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Kinderrollenspiele: Verkaterte Orks, bewaffnete Mäuse

Fantasy für alle Diese Rollenspiele bringen Familien zusammen

Immer nur Halma und Monopoly? Für Eltern, die gern mit ihren Kindern spielen, gibt es jetzt Abwechslung am Spieltisch: Liebevoll gemachte Rollenspiele, die sich auch für Kinder eignen - mit verkaterten Orks und Weltraumhaien.

Satanistische Rituale, Mörderkulte, gefährlicher Eskapismus - die Klischees, denen klassische Pen&Paper-Rollenspiele wie "Dungeons and Dragons" oder "Das Schwarze Auge" in den Achtzigerjahren ausgesetzt waren, sind heute längst überwunden. Das Hobby, bei dem ein Spielleiter fantastische Situationen vorgibt und die Spieler die Aktionen ihrer Helden beschreiben und den Erfolg auswürfeln, gilt als harmlose Nerd-Beschäftigung.

Nur sind die Nerds, die als Teenager ihre Zwerge und Elfen in dunkle Verliese geschickt haben, heute längst erwachsen. Sie haben Einkommen und Familie und verhelfen jetzt dem klassischen Pen&Paper-Rollenspiel zu einem neuen Popularitätsschub. Die lang erwartete neue Ausgabe des Klassikers "Dungeons & Dragons"  ist vor Kurzem erschienen, bekannte Designer der Szene wie Monte Cook finanzieren über Crowdfunding neue Projekte . Daran, wie man aber nicht nur alten Fans, sondern jungen Spielern das Genre näherbringen kann, arbeiten die beiden finnischen Game-Designer Mike Pohjola und Miska Fredman.

"Es gab vorher kaum Rollenspiele für Kinder und Familien", sagt Miska Fredman, Designer des Kinder-Rollenspiels "Astraterra" . "Ich wollte ein Spiel entwickeln, an dem Kinder Spaß haben, das Rollenspiel erlernen und den Mut entwickeln, ihre Kreativität zu benutzen." Eine Selbstverständlichkeit ist Fredmans Mission nicht. Zwar galten Pen&Paper-Rollenspiele nicht als ein erwachsenes Hobby, für Kinder waren sie aber nie gedacht. Weil frühe Rollenspiele vor allem auf taktischen Kriegssimulationen mit Miniaturen basierten, waren die Regelwerke erstaunlich komplex.

12.000 Dollar von der Fangemeinde

Ob der Zwerg den Ork im Kettenpanzer trifft oder der Hacker im Cyberpunk-Rollenspiel "Shadowrun" das Hochsicherheitssystem eines kriminellen Großkonzerns überwindet, musste mit endlosem Blättern durch Tabellen in dicken Regelbüchern bestimmt werden. Auch die Indie-Rollenspiele der Neunziger und frühen Nullerjahre konnten an der Zugänglichkeit des Hobbys nicht viel ändern. Sie vereinfachten die Regeln, ersetzten aber die eher leichtherzigen Fantasy-Abenteuer durch düstere, komplexe und erwachsene Dramen. Das hat die Rollenspiele in eine Nische geführt. Die Spieler und Käufer nahmen ab, von den mageren Verkäufen können nur wenige Designer leben.

Dass es auch anders geht, zeigt der überraschende Erfolg von Kinderrollenspielen in Finnland. Mike Pohjola nahm fast 12.000 Euro über die Crowdfunding-Plattform IndieGoGo ein, um sein Rollenspiel "Age of the Tempest" (im Original "Myrskin Sankarit" ) zu veröffentlichen - eine für ein nicht-englischsprachiges Pen&Paper-Rollenspiel beachtliche Summe. Eine weitere Crowdfunding-Kampagne, um das Spiel weltweit auf Englisch zu veröffentlichen, ist vor Kurzem erfolgreich beendet worden.

Auch Miska Fredman sicherte sich mit Crowdfunding-Geld die Veröffentlichung von "Astraterra". Durch einfache, clevere Regeln, fantasievolle Szenarien und wunderschöne Illustrationen begeistern Fredman und Pohjolas Spiele Nerd-Eltern und ihre Kinder. In Finnland stoßen die Spiele auf großes Interesse und werden in Buchläden und Supermärkten verkauft. "Als ich in den Neunzigern mit den Rollenspielen angefangen habe", erzählt Fredman, "war das noch eine große Sache. Seitdem wurde der Markt immer kleiner und kleiner. Und jetzt, jetzt kommen die Rollenspiele langsam wieder zurück."

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