»Dieser Brief hat uns das Herz gebrochen« Autistischer Junge regt Neuauflage eines iPhone-Spiels an

Auf neuen iPhones funktionierte das populäre alte Spiel »Joe Danger« nicht mehr – zum Leidwesen der Fans. Der achtjährige Jack brachte die Entwickler jetzt offenbar zum Umdenken.
Screenshot aus dem iPhone-Spiel »Joe Danger«: Hat der emotionale Brief eines Vaters die Entwickler überzeugt, eine aufpolierte Version zu veröffentlichen?

Screenshot aus dem iPhone-Spiel »Joe Danger«: Hat der emotionale Brief eines Vaters die Entwickler überzeugt, eine aufpolierte Version zu veröffentlichen?

Foto: Hello Games

Furchtlos prescht »Joe Danger« mit seinem Motorrad durch Heuballen, weicht Sägeblättern aus und taucht in Haifischbecken. Doch auf dem iPhone war vor zwei Jahren Schluss mit den Stuntshows des Actionhelden. Seit der Einführung von iOS 11 war es in seiner Comicwüste ruhig geworden. Die neun Jahre alte App funktionierte mit neueren iPhone-Betriebssystemen nicht mehr.

Der emotionale Brief eines Vaters soll die britischen Entwickler von Hello Games nun umgestimmt und zu einem Update bewegt haben. »Dieser Brief hat uns das Herz gebrochen und dazu gebracht, ein paar Dinge in Ordnung zu bringen«, schreibt Hello-Games-Gründer Sean Murray auf Twitter .

Den Brief veröffentlichte Murray als Screenshot. Er stammt demnach vom Vater eines achtjährigen autistischen Jungen. »Wie ihr vielleicht wisst, müssen sich autistische Kinder mit vielen Problemen herumschlagen«, schreibt der Vater. Es könne für seinen Sohn Jack sehr anstrengend sein, durch einen Raum voller Menschen zu gehen, in einem lauten Restaurant oder im Unterricht zu sitzen. »›Joe Danger‹ hilft ihm dabei, es zu schaffen«, heißt es in dem Brief.

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»Joe Danger«: So sieht die aufpolierte Stuntshow aus

Foto: Hello Games

Mit »Joe Danger« durch schwierige Situationen

Als Elternteil falle es ihm schwer, das Gefühl in Worte zu fassen, das er habe, wenn er »die pure Freude in Jacks Gesicht« sehe, »die ›Joe Danger‹ ihm bereitet«, schreibt der Vater. Das Spiel sei eines der Dinge, die Jack und ihn verbänden. Er bedankt sich bei dem Spielestudio für »die unzähligen Stunden an Unterhaltung und Freude, die ihr meinem Sohn und mir ermöglicht habt«. Das habe ihn und Jack all die Schwierigkeiten, Therapiemaßnahmen und Arztbesuche zumindest ein wenig vergessen und seinen Sohn »einfach ein Kind sein lassen«.

Ein paar Runden »Joe Danger« auf dem iPhone seien die Belohnung für Jack gewesen, wenn er schwierige Situationen gemeistert habe. Als das Spiel nach einem iOS-Update nicht mehr funktionierte, fiel dieser Ansporn weg. Da Veränderungen für Kinder mit Autismus schwierig seien, habe der Wechsel auf eine andere Version nicht funktioniert, schreibt der Vater. »Der App Store« habe ihm vorgeschlagen, sich an die Entwickler zu wenden, und Jack habe ihn gebeten, das für ihn zu tun. Also habe er den Brief geschrieben.

Er wisse nicht, wie viel Zeit und Aufwand es bedeuten würde, »Joe Danger« auf neuen iOS-Versionen zum Laufen zu bringen, aber »es würde mindestens einem kleinen Jungen alles bedeuten«. Und wenn das die Herzen der Entwickler nicht bewegen könne, sollten sie doch an die viele positive Presse denken, die sie damit erreichen würden. »Dass ihr Kindern mit Behinderung helft, war euch vielleicht nicht klar, als ihr ›Joe Danger‹ vor all den Jahren entwickelt habt. Aber ihr macht das, und dafür bin ich dankbar.«

Die ersten Stuntshows im Schuppen programmiert

Am Mittwoch ist ein Update für die neun Jahre alte App erschienen, die nun auch auf aktuellen iPhones mit iOS 15 läuft. Die Grafik ist aufpoliert, die Kanten geglättet, und auch die ProMotion-Technik der neuen iPhones, mit 120 Bildern pro Sekunde, wird unterstützt. »Joe Danger« kostet zwei Euro. Wer das Spiel seinerzeit schon auf ein iPhone geladen hatte, kann das Update kostenlos herunterladen.

Sean Murray schreibt auf Twitter, dass es ihre heimliche Schmach gewesen sei, mit dem Erfolg von »No Man's Sky« ihr erstes Spiel »Joe Danger« ungeliebt zurückgelassen zu haben. »Als Spieleentwickler ist es so leicht zu unterschätzen, welche Wirkung selbst die kleinsten Spiele haben können.«

Im Jahr 2010 war Hello Games mit »Joe Danger« für die Playstation 3 der Durchbruch gelungen. Die Stuntshows in knuffiger Comicgrafik überzeugten Kritiker trotz des hohen Schwierigkeitsgrads. Den Titel hatten die damals vier Entwickler in einem Schuppen programmiert. Drei Jahre später erschien die iPhone-Version. Diesen Titel wieder zum Leben zu erwecken, sei ein Hobbyprojekt gewesen, schreibt Murray. Es sei traurig, dass Spiele langsam verrotteten und viele ganz verschwänden. »Hoffentlich verschafft das hier Joe das glückliche Leben, das er verdient hat.«

Ob der Brief der alleinige Auslöser war, das Spiel für iPhones zu aktualisieren, ist unklar. Auf eine Anfrage, ob das Spiel auch ohne Brief angepasst worden wäre, hat Hello Games bisher nicht geantwortet.

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