Gratisspiele Electronic Arts kauft PopCap für 750 Millionen Dollar

Der Markt für klassische Konsolen- und Computerspiele wächst nur mäßig, große Games-Publisher suchen neue Geldquellen. Branchenriese Electronic Arts kauft PopCap - einen Spezialisten für Zwischendurch-Spiele, die wenig oder gar nichts kosten.

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Computerspiele und Electronics Arts (EA) - das waren lang Zeit fast Synonyme. Doch die Zeiten, in denen Entwickler mit aufwendigen Großproduktionen den Spielemarkt beherrschten, sind vorbei: In den letzten Jahren waren es vor allem Anbieter meist browserbasierter Zwischendurch-Spiele (so genannte Casual Games), die die großen Erfolge landeten. Nun kauft EA für fast 750 Millionen Dollar den Spieleentwickler PopCap, eine auf Casual-Titel spezialisierte Firma. Mit dem PopCap-Kauf erlangen die Kalifornier Zugriff auf beliebte Titel wie "Bejeweled" und "Plants vs. Zombies".

Für Branchenbeobachter markiert dieser Kauf die Bereitschaft bei EA, sich nicht auf dem Erfolg in traditionellen Geschäftsfeldern auszuruhen. Durch den Siegeszug der Social Networks ist in der Gaming-Welt eine völlig neue Spieleplattform entstanden, die mit dem traditionellen Geschäft mit Vollpreis-Titeln nichts mehr zu tun hat.

Inzwischen laufen neue Anbieter dem Urgestein der Games-Branche EA den Rang ab. Beim Geschäft mit (teilweise) kostenlosen Spielen führt auf Facebook laut dem Statistikdienstleister AppData Zynga - weltweit mit großem Abstand. Gut 262 Millionen aktive Spieler hatten die 58 Facebook-Anwendungen Zyngas im vergangenen Monat. Auf Platz zwei in einer aktuellen Anbieter-Rangliste bei AppData liegt das Berliner Unternehmen Wooga mit 33 Millionen Spielern gebracht. Damit liegt die 2009 gegründete Firma noch vor EA. Die Kalifornier kommen bei Facebook auf gerade mal 32 Millionen Spieler.

Zynga reichte Anfang Juli die Unterlagen für einen Börsengang bei der US-Börsenaufsicht SEC ein. Den Unterlagen zufolge schreibt das Unternehmen bereits seit 2010 schwarze Zahlen: Da verdiente Zynga rund 90,6 Millionen Dollar bei 597,5 Millionen Dollar Umsatz.

