Neues Spiel der "Pokémon Go"-Macher Noch verzaubert "Harry Potter: Wizards Unite" nicht jeden

Drei Jahre nach dem Start von "Pokémon Go" will Hersteller Niantic nun die magische Welt von "Harry Potter" mit der echten Welt vermischen. In den USA und Großbritannien ist das Spiel seit Freitag verfügbar.

Festungen erobern, Zauberpunkte sammeln und magische Kreaturen bekämpfen, die direkt in die reale Welt projiziert werden: Das steht im Mittelpunkt von "Harry Potter: Wizards Unite".
Niantic

Festungen erobern, Zauberpunkte sammeln und magische Kreaturen bekämpfen, die direkt in die reale Welt projiziert werden: Das steht im Mittelpunkt von "Harry Potter: Wizards Unite".

Von Dominik Schott


2016 gelang Hersteller Niantic mit "Pokémon Go" etwas Neuartiges: Millionen Spieler strömten monatelang durch Städte, Wälder und Parks, um - bewaffnet mit ihrem Smartphone - wilde Pokémon zu fangen. An diesen Erfolg will das Entwicklerteam nun mit einem neuen Mobilspiel anknüpfen, das diesen Freitag zunächst in den USA und in Großbritannien erschienen ist.

"Harry Potter: Wizards Unite" ist wie sein "Pokémon"-Pendant ein Augmented-Reality-Game - es verknüpft digitale und echte Welt. Der neue Titel macht Spieler aber nicht zu Taschenmonster-Trainern, sondern zu Magiern, die fantasievolle Monster bekämpfen und mit Wischbewegungen auf dem Handydisplay zaubern können.

Bekannte Figuren aus der Zaubererwelt wie Hermine Granger und Harry Potter selbst stehen den Spielern als Mentoren zur Seite und führen sie an die Besonderheiten des AR-Games heran - allem voran an die neue, umfassende Geschichte. Sie ist eine wesentliche Neuerung im Vergleich zu "Pokémon Go".

Zaubersprüche werden durch Wischbewegungen auf dem Display gewirkt. Die Ausführung auch von komplizierten Sprüchen ist laut manchen Fan-Stimmen aber "viel zu einfach".
Niantic

Zaubersprüche werden durch Wischbewegungen auf dem Display gewirkt. Die Ausführung auch von komplizierten Sprüchen ist laut manchen Fan-Stimmen aber "viel zu einfach".

Grundsätzlich ist "Harry Potter: Wizards Unite" gratis verfügbar, doch wie auch bei "Pokémon Go" bietet Niantic In-App-Käufe an, die die Firma selbst als "Abkürzungen" beschreibt: Wer möchte, kann so beispielsweise das Sammeln von Energie, die für Zaubersprüche benötigt wird, beschleunigen. Wie gut dem Hersteller die Balance zwischen den Mikrotransaktionen und dem kostenlosen Freispielen von Inhalten gelungen ist, ist so kurz nach der Erstveröffentlichung allerdings noch nicht absehbar.

Die Begeisterung hält sich noch in Grenzen

Wann genau "Wizards Unite" nach Deutschland kommt, ist noch nicht bekannt - der Start dürfte allerdings nicht allzu lang auf sich warten lassen.

Erste Einschätzungen von Testern in den Startländern erwecken allerdings den Eindruck, dass Niantics neues AR-Game einen holprigen Start erlebt. So bemängelt das Tech-Magazin "Mashable" unübersichtliche Menüs und zu simple Spielmechaniken, die "Harry Potter: Wizards Unite" zu einem wenig befriedigenden Erlebnis machen - und einige Spieler, die das AR-Game bereits ausprobieren konnten, bestätigen das auf Reddit. Sie kritisieren außerdem, dass es in ländlichen Gebieten zu wenige Möglichkeiten gebe, wichtige Energiepunkte zu regenerieren, für die es nur an manchen Orten wie öffentlichen Gebäuden und Sehenswürdigkeiten Nachschub gibt.

Bereits im Vorfeld des Releases zeigten sich Branchenkenner skeptisch, ob "Wizards Unite" den riesigen Erfolg von "Pokémon Go" würde wiederholen können. Petra Fröhlich vom Magazin "Gameswirtschaft" etwa meint, dass Spiel könne nicht mehr die "'Das muss ich dringend ausprobieren'-Neugier" wecken, wie noch "Pokémon Go", das vor drei Jahren zu den damals wenigen größeren AR-Spielen gehörte.

Die Geschichte von "Wizards Unite" soll den Entwicklern zufolge "mehrere Jahre lang" um immer neue Kapitel erweitert werden soll.
Niantic

Die Geschichte von "Wizards Unite" soll den Entwicklern zufolge "mehrere Jahre lang" um immer neue Kapitel erweitert werden soll.

