vier für die Xbox One stellt sie jetzt in den Schatten.

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Actionspiel: So sieht "Gears of War 4" aus

Geschossen wird dieses Mal auf Roboter, die das Nachkriegsidyll bedrohen. Die Blutorgien der Vorgänger wurden abgelöst von Schmieröl-Strömen - zumindest, bis neue Monster das Dorfidyll von J.D. zerstören. Neu ist, dass der sich mit seinen Begleitern locker leichte Neckereien liefert, die an die "Uncharted"-Reihe erinnern. In den ersten Spielstunden ist die Ähnlichkeit mit dem Sony-Maskottchen Nathan Drake kaum zu übersehen.

Träumen alte Männer von elektrischen Waffen?

Leider war es das auch schon mit den großen Neuerungen. Immer noch spielen sich die Charaktere nicht sonderlich agil, sondern eher wie fleischbezogene Miniaturpanzer. Die Controller-Belegung wirkt angesichts der freien Konfigurierbarkeit aktueller Titel seltsam unintuitiv. Die Spielmechanik besteht aus nicht viel mehr als den gleichen Schießereien. Immer wieder kauern die Spielfiguren hinter hüfthoher Deckung.

Fallen die Mäuerchen und Sandsäcken in der Spielwelt auf, ist die nächste Peng-Passage nicht weit. Das ist vorhersehbar und öde. Abwechslung durch Rätsel gibt es nicht - dafür ab und an einen dicken roten Knopf, der gedrückt werden will, damit sich eine Tür öffnet.

Leider wird auch nach wenigen Spielstunden der eigentlich ganz sympathische J.D. "Nathan" Fenix aus seinem Schlabberoutfit erneut in eine Soldatenrüstung gepresst und muss mit seinem mürrischen Vater durch die Gegend schlurfen. Der sondert wieder und wieder die alten Einzeiler, die er schon vor Jahre zum Besten gegeben hat. Beim zwanzigsten "Don't mind if I do" und "Lock and load" wird klar: Ein Neustart ist das hier nicht.

Spaß macht "Gears of War 4" trotz der Macho-Plattitüden - am ehesten im Koop-Modus, wenn man sich mit einem Freund über die dummen Sprüche zwischen den Schießereien lustig machen kann. Und im nach wie vor unterhaltsamen Mehrspieler-Modus im Kampf gegen andere Spieler. Der Quatsch ist eben nur in kleinen Dosen unterhaltsam. "Having fun, James?", grunzt der ergraute Fenix an einer Stelle seinem Sohn - und dem Spieler - ins Ohr. Joa, so'n bisschen.


"Gears of War 4" von Microsoft; für Xbox One, Windows; ab ca. 55 Euro; USK: Ab 18 Jahren



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gordenfreeman 16.10.2016
1. Kaum Überraschendes?!
Passt das doch mit euren Spielebewertungen!Steht euch nicht.Echt jetzt.Erstmal wollte niemand etwas Neues!Judgment hat etwas Neues probiert und das ging in die Hose.Ausserdem sind die Einzeiler auch im Singleplayer recht lustig da man sie einfach erwartet und sie bezeichnend sind für die Serie.Dann wurden der Schwarm mit keinem Wort erwähnt einfach nur Monster?Denke da wurden einfach 3 andere Resümes zu Rate gezogen und dumm abgeschrieben.Ich behaupte auch ganz dreist das der Redakteur nicht eine Sekunde den Titel gespielt hat (ein Let's Play auf YouTube reicht ja auch).Bis denne!
bigfraggle007 16.10.2016
2.
Multiplayer top, Koop sowieso großartig. Die ersten Kapitel der Story sind stellenweise etwas langatmig, spätestens dann geht es aber ordentlich rund. Die Sprüche sind wie immer unterhaltsam und die Steuerung intuitiv wie eh und je. Keine Ahnung, was der Autor da gespielt hat. Oder auch nicht...
andreas_grimmer 16.10.2016
3.
Ihr wisst aber schon das Cliffy B an diesem Spiel nicht mitgewirkt hat? Er hat nach Gears of War 3 Epic verlassen, noch dazu wurde Gears4 nicht von Epic entwickelt sondern von the coalition...smit is dieser Abschnitt totaler bullshit!! "Leider hat "Gears"-Erfinder Cliff Bleszinski das nie davon abgehalten, seine stumpfe Jungsfantasie immer wieder mit Ausflügen in pilchereske Gefilde zu verbrämen. Sein Protagonist, Marcus Fenix, war stets das Abziehbild eines Achtzigerjahre-Actionhelden. Nur, dass Bleszinski in die Geschichte um den Kämpfer gegen eine Invasion der Unterirdischen immer wieder Bezüge zu seiner eigenen Biografie einbaute. Er glaubte, mit tränendrüsigen Dialogen über Vater-Sohn-Beziehungen und markige Bruderschwüre nicht nur den präfrontalen Kortex, sondern auch die Herzen seiner Fans zu erreichen. Klar, dass das scheitern musste."
der_unbekannte 17.10.2016
4. Sinnlose Gewalt
Da hat die Spieleindustrie wieder einen Shooter auf den Markt geworfen in dem sinnlose Gewalt bis zum äußersten in die Köpfe der Gamer transportiert wird. Wer so etwas spielt, wird zwar nicht der nächste Amokläufer, aber moralisch fragwürdig ist dies schon. Die Gamer kommen dann immer mit dem Argument, dass dies doch nur alles virtuell sei und nicht echt, aber wie sieht es mit den Gefühlen im Gamer aus? Was machen die Gefühle mit einem wenn man so ein Genre über Jahren zockt? Mal darüber nachgedacht? Ich bin froh, dass wenigstens das weibliche Geschlecht so schlau ist und sich von diesem Mist fernhält. Aber jedem das seine, hoffen wir mal dass die Gesellschaft sich so weiterentwickeln wird, dass man solche Spiele nur noch aus dem Geschichtsunterricht kennen wird, bis dahin wird es noch ein langer Prozess sein.
s.foth 17.10.2016
5.
Zitat von der_unbekannteDa hat die Spieleindustrie wieder einen Shooter auf den Markt geworfen in dem sinnlose Gewalt bis zum äußersten in die Köpfe der Gamer transportiert wird. Wer so etwas spielt, wird zwar nicht der nächste Amokläufer, aber moralisch fragwürdig ist dies schon. Die Gamer kommen dann immer mit dem Argument, dass dies doch nur alles virtuell sei und nicht echt, aber wie sieht es mit den Gefühlen im Gamer aus? Was machen die Gefühle mit einem wenn man so ein Genre über Jahren zockt? Mal darüber nachgedacht? Ich bin froh, dass wenigstens das weibliche Geschlecht so schlau ist und sich von diesem Mist fernhält. Aber jedem das seine, hoffen wir mal dass die Gesellschaft sich so weiterentwickeln wird, dass man solche Spiele nur noch aus dem Geschichtsunterricht kennen wird, bis dahin wird es noch ein langer Prozess sein.
So ein Kommentar darf natürlich bei SPON nie fehlen. Gehe ich nicht weiter drauf ein, wollte nur sagen: es gibt genug Frauen die auch solche Spiele spielen. Diejenigen die wirklich Einfluss auf die Gesellschaft und die Welt haben, die lassen sich auch nicht von Spielen lenken - schade eigentlich denn dann gäbe es wohl mehr Zusammenarbeit.
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