Für 12,7 Milliarden Dollar »Grand Theft Auto«-Entwickler kauft »FarmVille«-Firma

Einst galt das Spielestudio Zynga als Zukunft der Branche, begeisterte Millionen, vor allem auf Facebook. Jetzt wird das Unternehmen von der Konkurrenz übernommen – mit sattem Aufpreis.
Screenshot von »FarmVille 2«: Ein digitales Idyll

Screenshot von »FarmVille 2«: Ein digitales Idyll

Foto: Handout Zynga/ dpa

Der Traum vom Leben auf dem Bauernhof begeisterte Millionen Menschen. Jedenfalls damals, im Jahr 2009, als die Landleben-Simulation »FarmVille« auf Facebook startete. Zu seiner besten Zeit hatte das Onlinespiel 85 Millionen Spielerinnen und Spieler, täglich versammelten sich bis zu 32 Millionen davon, um in dem sozialen Netzwerk ihre virtuellen Felder zu beackern, berichtet die »New York Times« . Aber das ist lang vorbei. Vor einem Jahr wurde »FarmVille« auf Facebook abgeschaltet.

Trotzdem ist die Entwicklerfirma Zynga, von der die »FarmVille«-Reihe stammt, dem Spiele-Publisher Take Two jetzt fast 13 Milliarden Dollar wert. Es handelt sich um einen der bisher wertvollsten Deals in der Spielebranche.

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Foto: Farmville

Der Konzern, von dem Blockbuster-Spiele wie »Civilization«, »Grand Theft Auto« und »Red Dead Redemption« stammen, ist damit bereit, einen Aufpreis von fast zwei Dritteln  gegenüber dem aktuellen Aktienkurs von Zynga zu zahlen. Einer Pressemitteilung zufolge  sollen Aktionäre des Unternehmens pro Zynga-Aktie 6,36 Dollar in Take-Two-Aktien erhalten und 3,50 Dollar als Auszahlung. Daraus ergebe sich ein Unternehmenswert von 12,7 Milliarden Dollar. Die Transaktion soll bis zum 30. Juni 2022 abgeschlossen werden.

Für Zynga-Aktionäre hat der Deal dennoch einen schalen Beigeschmack, lag deren Ausgabepreis im Jahr 2011 doch bei 9,86 Dollar und damit über dem nun erzielten Wert. Zu ihren besten Zeiten lagen die Papiere allerdings bei bis zu 13 Dollar.

Hundert Millionen Dollar pro Jahr sparen

Nach seinem raketengleichen Aufstieg hatte Zynga seit der Auflösung eines Exklusivvertrags mit Facebook stets mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Zwar residiert das Unternehmen mit seinem Hauptquartier in San Francisco schick in einem ehemaligen Kaufhaus, doch schon 2013 wurden 520 Mitarbeiter entlassen, um die laufenden Kosten zu senken.

Schließlich wurde mit dem Microsoft-Manager Don Mattrick ein neuer Geschäftsführer angeheuert, der das Ruder herumreißen sollte, was ihm nicht gelang. Nach knapp zwei Jahren wurde er abgesetzt und Zynga-Gründer Mark Pincus übernahm den Job. Langfristig geholfen hat auch das nicht.

Mit dem Zukauf der »FarmVille«-Firma könne Take Two sein Geschäft »signifikant diversifizieren«, sagt der Chairman und CEO von Take-Two, Harry Strauss Zelnick. Das Portfolio seiner Firma, das bisher auf Konsolen- und PC-Spiele ausgerichtet ist, wird durch Zynga um Browser- und Smartphone-Spiele ergänzt. Zudem verspricht sich der Manager von dem Zusammenschluss sogenannte Synergieeffekte, die in solchen Fällen gern bemüht werden. Schon in den ersten zwei Jahren will er so jeweils hundert Millionen Dollar einsparen.

mak
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