"Half-Life: Alyx" Was Sie vor dem Kauf einer Virtual-Reality-Brille wissen sollten

Um das Virtual-Reality-Spiel "Half-Life: Alyx" gibt es einen Riesenhype. Welche Technik braucht man dafür? Und: Ist das auch was für Sie?
"Half-Life: Alyx": Auf vielen Headsets spielbar, besonders ausgelegt auf die Valve Index

"Half-Life: Alyx": Auf vielen Headsets spielbar, besonders ausgelegt auf die Valve Index

Foto: Valve

Knapp vier Jahre ist es her, dass die virtuelle Realität (VR) die Gaming-Welt aufmischen sollte. Mit der Oculus Rift und der HTC Vive kam damals die erste Generation moderner Highend-Headsets auf den Markt. Mittlerweile ist der Markt unübersichtlicher geworden: Er erstreckt sich von Neuauflagen wie der Vive Cosmos bis hin zu kabellosen und vergleichsweise einsteigerfreundlichen Brillen wie der Oculus Quest. VR ist da, aber in diversen Qualitätsstufen.

Wie viele Headsets 2020 in Gebrauch sind, lässt sich nicht genau beziffern: Valves Plattform Steam, über die viele VR-Fans ihre Spiele beziehen, nannte vor einigen Wochen die Zahl von 1,3 Millionen Headsets , die mindestens einmal im Monat mit Steam verbunden waren. Praktisch dürfte es jedoch deutlich mehr Headset-Besitzer geben, da etwa die Oculus Quest und auch Sonys Headset Playstation VR auch ohne Steam nutzbar sind.

Klar ist aber auch: In Relation zum klassischen Gaming, wo manche Spiele wie "Fortnite" einzeln auf Dutzende Millionen Spieler pro Monat kommen, ist VR weiter ein Nischenphänomen, ein aufregender Spielplatz für Enthusiasten.

Dieser Tage jedoch dürften viele Spieler, die dem Reiz von VR bislang nicht erlegen sind, gerne mal ein Headset aufziehen wollen. Denn mit "Half-Life: Alyx" erscheint ein neuer Titel aus einer der bekanntesten Spieleserien als reines VR-Spiel. Ohne VR-Headset mit passendem Gaming-Rechner wird man "Alyx" also nicht spielen können.

Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten zum VR-Titel der Stunde.

Was genau ist "Half-Life: Alyx"?

"Alyx" ist ein neues Spiel der legendären Shooter-Reihe "Half-Life", die von Hersteller Valve nach mehr als einem Jahrzehnt Funkstille wiederbelebt wird.

Das Spiel wird wie die anderen Teile der Serien aus der Egoperspektive gespielt, es verspricht allerdings ein viel intensiveres Spielerlebnis. Durch seine VR-Brille fühlt sich der Spieler unmittelbar in die Science-Fiction-Welt versetzt, in der er mit seinen Handcontrollern allerlei Dinge tun kann, vom Aufheben und Werfen von Gegenständen bis zum Nachladen von Waffen.

"Alyx" wird laut Valve ein "Spiel in voller Länge" sein. Wie man sich das Spielerlebnis im Detail vorstellen kann, zeigt dieses Vorschauvideo von "IGN" .

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Welche Technik brauche ich für "Alyx"?

Einen leistungsstarken Rechner in Kombination mit einer PC-kompatiblen VR-Brille. Als minimale Systemanforderungen  nennt Valve einen Windows-10-Rechner mit einem Prozessor der Leistungsstärke eines Intel Core i5-7500 oder eines AMD Ryzen 5 1600. Ergänzend werden 12 GB Arbeitsspeicher (RAM) und eine Grafikkarte im Stil einer Geforce GTX 1060 oder einer Radeon RTX 580, mit 6 GB Speicher, vorausgesetzt.

