Italienischer Senat Gaming-Porno störte Videocall mit Nobelpreisträger

Ein Onlineevent der italienischen Fünf-Sterne-Bewegung lief kurzzeitig anders als geplant: Plötzlich war eine Figur aus einer bekannten Rollenspielreihe zu sehen – beim Sex. Die Postpolizei ermittelt.
Werbebild zu einem Remake von »Final Fantasy 7«: Rechts ist Tifa Lockhart zu sehen

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Foto: Square Enix

Während der Liveübertragung einer Veranstaltung der italienischen Fünf-Sterne-Bewegung wurde am Dienstag unerwartet eine animierte Sexszene gezeigt. Die unter anderem auf Facebook gestreamte Veranstaltung drehte sich eigentlich um die Datentransparenz bei politischen Prozessen. Gastgeberin war die Senatorin Maria Laura Mantovani, die sich im Palazzo Giustiniani in Rom aufhielt. Weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden per Zoom zugeschaltet. Darunter der Physiknobelpreisträger Giorgio Parisi.

Doch kurz bevor Parisi zu Wort kam, spielte ein Teilnehmer des Videocalls einen computergenerierten Pornofilm ab und teilte dabei seinen Bildschirm. Zu sehen war in dem Video Tifa Lockhart, eine digitale Figur aus dem Rollenspiel »Final Fantasy VII«. Mit dem bekannten Spiel selbst hatte der Clip jenseits der zu sehenden Figur aber nichts zu tun, es handelte sich um eine Produktion Dritter.

Je nach Übertragungsplattform lief der Clip 20 bis 35 Sekunden samt Ton als Großbild ab. Es dauerte einen Moment, bis die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Calls begriffen, was da gerade passierte, und versucht wurde, den Störenfried loszuwerden.

Auf Twitter sind Ausschnitte der Übertragung ein Hit

Der Facebook-Übertragung folgten zu diesem Moment rund 150 Zuschauerinnen und Zuschauer. Auf Twitter wurden Ausschnitte der Veranstaltung, die den Vorfall dokumentieren, indes bereits mehrere Hunderttausende Mal abgespielt. Wir haben sie aus Jugendschutzgründen nicht verlinkt. Aus dem offiziellen Facebook-Video zum Event  ist die Passage mittlerweile offenbar herausgeschnitten worden.

Wer genau für den Vorfall verantwortlich war, ist noch unklar. Bekannt ist lediglich das Zoom-Pseudonym des Call-Teilnehmers, der seinen Bildschirm teilte. In der Vergangenheit, vor allem seit Beginn der Coronapandemie, gab es schon zahlreiche sogenannte Zoom-Bombings, bei denen Unbekannte an öffentlich zugänglichen Videocalls teilnahmen und dort als Scherz oder Störung pornografische Clips abspielten.

Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtet , hat die Senatorin Maria Laura Mantovani den Vorfall der zuständigen Postpolizei (Polizia Postale e delle Comunicazioni) gemeldet. Die Onlineveranstaltung war nach dem Vorfall normal fortgeführt worden, sie dauerte mehr als drei Stunden.

mbö