HDMI 2.1 Für wen sich die neuen Turbo-TV-Kabel lohnen

Manche High-End-Fernseher kommen mit neuen Anschlussbuchsen vom Typ HDMI 2.1. Passende Kabel sind teuer. Wir erklären, was der neue Anschluss bringt.

Jörg Breithut

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Seit fast 20 Jahren werden Videos von DVD- und Blu-ray-Playern, Spielkonsolen und anderen Geräten mit HDMI-Kabeln an Fernseher, Beamer und Computerbildschirme übertragen. Als dieser Standard 2002 eingeführt wurde boten die damals neuen Kabel mit ihrer digitalen Datenübertragung eine deutlich gesteigerte Bild- und Tonqualität gegenüber den bis dahin üblichen analogen Verbindungen, wie beispielsweise Scart.

Äußerlich hat sich an Steckern und Kabeln des High Definition Multimedia Interface seither nichts geändert. Doch die Technik, mit der Daten durch die Kabel geschickt werden, wurde seither stetig verbessert. Mit der HDMI-Version 2.1 steht nun die nächste Generation der Videoübertragungstechnik vor der Tür. Sie soll vor allem eins bringen: Mehr Leistung.

Konkret: Die Datenmenge, die über die Kabel übertragen werden kann, wurde drastisch erhöht. Während bisher maximal 18 Gigabit pro Sekunde möglich sind, kann man per HDMI 2.1 bis zu 48 Gigabit pro Sekunde übertragen. So abstrakt diese Zahlen sein mögen: Für manche Anwendungen ist so viel Leistung unverzichtbar.

Sie wird beispielsweise benötigt, um Filme in 4K-Auflösung mit 120 Bildern pro Sekunde zu übertragen. Das wird vor allem bei Spielkonsolen der nächsten Generation interessant. Microsoft und Sony werden in der Xbox Scarlettund der Playstation 5ziemlich sicher HDMI-2.1-Ports verbauen. Beide Hersteller versprechen solche hohen Bildraten und sogar Spiele in 8K-Auflösung. Wer diese Möglichkeiten ausnutzen will, braucht außer einem entsprechenden Fernseher auch neue Kabel. Die sind mit dem Label "Ultra High Speed HDMI Kabel" gekennzeichnet und derzeit noch recht teuer.

HDMI-2.1-Funktionen in HDMI-2.0-Geräten

Neben der gesteigerten Übertragungsleistung bietet HDMI 2.1 noch etliche weitere neue Funktionen mit Bezeichnungen wie Quick Frame Transport (QFT) und Variable Refresh Rate (VRR). Letztere sollen Tastendrücke vom Gamepad schneller als bisher an den Fernseher übertragen und Bildruckeln verringern.

Auch beim Ton ändert sich einiges. Aufgrund der hohen Bandbreite können Tonspuren in höherer Qualität übertragen werden und über den Enhanced Audio Return Channel (eArc) können Fernseher Daten mit der Soundanlage austauschen.

Fotostrecke

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Neuer Anschlussstandard: Was bringt HDMI 2.1

Einige dieser HDMI-2.1-Funktionen haben manche TV-Hersteller jetzt schon in Geräte eingebaut, auch wenn Anschlüsse auf der Rückseite nur für HDMI 2.0 lizensiert sind (siehe Fotostrecke). Wenn man beispielsweise keinen 8K-TV hat, der die höhere Bandbreite braucht, funktionieren diese Features auch mit den bisherigen Kabeln, Buchsen und Steckern.

Sicher ist mit der neuen Version, dass HDMI als Standardvideoanschluss gesetzt bleibt. Die einzige Alternative wäre der Display-Port, der mit einer Datenrate von 80 Gigabit pro Sekunde fast doppelt so schnell ist wie HDMI 2.1. Doch der Anschluss beschränkt sich auf Computer - und ist an Konsolen und Fernsehern kaum zu finden.

Ist die Zeit reif für 8K?

Für Filme in 8K-Auflösung, die viermal so hoch ist wie 4K, führt kein Weg an HDMI 2.1 vorbei. Die ersten TV-Geräte mit dieser hohen Auflösung sind in den vergangenen Monaten erschienen. Derzeitige HDMI-Buchsen sind schlicht zu langsam für die Datenmengen, die solche Geräte brauchen. Samsung und Sony haben in ihre Highend-TVs mit 8K deshalb HDMI 2.1 eingebaut. Bei den günstigeren Modellen findet man den neuen Videoanschluss nur bei LG.