Auf der Seite der Brillen zeigt sich "Alyx" erfreulich kompatibel: Das Spiel funktioniert mit den Oculus-Headsets Rift und Rift S, HTCs Vive-Gerätefamilie  sowie den sogenannten Windows-Mixed-Reality-Headsets verschiedener Hersteller, die alle allesamt über zwei Hand-Controller verfügen. Auch die Oculus Quest lässt sich nutzen, wenn sie über das zusätzlich zum Kaufpreis angebotene Link-Kabel von Oculus  oder ein vergleichbares Kabel eines Drittherstellers mit dem Computer verbunden wird.

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Technische Daten und Spiele-Eindrücke: Das ist die Oculus Quest

Foto: Jens Ressing/ SPIEGEL ONLINE

Die genannten Headsets kosten je nach Gerät und Ausstattungspaket zwischen 250 Euro und 1000 Euro. Die Windows-Mixed-Reality-Headsets sind dabei tendenziell die günstigsten, aber nicht unbedingt die überzeugendsten Geräte, die neueren Vive-Sets mit der Vive Cosmos und der Vive Pro zählen zu den teureren. Das beste Preis-Leistungsverhältnis bieten aus unserer Sicht derzeit Oculus Rift S und Oculus Quest für jeweils 450 Euro (im Fall der Quest kommen bis zu 90 Euro fürs Link-Kabel  dazu). Mit Sonys Playstation-VR-Headset und Handybrillen wie Samsungs Gear VR ist "Alyx" nicht kompatibel, mit einigen Pimax-Headsets  dagegen schon .

Der Königsweg, "Alyx" zu spielen, ist jedoch Valves eigene Brille, die Valve Index. Sie kostet im Komplettpaket rund 1080 Euro  und bietet neben dem wohl besten Headset am Markt auch besonders gute Hand-Controller mit Finger-Tracking. Mit ihnen sollen in "Alyx" einige Aktionen möglich sind, die kein anderes Controller-Set ermöglicht, etwa das Zerdrücken einer Getränkedose . Entscheidend für den Spielspaß werden diese Sonderfunktionen laut Valve aber nicht sein.

Die Controller der Valve Index werden für 299 Euro auch separat angeboten und können mit Vive- und Vive-Pro-Headsets verbunden werden. Einen großen Nachteil gibt es in Sachen Index-Hardware derzeit aber: Die Nachfrage ist so hoch, dass Valve neue Bestellungen, Stand Mitte März, erst in acht bis zehn Wochen versendet, also deutlich nach Erscheinen von "Alyx".

Das Spiel selbst lässt sich für 45 bis 50 Euro bei Steam kaufen, Käufer der Valve Index oder der Index Controller bekommen es gratis freigeschaltet.

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Virtuelle Realität: Die Geschichte von Oculus

Foto: Allen J. Schaben / Los Angeles Times / Getty Images

Was sollte ich vor dem Kauf einer VR-Brille noch wissen?

Wer mit einer VR-Brille liebäugelt, sollte wissen, dass man für VR etwas Platz im Zimmer braucht, weil viele Spiele Bewegungen des Spielers erfordern. Je nach Headset - etwa im Fall der Vive und der Oculus Rift von 2016 - müssen auch noch Sensoren am Rand des VR-Spielfelds platziert werden. Vor dem Kauf einer VR-Brille sollte man auch prüfen, wie diese an den PC angeschlossen wird, etwa per DisplayPort 1.2 oder HDMI. Mitunter sind auch mehrere USB-Anschlüsse vonnöten. In der Regel wird USB 3.0 benötigt, im Fall des Oculus-Link-Kabels auch ein USB-C-Anschluss.

Beim SPIEGEL nutzen wir für VR-Tests meistens eine Spielfläche von gut zwei mal zwei Metern, das reicht in aller Regel aus. Kleinere Flächen jedoch werden schnell zum Ärgernis, da auf ihnen öfter mal virtuelle Schutzgitter im Sichtfeld des Spielers auftauchen. Diese Einblendungen schützen vor Unfällen, schaden aber der Immersion.

