Kleiner Irrtum In "Schwul" kann man doch nicht wohnen

Peinliche Panne im Hause Microsoft: Das Software-Haus gab einem Kunden seines Online-Spieledienstes Hausverbot, weil der wohnt, wo er nun einmal wohnt - in Fort Gay. Die Tugendwächter bei Microsoft witterten einen diskriminierenden Witz gegen Homosexuelle.


Morgantown/USA - Der Software-Konzern Microsoft hat einem Spieler seines Xbox-Online-Dienstes wegen dessen Heimatort Fort Gay für mehrere Tage den Zugang verweigert. Der Ort liegt in West Virginia, irgendwo im Nirgendwo zwischen Charleston und Cincinnati. Aber als der 26-jährige Josh Moore versuchte, Microsoft das mitzuteilen, wollte man ihm dort nicht glauben: Den Ort (2,2 Quadratkilometer klein, circa 800 Einwohner) gebe es nicht.

Stattdessen wurde sein Zugang gesperrt, bis Moore schließlich doch die Mitarbeiter überzeugen konnte, dass der Ort in seinem Profil "Fort Gay WV" kein Witz und auch keine Beleidigung Homosexueller darstellt.

Denn obwohl das kleine Wörtchen "Gay" eigentlich einmal "fröhlich" bedeutete, wird es heute fast nur noch in einer Bedeutung gebraucht und verstanden, die erst seit ein paar Jahrzehnten üblich ist - die heute gängige Übersetzung ist "schwul". In Fort Gay aber - man könnte das vielleicht mit "Schwulburg" übersetzen - kann man doch nicht wohnen, befanden Microsofts Wächter über Tugend und Anstand.

"Ich war wütend", sagte Moore. "Ich hatte das Gefühl, dass sie Schwule hassen."

Er sei nicht homosexuell, fühle sich aber trotzdem diskriminiert. Klar, denn das kleine Missverständnis um Fort Gay wird wohl kaum selten vorkommen. Wer dort aufwächst, wird wohl als gebranntes Kind gelten dürfen: Spott macht dünnhäutig - die Bewohner von Hodenhagen, Sexau, Fickdorf, Petting oder Tuntenhausen werden es nachfühlen können.

Sogar Bürgermeister David Thompson schaltete sich ein, erreichte allerdings wenig. Microsoft habe ihm mitgeteilt, dass der Name seiner Gemeinde keine Rolle spiele, sagte Thompson dem Sender WSAZ. Das Wort "gay" sei in jedem Zusammenhang unangemessen. Der zuständige Microsoft-Direktor Stephen Toulouse sagte, es handele sich um ein Missverständnis und kündigte eine Entschuldigung an. Anders wird Microsoft die Bewohner von Fort Gay wohl kaum wieder fröhlich stimmen können.

pat/dapd

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