Das Problem: Es gibt noch keine kommerziellen Zuspielgeräte mit HDMI 2.1. Außerdem gibt es kaum 8K-Inhalte. YouTube zeigt zwar bereits einige Clips in dieser Auflösung. Doch Streaminganbieter wie Amazon Prime, Apple und Netflix setzen bisher maximal auf 4K. Ganz zu schweigen von privaten und öffentlich-rechtlichen TV-Sendern, die ihr Programm in der Regel nur in HD ausstrahlen.

Zudem macht der Breitbandausbau der 8K-Technologie einen Strich durch die Rechnung. Für 4K-Videos empfehlen die meisten Streamingdienste eine Leitung mit 25 Megabit pro Sekunde (Mbps). Grob gerechnet müsste die Leitung für 8K dann rund 100 Mbps liefern. Davon ist man aber in Deutschland in vielen Haushalten noch weit entfernt. Vor allem auf dem Land haben laut Breitbandatlas (PDF) gerade einmal zwei Drittel eine Leitung mit mindestens 50 Mbps. Der Rest surft langsamer durchs Netz.

Wer braucht das?

So bleibt die Erkenntnis: HDMI 2.1 ist seiner Zeit voraus - und deshalb braucht es derzeit so gut wie niemand. Klar, die neuen High-End-TVs mit 8K-Auflösung haben die neue Schnittstelle schon. Aber das eben auch nur, weil man sie irgendwann wird brauchen können, für eine der kommenden Spielkonsolen beispielsweise. Oder für ein anderes Zuspielgerät, das Filme in 8K auf den TV bringt. ´

Aber so etwas gibt es bisher noch nicht. Statt an neue 8K-Blu-rays zu denken bemüht sich die Blu-ray Disc Association gerade noch, 4K-Blu-rays zu etablieren, die bisher noch sehr teuer und entsprechend wenig beliebt sind.

Mitarbeit: Matthias Kremp



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
112211 14.07.2019
1. Abwarten können
Abwarten zu können - das ist wieder mal besser. Dann sinken die Preise und der Spaß wird bezahlbar. Oder aber gleich die 2.1 Kabel überspringen und auf 3.0 warten. War schon oft der richtige Weg.
bloub 14.07.2019
2. Für Konsolen ist das gar nicht mal so interessant
Die Leistung wird auch bei der neuen Generation für 120 FPS bei 4k in Spielen nicht reichen.
lockederboss31 14.07.2019
3. das beispiel...
mit den konsolen hätte man sich sparen können. die ps3 hat mit spielen in full hd geworben. die wenigsten spiele waren in full hd. die ps4 wollte 4k, dann ps4 pro mit wirklich 4k und.... lächerlich. ps5 mit 4k und 120fps? wenn wieder so billo komponenten verbaut werden?
sikasuu 14.07.2019
4. Wer bacht das? Hhmmm.... woh alle die Mitmenschen die in der Lage sind
.... => 50 Bilder p. Sek noch den Bildwechel zu sehen, bzw. die von 10-30.000 Hz linear tonrein hören können. . Ist vor allen Dingen dann von Vorteil, bei Lüftergeräuschen so um => 30-50 dBA & bei Beleuchtung mit Leuchtstoffröhren die mit 50 Hz betrieben werden. . Da sind dann die alten Tricks, Bildfrequenz ungleich Netz, bzw. Nutztonsignal 2-3fach über Umgebungsgeräusch nicht mehr nötig:-) Wenn man dann noch nen ordentlichen ANC-Kopfhörer, Sprechgenitur hat, so in der 1.000€ klasse... . Ein nicht zu toppendes Hörgefühl! . Das die Kabel so teuer sind, kann man verstehen. Schon Audiokabel, vergoldet usw. kostete ein Vielfaches der "ordinären" Kupferstrippen (der Klang wurde dadurch ja auch Potenzen besser) & wenn gar "digitale Bild-Informationen" so "schnell" über ein 1-2 m Kabel gehen sollen, muss das wohl teuer sein! . Ps. Mir ist schon lange unverständlich wie es möglich ist "MBit-Netze, E-SAta-Anschlüsse... usw" für so geringes Geld so schnell zu bauen? Doch da sind die Komponenten ja schlicht aus Plastik, Silizium & Kupfer:-)
schera 14.07.2019
5. wieder mal...
Eine Entwicklung die kein Mensch braucht aber durch entsprechender Werbung dem Kunden unnötig Geld aus der Tasche gezogen wird. Wir brauchen keine Leistungssteigerung mehr! Was soll ich mit 100 fps wenn das menschliche Auge solche bildfolgen eh nicht erfassen kann?
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