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Beat 'em up Games: Fest der Hiebe

Beat 'em up Games Einfach aufs Maul

Karate Kid und Ninja Turtles, Chuck Norris und van Damme: Die Achtziger waren eine gute Zeit für Martial Arts. Das Videospielgenre Beat 'em up begann damals seinen Siegeszug. Heute erfreuen sich Nostalgiker an den Fortsetzungen der Spiele ihrer Jugend.
Von Fabian Mauruschat

Bäm, der hat gesessen! Den Gegner mit der richtigen Kombi aus den Latschen zu hauen, erzeugt Glücksgefühle bei Beat 'em up Games. Umso schöner, wenn man dabei zusammen auf der Couch sitzt und Schadenfreude live austeilen kann. Dabei war das Spielegenre des Mann-gegen-Mann-Zweikampfes schon einmal fast totgesagt worden.

Ende der Achtziger begann der große Siegeszug der Beat 'em ups. Das Thema von "Karate Champ" und Co. war fast immer das gleiche: ein Turnier, mehrere Kämpfer - selten Kämpferinnen - und diverse Arenen. In einer Reihe von Zweikämpfen musste man mit einer Figur alle anderen besiegen. (Einblicke in die Spiele liefert unsere Fotostrecke.)

Ähnlich liefen die Spiele aus dem Brawler-Genre wie "Double Dragon", bei denen nicht Mann gegen Mann gekloppt wurde, sondern der oder die Protagonisten ganze Scharen von Gegnern in einem 2D-Umfeld niederknüppelten. Oft waren die Protagonisten unglaubliche Achtziger-typische Kampfsportler auf Rachemission gegen die Unterwelt. Was für Verwirrung sorgen kann: Auf Englisch nennt man die Brawler meistens beat 'em up, während das, was wir Beat 'em up nennen, als fighting game bezeichnet wird.

Eiserne Faust und kloppende Klempner

In den Neunzigern schlugen die Prügelspiele auf den Konsolen richtig ein. "Tekken" (japanisch für eiserne Faust) war eines der ersten Playstation-Spiele, "Mortal Kombat" sorgte mit makabren Todes-Animationen für Aufregung und "Super Smash Bros." trat als spieleübergreifende Crossover-Plattform für Nintendo-Figuren an. Hier konnte sich Super Mario mit Pikachu balgen und danach Link eine ballern.

Dabei scheint das Genre Beat 'em up prädestiniert für Crossover aus allen Genres. Ob Freddy Krueger bei "Mortal Kombat" auftaucht, Darth Vader bei "Soul Calibur" mitmischt oder das Marvel-Universum bei Capcom anklopft. Alles eine Frage der Lizenzen.

Im Grunde erfüllen die Publisher damit einen uralten Nerdwunsch, nämlich die Beantwortung der Frage, welche Comic-, Film- oder Gamefigur stärker ist. Nur leider kann das Ergebnis keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhalten. Schließlich müssen die Figuren einigermaßen gleich stark sein, damit der Kampf Superman gegen Sub-Zero überhaupt Spaß macht. Das satirische Spiel "Faith Fighter" nimmt das Fighting Game als ultimative Crossover-Plattform gehörig aufs Korn. Hier hauen sich Jesus, Buddha und andere Vertreter verschiedener Weltreligionen eins auf die Rübe.

Die vielen Crossover erwiesen sich als bloße Gimmicks, wirkliche Innovationen blieben aus. Nach den Neunzigern sank die Begeisterung für das Genre rapide. Der Markt war übersättigt und die Verkaufszahlen sanken. Natürlich blieben viele Fans ihren Reihen aus nostalgischen Gründen treu, aber die meisten Games hatten den Zenit Mitte bis Ende der Neunziger überschritten.

Gegenentwurf zur grenzenlosen Freiheit der Open World

2008 beginnt mit dem Release von "Street Fighter IV" eine Revitalisierung des Genres. Obwohl die Verkaufszahlen hinter denen der Hochzeit zurückbleiben, sind sie stabil, es kommen neue Fans dazu. In den Kreisen altgedienter Beat-'em-up-Veteranen wie der Gaming Community Shoryuken nennt man neue Spieler sogar 09ers, weil sie erst 2009 dazugekommen sind.

Mittlerweile sind die mitunter als Prügelspiele verpönten Beat 'em ups wieder ein angesagtes Genre. In der ersten Jahreshälfte 2015 war "Mortal Kombat X" das beliebteste Spiel der US-Amerikaner. Das geht aus der Top 10 der Verkaufscharts hervor, die von der Marktforschungsgruppe NPD Group erstellt und von fortune.com veröffentlicht wurde. Auf Platz 10 ist mit "Super Smash Bros." für die Wii ein eher harmloser Prügler vertreten. Und die "Tekken"-Franchise übertrifft mit insgesamt 60 Mio. verkauften Titeln immer noch andere Game-Größen wie "Lara Croft" oder "Elder Scrolls".

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Ein Grund für die Wiederentdeckung der Beat 'em ups sind vielleicht auch die überhand nehmenden Open-World-Titel von "Fallout" bis "GTA". Denn hier ist kein Platz für Erkundung, keine großartig animierte Landschaft lädt zum Herumstromern ein, keine Quests warten. Einfach nur zwei Typen, die sich gegenseitig aufs Maul hauen. Herrlich einfach.

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