Angaben auf Steam zufolge lässt sich "Alyx" grundsätzlich stehend, sitzend oder im sogenannten Roomscale-Modus spielen, in dem man sich auf einer festgelegten Fläche im Raum frei bewegen kann. Im Spiel selbst gibt es verschiedene Fortbewegungsmöglichkeiten , vom Teleportieren durch die Spielwelt bis zur fortlaufenden Bewegung per Analog-Stick.

Muss ich für "Alyx" die älteren "Half-Life"-Spiele kennen?

Das Spielgefühl von "Alyx" wird sich durch VR und die Hand-Controller stark von den alten Teilen, die mit Maus und Tastatur bedient wurden, unterscheiden. Einen spielerischen Vorteil bringt einem "Half-Life"-Erfahrung so gesehen wohl nicht. Anders sieht es beim Verständnis der Story sowie Anspielungen auf das Spieluniversum aus: Hier wird sich das Spiel "Half-Life"-Veteranen wohl mit Sicherheit besser erschließen als Neueinsteigern.

Hinzu kommt: Wer "Half-Life" kennt, weiß, welcher Horror einen erwartet. Kopfkrabben genannte Aliens, die dem Spieler ins Gesicht springen, sind vor allem in VR sicherlich nicht für jeden etwas.

Der Spieler schlüpft in "Alyx" übrigens in die Rolle der Widerstandskämpferin Alyx Vance. Die Geschichte ist zwischen "Half-Life" und "Half-Life 2" angesiedelt.

Wie kann ich das erste "Half-Life" spielen?

Die alten "Half-Life"-Teile gibt es online günstig zu kaufen, "Half-Life" und "Half-Life 2" sind auf Steam momentan sogar kostenlos spielbar.

Für Spieler, denen das Original von 1998 zu angestaubt wirkt, ist gerade das hervorragende Fan-Remake "Black Mesa" erschienen, das 18 Euro kostet und ein zeitgemäßes Eintauchen in die "Half-Life"-Welt erlaubt. Hier finden Sie einen aktuellen Artikel zum Remake.

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So sieht "Black Mesa" aus

Lohnt es sich, nur für "Alyx" eine VR-Brille zu kaufen?

Zumindest ein Dutzend Stunden Spielspaß dürfte "Alyx" bieten. Dafür Hunderte Euro in ein VR-System zu investieren, ergibt aber wohl nur Sinn, wenn man auch an anderen VR-Titeln interessiert ist. Empfehlen können wir anhand eigener Erfahrungen zum Beispiel den Zombie-Apokalypse-Simulator "The Walking Dead: Saints und Sinners", der für eine ähnlich lange Zeit gut unterhält, sowie das Oculus-exklusive Rollenspiel "Asgard's Wrath", das jedoch hohe Anforderungen an die PC-Hardware stellt.

Ansonsten gibt es viele VR-Bewegungsspiele wie "Beat Saber", "Pistol Whip" und "The Thrill of the Fight", die Spaß machen und den Spieler unter der Brille ins Schwitzen bringen. Auch Multiplayer-Games wie "Eleven: Table Tennis VR", "Racket: NX" oder "Star Trek: Bridge Crew" sind ein interessanter Zeitvertreib - vorausgesetzt, man findet dafür Mitspieler.

20 tolle, zum Teil aber eher kurze VR-Spiele haben wir 2018 in einer Fotostrecke vorgestellt.

Fotostrecke

Für Oculus Rift, PSVR und Co.: 20 gute VR-Spiele

Foto: Hyperbolic Magnetism

"Half-Life"-Interessierte, denen es schwer fällt abzuwägen, ob VR etwas für sie ist oder nicht, haben auch die Option, sich über Dienste wie Grover  Headsets monatsweise auszuleihen und sie nach dem Durchspielen von "Alyx" zurückzugeben. Eine Oculus Rift S kostete bei Grover für einen Monat Leihdauer zuletzt 70 Euro, eine Vive Cosmos gab es für 65 Euro. Die Lieferzeit betrug drei bis sieben Werktage.

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