Internet auf Zugfahrten Liebe Leserin, lieber Leser,

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geht es um den Internetzugang in den ICEs der Deutschen Bahn, kennt Bahn-Fernverkehr-Marketingvorstand Michael Peterson das Österreich-Paradoxon: Sobald der Zug auf der Strecke von Frankfurt nach Wien die Grenze zu Österreich passiert hat, schnellt bei Kundenumfragen die Zufriedenheit mit dem WLAN massiv in die Höhe.

Die einfache Erklärung: Das WLAN funktioniert im Nachbarland fast ohne Unterbrechungen. Was man in Deutschland so nicht sagen kann - die Bahn ist allerdings unschuldig. Rund hundert Millionen Euro investierte der Konzern, um 250 ICEs mit Drahtlosnetzwerken auszustatten. Die laufenden Kosten für den Betrieb liegen bei rund 15 Millionen Euro jährlich. Und trotzdem hakt das System, ist oft W-lahm.

Der Grund liegt nicht in der Hardware, sondern bei der fehlenden Netzabdeckung entlang der Strecken. Zwar werden die Mobilfunksignale verschiedener Anbieter gebündelt und im Zug zur Verfügung gestellt, doch kann das nur funktionieren, wenn es überhaupt Signal gibt, die man bündeln könnte. Und das ist beileibe nicht immer der Fall.

WLAN-Symbol auf einem ICE

WLAN-Symbol auf einem ICE

Foto: Soeren Stache/ dpa

Wer auf bestimmten Strecken unterwegs ist, bekommt deshalb den Eindruck, dass das WLAN-Angebot nutzlos ist. Der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, spricht von einer teils "saumäßigen Netzabdeckung".

Ein Problemfall ist etwa die Vorzeigestrecke Berlin-Hamburg , die schon bald jede halbe Stunde befahren werden soll. In der Ödnis von Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, die der Zug dabei durchfährt, gibt es massive Netzlücken.

Auch zwischen Kassel und Hannover sowie Mannheim und Stuttgart klemmt es. Ein Grund sind die vielen Tunnel. Die sind zwar mit Mobilfunknetz versorgt, die Übergabe von einer Funkzelle in die nächste klappt aber oft nicht.

Bahn-Manager Peterson hofft auf den zukünftigen Mobilfunkstandard 5G. Hier sollen nach SPIEGEL-Informationen die Auktionsgewinner dazu verpflichtet werden, Bahnstrecken mit mehr als 2000 Fahrgästen pro Tag mit derselben hohen Datenrate zu versorgen wie Autobahnen.

Fernverkehrs-Marketingchef Peterson sagt, dass ein funktionierender Internetzugang mittlerweile zu "den Topthemen für Bahnkunden" gehöre. Für Pro-Bahn-Vorstand Naumann ist der Netzzugang so unverzichtbar "wie vor hundert Jahren die Spucknäpfe in den Zügen und die Raucherabteile".

Dennoch zögert die Bahn etwa beim Ausbau eines Internetzugangs für die Intercity-Flotte. Peterson erklärt, dass das schwieriger sei als beim ICE, weil IC-Züge immer unterschiedlich aufgebaut sein könnten und so jeder Reisezugwagen eine eigenständige Zugangstechnik bräuchte. Woran man vorerst auch nicht rütteln könne, ist die Begrenzung des Datenvolumens in der zweiten Klasse auf 200 Megabyte (MB). Das habe definitiv keine Kostengründe, sondern sei eine Frage der Gerechtigkeit.

Zwei Prozent der Kunden würden einen Großteil des Datenstroms abgreifen, wenn sie unbegrenzt surfen dürften. 85 Prozent der Passagiere kämen gut mit der Menge aus und würden nicht mehr als die 200 MB verbrauchen. Im Schnitt sitzen pro ICE etwa 15 Prozent der Gäste in der ersten Klasse, dort darf unbegrenzt gesurft werden - sofern die Netzanbindung klappt.


Seltsame Digitalwelt: Kein Lagerbestand im Onlinehandel

Foto: LINDSEY WASSON/ REUTERS

Nicht selten sind die großen Onlinehändler wie Otto oder Amazon nicht gerade günstig. Das zeigt ein schneller Vergleich im Netz. Doch je häufiger ich bei anderen, oft kleinen Händlern bestelle, desto mehr muss ich feststellen: Mancher Händler bestellt die Ware offenbar selbst erst dann, wenn eine Bestellung eingeht.

Anders kann ich mir Wartezeiten von teils mehreren Wochen nicht vorstellen, wie beispielsweise bei einem Fachhändler für Kaffeemaschinenzubehör. Klar, Lagerhaltung ist teuer, und doch finde ich, ein Händler müsste auf den Umstand hinweisen, dass eine Lieferung lange dauern kann.

So wie der niederländische Onlinehändler, der simple Zahnbürstenaufsätze auch nach zwei Wochen noch immer nicht geliefert hatte. Auf meine Nachfrage, wann ich die bestellte Ware denn bekäme, hieß es nur, das könne noch bis zu zwei weitere Wochen dauern. Ich stornierte die Bestellung. Auf die "zeitnahe Rückerstattung" der Kaufsumme warte ich bis heute.


App der Woche: PlayJ
getestet von Tobias Kirchner

Foto: Sony Mobile Communications  

PlayJ von Sony ermöglicht es, mit Freunden die Inhalte vom eigenen Smartphone-Bildschirm zu teilen und zu streamen. Wie der Name vermuten lässt, funktioniert das vor allem bei Spielen. Während auf dem eigenen Telefon ein Spiel läuft, kann ein Freund via Videochat eingeladen werden, um das Geschehen als Videostream zu verfolgen - vorausgesetzt, er oder sie hat PlayJ ebenfalls auf dem Smartphone installiert.

Außerdem ist es möglich, gemeinsam Videos zu schauen oder andere Inhalte zu teilen, während man verbunden ist. PlayJ ist dabei übersichtlich und hat im Test sehr gut funktioniert. Allerdings befindet sich die Anwendung noch in einer Testphase, Probleme auf bestimmten Geräten sind also nicht ausgeschlossen.

Gratis von Sony Mobile Communications, ohne In-App-Käufe: Android .


Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "Ich, Eisner!"  (Messenger-Erzählprojekt)
    Hier wird die Revolutionsgeschichte in Bayern von 1918 gezeigt - in Echtzeit. Genauer gesagt erzählt sie Kurt Eisner, der erste Ministerpräsident des Freistaats Bayern, in WhatsApp oder Telegram. Das Projekt des Bayerischen Rundfunks läuft noch bis Ende Februar 2019.
  • "Social Media and Advancement of Women Physicians"  (Englisch, fünf Leseminuten)
    Mediziner öffnen sich zunehmend Social-Media-Kanälen. In den USA nutzen 40 Prozent der praktizierenden Ärzte soziale Netzwerke. Das kann durchaus sinnvoll sein.
  • "In Zukunft werden die Autos den Führerschein machen müssen"  (fünf Leseminuten)
    KI-Pionier Sepp Hochreiter fordert eine Führerscheinprüfung für künstliche Intelligenzen.

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche,

Ihr Martin U. Müller