meu



insgesamt 11 Beiträge
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archie, 13.07.2011
1. Nur noch gratis
Zuerst hat man die Computerspieler, die viel Geld für Spiele und Highendtechnik ausgeben, durch rigorose Kopierschutzmechanismen vergrault oder in die Illegalität getrieben und nun will man bei zockenden Muttis abgreifen: Kleinvieh macht eben sehr viel mehr Mist. Übrigens: wer's unbedingt gratis haben wollte, konnte das auch schon bei den großen Spielen.
Walter Sobchak 13.07.2011
2.
War EA nicht der Konzern, der am liebsten das Weiterverkaufen von durchgespielten Spielen verbieten moechte? Bald wollen die ja nur noch online-Aktivierung anbieten. Damit wird das Verkaufen/Verschenken von Spielen dann nicht mehr moeglich sein. Die sehen schon seit Jahren kein Geld mehr von mir und arbeiten wuerde ich bei denen auch nicht - fuer kein Geld der Welt.
Noctim 13.07.2011
3. Mircopayment
Der Trend geht nicht zwingend zu den Browsergames, die sind nur Mittel zum Zweck und einfach technisch recht einfach umzusetzen. Der Trend entwickelt sich hin zum sogenannten Micropayment, also das Bezahlen von vielen Kleinstbeträgen, statt einem einzigen Vollpreis für ein Spiel. Früher kamen die Spiele für 50-100 DM/Euro in den Handel und nachdem die ersten Wellen abgeklungen waren, konnte man die Games auf dem Grabbeltisch wiederfinden oder in besonderen Nice-Price-Editionen. Das spülte natürlich nur immer kurzfristig Geld in die Kassen. Micropayment zäumt das Pferd von hinten auf: Das Spiel kriegt man (nahezu) umsonst, aber für tolle Extras, mehr Energie oder Gold muss man extra blechen. EA macht es doch heute schon: Zusatz-Kampagnen für bestehende Spiele kosten richtig viel Asche im Online-Shop. Da zahlt man für ein Mini-Kapitel bei "Dragon Age" schon sage und schreibe 10 Euro! Und das bei 20 Euro für das Hauptprodukt! Der Einzelpreis der Extras erscheint gering, aber über das Jahr verteilt ergibt sich daraus deutlich mehr, als bei einem einzigen Vollpreis-Spiel. Das Konzept geht sogar so weit, dass man sich als Spieler spielentscheidende Vorteile erkaufen kann. So als ob man beim Schach für fünf Runden mit zwei Damen spielen könnte. Das versaut natürlich "ehrlichen" Spielen den Spielspaß, da reale (finanzielle) Einflüsse in die sonst für alle gleich erscheinende, virtuelle Welt einfließen. Profilneurotiker haben hier natürlich die Chance, sich anderen gegenüber zu beweisen, auch wenn der Erfolg allein dem Geld zuzuschreiben ist und nicht dem persönlichen Können. Aber das ist eher eine spielphilosophische Frage. Zwar wird alles auf freiwilliger Basis finanziert, aber genau wie bei Korruption wird die Situation irgendwann zum Selbstläufer: Wenn man aufgrund von massiv erkauften Vorteilen der Mitspieler keinen Anschluss mehr findet, kann man entweder komplett damit aufhören, oder eben mitmachen und sein Geld verprassen. Zumal die Leistung des Herstellers dramatisch abfällt, wenn er sich nur auf gewinnbringende, aber kreativ vollkommen unzureichende und innovationslose Spiele konzentriert. Spiele wie Plants vs. Zombies (Tower Defense), Farmville (Harvest Moon) oder Bejeweled (Puzzle Bobble) existieren schon seit Jahrzehnten und wurden einfach ins MMO-Genre übertragen, wo man sich mit anderen Spielern vergleichen kann. Der soziale Aspekt macht Micropayment eben noch attraktiver. Man spielt nicht mehr allein, sondern miteinander. Man hilft sich auf der Farm, man schickt sich Goodies bei Facebook, schaut sich die Errungenschaften und High Scores der Freunde an und zum weiterspielen braucht es eben nur die Kreditkarte... Tiefgang und Atmosphäre zu produzieren kostet halt deutlich mehr als ein "Farmville 2 - Jetzt noch mehr sinnloser Quatsch für dein Geld". Aber das gleiche Problem hat Hollywood ja derzeit auch...
SPr, 13.07.2011
4. Dafür liefert EA ein Add-on, das das Spiel unspielbar macht
Das neueste Add-on zu Sims 3 (ja, ich weiß, dass ist kein richtiges Spiel) macht das Grundspiel mit den bisherigen Add-ons unspielbar. Durch die Installation werden so viele Fehler produziert, dass jedes angefangene Spiel eher viel früher als später so koruppt ist, das nicht mehr weitergespielt werden kann. Reaktion von EA darauf: bis heute keine ... Die Anbindung an den EA-Store funktioniert allerdings einwandfrei. Ebenso die Facebook-Anbindung, die seit dem neuen Add-on dazugekommen ist. Ein Sims-Facebook-Spiel ist schließlich schon in der Testphase. Wenn EA beabsichtigt, die sehr große Sims-Spieler-Gemeinde (ja, obwohl es kein richtiges Spiel ist) zu vergraulen, ist EA auf dem besten Weg, dieses Ziel zu erreichen.
cor 13.07.2011
5. Was heisst hier "bald"?!
Zitat von Walter SobchakWar EA nicht der Konzern, der am liebsten das Weiterverkaufen von durchgespielten Spielen verbieten moechte? Bald wollen die ja nur noch online-Aktivierung anbieten. Damit wird das Verkaufen/Verschenken von Spielen dann nicht mehr moeglich sein. Die sehen schon seit Jahren kein Geld mehr von mir und arbeiten wuerde ich bei denen auch nicht - fuer kein Geld der Welt.
Online-Aktivierung ist jetzt schon weit verbreitet. Und verkaufen ist nur ein Teil des riesigen Problems. Sobald bei EA mal die Server down war's das sogar mit SP-spielen. EA hat noch ganz andere Probleme: Zum Beispiel, das zum 50sten mal Sequels billig aufgewärmt werden (Need for Speed, Medal of Honor...) und zum Vollpreis verkauft werden. Oder dass Spiele released wurden, die den Qualitätsanforderungen hinten und vorne nicht genügen, dies aber erst NACH dem Release von EA zugegeben wird (Medal of Honor). Ich war früher Fan von EA Games. Mittlerweile boykottiere ich sämtliche Spiele dieses Publishers.
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