Geknackte Bewegungssteuerung Microsoft-Manager verspricht Hackern freie Bahn

Per Fingerzeig steuern sie Roboter und projizierte Handpuppen oder malen 3D-Grafiken im freien Raum: Hacker zweckendfremden Microsofts Bewegungssteuerung Kinect für geniale Experimente. Den Konzern freut's inzwischen. Microsoft-Manager erklären, die Tüftler hätten nichts zu befürchten.
Kinect-Hack: Künstlerin Emily Gobeille steuert eine Projektion per Armbewegung

Kinect-Hack: Künstlerin Emily Gobeille steuert eine Projektion per Armbewegung

Das ging schnell: Gut zwei Wochen ist Microsofts Spielkonsolen-Steuerung Kinect gerade mal im US-Handel und schon haben Hacker die Bewegungssteuerung zweckentfremdet. Statt Sport- und andere Fuchtelspiele mit Bewegungen vor der Konsolenkamera zu steuern, dirigiert die modifizierte Hardware Roboter-Staubsauger oder in den Raum projizierte Puppen.

Erlaubt Microsoft so viel Kreativität? Zunächst reagierte der Konzern ungehalten, ein Unternehmenssprecher teilte mit: "Microsoft duldet die Modifikation seiner Produkte nicht." In Kinect sei "eine Vielzahl von Hard- und Software-Schutzmechanismen" eingebaut, die einen Missbrauch verhindern könnten. Man arbeite "eng mit den Strafverfolgungsbehörden" zusammen, um Kinect weiterhin vor "Herumpfuscherei" zu bewahren.

Nun die Kehrtwende: In einem Gespräch mit dem US-Sender " National Public Radio " (NPR) erklären zwei Microsoft-Manager, Kinect-Hacker hätten nichts zu befürchten. Alex Kipman, bei Microsoft für die Xbox-Entwicklung mitverantwortlich, fällt dem Moderator auf die Frage nach Kinect-Hacks ins Wort, um zu erklären, man sehe das alles gar nicht als Hack: "Das würde bedeuten, dass jemand ein Gerät zwischen Sensor und Xbox geschmuggelt hat, um zu betrügen. Das ist nicht passiert."

Kipmans Aussagen klingen, als hätte Microsoft den Hackern die Arbeit bei der Bewegungssteuerung absichtlich einfach gemacht. Man habe den Zugriff auf das Kamerasystem über den USB-Anschluss ganz bewusst nicht geschützt, erklärt Kipman. Und ja, man habe gewusst, dass Menschen das ausnutzen würden. Kipmans Antwort auf die Frage, ob Microsoft ein Problem damit habe, dass Hacker mit eigenen Treibern das Kinect-System zweckentfremden: "Nein, überhaupt nicht." Seine Kollegin Shannon Loftis, Managerin des Microsoft Game Studios, stimmt zu und schmeichelt den Kinect-Hackern: "Ich freue mich, dass Kinect die Menschen so begeistert."

Projizierte Handpuppen, Staubsauger-Roboter und Zeichenprogramme - die schönsten Fuchtelsteuerungs-Projekte der Kinect-Hacker.

Die projizierte Handpuppe

Die Künstler Theodore Watson und Emily Gobeille haben binnen eines Tages diesen Prototypen entwickelt: Die Software erkennt über das Kinect-Kamerasystem, wie sich Schulter, Ellbogen, Handgelenk und Finger der gefilmten Person im Raum bewegen. Diese Bewegungen steuern die Projektion eines Vogels - der Unterarm den Hals, die Finger den Schnabel.

Staubsauger-Roboter per Fingerzeig steuern

Doktorand Philipp Robbel vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat ein Kinect-Kamerasystem auf einen Staubsauger-Rotober geschnallt und mit einer Kartierungssoftware verbunden. Sein Ziel: Während der Roboter durch Räume fährt, sammelt er Daten für eine hochauflösende, dreidimensionale Karte der Umwelt, überträgt sie per Funk an einen Computer, der das Modell in Echtzeit berechnet.

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Etwas augenfälliger ist diese Anwendung der Kamerasteuerung auf dem Staubsauger: Nähert er sich einem Menschen, erkennt die Software, dass da jemand im Weg steht, dessen Kommandos der Roboter zu folgen hat. Das geht beim Prototypen so: Die Maschine fährt in die Richtung, in die man mit dem Arm deutet.

Berührungsempfindliche Projektionen

Künstler James Patten  nutzt bei einem ersten Experiment das Kinect-Kamerasystem, um Projektionen auf Böden, Tischen oder Wänden berührungsempfindlich zu machen. Das sieht zum Beispiel so aus: Ein Projektor wirft einen Text an die Wand, ein Zuschauer fuchtelt mit seinen Armen durch die Buchstaben, die langsam auseinanderfliegen und immer schneller werden, je mehr Wind der Betrachter macht.

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Patten erklärt in seinem kurzen Beispielfilm, wie er mit dem Kinect-System einzelne Flächen einer Installation als Schaltflächen definieren kann, die bestimmte Bewegungen registrieren.

Computer erkennt Giraffen

Erst hält der Schöpfer dieses Videos - lediglich unter seinem YouTube-Pseudonym Yankeyan bekannt - ein paar Gegenstände vor das Kinect-Kamerassystem und erklärt der Software, die diese Bilddaten verarbeitet, dass es sich um eine Giraffe, ein Buch und eine Kuh handele. Beim nächsten Durchgang erkennt die Software dann die einmal benannten Gegenstände und erklärt mit sonorer Stimme: "Ich sehe eine Giraffe".

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Raumgreifende Malerei

Der Gestalter Mehmet S. Akten hat eine kleine, großartige Idee umgesetzt: Warum sollte man dreidimensionale Objekte nicht in drei Dimensionen zeichnen? Das funktioniert bei einem ersten Prototypen schon erstaunlich gut: Akten zieht mit seinem Arm einen grünen Wurm durch den Raum, beziehungsweise durch die Computerdarstellung desselben. Mit zwei Händen dreht er die Figur und schubst sie durch die Gegend.