Potenzial für das neue Spiel sieht Fröhlich aber: "Harry Potter ist mit seinem Universum nach wie vor eine der weltweit stärksten Marken", sagt sie: "Dadurch werden Spieler aller Generationen angesprochen." Der Hype um die Veröffentlichung des neuen Spiels sei zwar überschaubar, dies sage jedoch wenig über dessen langfristige Erfolgschancen aus.

Tatsächlich hatte seinerzeit auch "Pokémon Go" trotz des großen Interesses am Spiel nicht unbedingt einen Glanzstart. Im Sommer 2016 gab es einerseits immer mal wieder technische Probleme, andererseits fehlten vielen Fans Funktionen, die das Entwicklerteam erst in den folgenden Wochen und Monaten nachlieferte. Die Community rechnet daher nun auch im Fall von "Wizards Unite" damit, dass das Spiel mit Hilfe ihres Feedbacks nach und nach immer besser wird.

Die interessanteste Alternative bleibt "Pokémon Go"

Wer sich für Augmented-Reality-Spiele interessiert und die Zeit bis zum Release von "Wizards Unite" in Deutschland mit vergleichbaren Titeln vertreiben will, für den ist wohl am ehesten Niantics übriges Portfolio interessant: Neben dem Genre-Klassiker "Ingress", der Spieler zu Agenten macht, die überall auf der Welt Energieknoten erobern und verteidigen müssen, bleibt "Pokémon Go" die populärste und bestproduzierte Alternative.

Abseits von Niantic lohnt ein Blick auf "Jurassic World Alive", in dem Spieler Dino-DNA sammeln, im Labor zu neuen Arten kreuzen und die eigenen Kreaturen gegen die Kreaturen anderer Spieler antreten lassen können.



insgesamt 6 Beiträge
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krustentier120 21.06.2019
1. RIchtige AR
So richtig AR war Pokémon Go aber nicht. Man konnte auch mit ausgeschalteter Kamera spielen, was absolut keinen Effekt auf die Spielmechanik hatte.
weroc 21.06.2019
2. Was genau ist so neu an Pokemon Go im Gegensatz zu Ingress?
Ingress kam 2012 raus und ohne Ingress wurde es Pokemon Go nicht geben. Die ganzen Portale (bei Pokemon Go, dann Pokestops) wurden aktiv von der Ingress Community vorgeschlagen und sind so überhaupt erst entstanden. Populärer mag Pokemon Go sein, aber liegt das nicht viel mehr an der Marke Pokemon? Besser produziert halte ich für eine gewagte Aussage, es mag sein, dass Pokemon Go mehr Grafik mitbringt, aber viele in meinem Bekanntenkreis haben starke Probleme hinsichtlich der Stabilität von Pokemon Go. Ein Spiel das das bestproduzierteste sein soll, sollte es deutlich besser können.
SamZidat 21.06.2019
3. Wieso nicht AR?
Bunte Bilder sind nicht die einzig mögliche Definition von AR. Natürlich ist Pokemon Go AR - ich habe es jedenfalls noch nicht geschafft, in einen Pokestop reinzulaufen. Trotzdem gibt es sie, jedenfalls auf meinem Bildschirm. Übrigens, kein Grund von Pokemon Go in der Vergangenheit zu reden - das Spiel läuft noch, und zwar recht gut, mit reichlich Mitspielern. Was übrigens bei vielen nicht an der Marke Pokemon liegt. Ich kenne reichlich Spieler, an denen Pokemons früher komplett vorbeigingen; eine Altersfrage zumeist. Merkt man immer schön: Die jüngeren Spieler kennen jedes Pokemon mit Werten und hastenichtgesehen noch auswendig von früher, die älteren schätzen ganz andere Aspekte: Daß man raus muß zum Spielen zum Beispiel, oder oft andere Spieler trifft (ohne das ausufern zu lassen wie Ingress). Die hätten das Spiel genauso geschätzt wenn es mit Mainzelmännchen gewesen wäre. Beides übrigens keine Gruppen, die groß geneigt sein dürften zu Harry Potter zu wechseln - so ein Level-40-Account ist hart erarbeitet für die einen, und die anderen mögen tatsächlich die Pokemons.
Jacek G 21.06.2019
4.
Pokemon Go ist so erfolgreich, weil man wie in der Serie Pokemon fängt. Das ist nunmal absolut passend und gibt ein spezielles Feeling selbst Pokemontrainer zu sein. Ich glaube kam, dass da irgendwas ran kommt.
Daniel Roser 21.06.2019
5. Die Alternative
Die interessanteste Alternative ist Ingress. Und das seit 2012
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