Spielemesse Gamescom Giganten ohne Vision

Bei der Spielemesse Gamescom präsentieren die Giganten der Branche ihre Neuheiten. Dabei offenbart sich erschreckende Einfallslosigkeit.

Microsoft

Ein Kommentar von


"Sie werden einige der lebensfeindlichsten Orte in der Geschichte des Gaming kennenlernen." Der Satz stammt aus einer Produktpräsentation im Vorfeld der Videospielemesse Gamescom, die am heutigen Mittwoch in Köln für Fachbesucher ihre Pforten öffnet. Noch einer, kurz und knapp: "Genießen Sie Ihre Apokalypse."

Die traditionelle Videospielebranche erlebt gerade ihre eigene kleine Apokalypse. Zahlen des Branchenverbands Entertainment Software Association (PDF-Link) zufolge ist die Zahl der verkauften Spiele für PC und Konsole in den USA von 2010 bis Ende 2013 von 290 Millionen auf 160 Millionen geschrumpft. Die Umsätze gingen im gleichen Zeitraum von zehn auf gut sechs Milliarden Dollar zurück. Noch ein Zitat aus einer Gamescom-Pressekonferenz: "Geschichten über den Kampf ums Überleben, voller Schrecken, Verzweiflung und Tragödien, geschaffen nicht von Entwicklern, sondern von den Spielern selbst."

Die Spielebranche hat in den vergangenen Jahren gleich zwei Tragödien erlebt: die mobile und die Online-Revolution. Während die Umsätze in den klassischen Geschäftsfeldern - Spiele auf Datenträgern für Konsolen und PC - schwinden, wachsen sie in anderen Bereichen: Onlinespiele, Apps für Smartphones und Tablets, allesamt vergleichsweise preiswert oder gleich ganz werbefinanziert. Die erste rein digitale Unterhaltungsbranche erlebt nach etwa vierzig Jahren den ersten digitalen Umbruch.

Die großen Hersteller besinnen sich reflexhaft auf ihre Kernzielgruppe - und das sind bis heute männliche Jugendliche und junge Männer. Das gebiert Game-Gleichförmigkeit. Fast immer ist es dunkel, mal leuchten die Flammen/Laser/Energiestrahlen blau, mal grün, mal haben die Monster Tentakel, mal Hörner, oft beides. Es wird geschossen, geschlagen, explodiert. Die einzige andere Konstante der Branche sind immer detailreichere Autorenn- und Sportspiele. Das gilt, das muss man fairerweise sagen, für Sony weniger als etwa für Microsoft - der Playstation-Konzern hat in diesem Jahr erheblich originellere Exklusivtitel im Angebot als die Konkurrenz.

Die Nemesis der Branchengiganten aber sind die "Angry Birds" und "Flappy Birds" dieser Welt. Auf Handys und Tablets oder als Downloadspiel lassen sich heute von kleinen Teams verrückte Ideen mit vergleichsweise geringem Risiko umsetzen. Manche der vielen Tausend finden ein Publikum, manche werden zu Welthits.

Viele dieser Indie-Entwicklungen sind kleine Kunstwerke, so wie "Device 6" oder "Ridiculous Fishing", wie "Monument Valley", "Blek" oder "Papers, please!". Das immerhin haben die Giganten verstanden: Sowohl Microsoft als auch Sony investieren viel Geld, um unabhängige kleine Entwickler an sich zu binden, präsentieren vorübergehende Exklusivdeals mit Punkrock-Studios wie Trophäen. Sie kaufen Kreativität, Mut und Coolness. Das ist gut für die Entwicklerszene und gut für die Spieler. Nur das wird die Branche lebendig halten.

Noch ein Zitat aus einer Produktpräsentation, als abschreckendes Beispiel: "Das Spiel spielt sich immer noch genauso, wie Sie es von vor 10 Jahren gewohnt sind."



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thrasher96 13.08.2014
1. Mal wieder übertrieben...
In diesem Artikel werden mal wieder Zitate aus dem Kontext gerissen . " Das Spiel spielt sich immer noch wie vor 10 Jahren " dieses Zitat ist auf keinster Weise erschreckend, das genannte Zitat stammt aus der Produktvorstellung von der Halo masterchief Edition wo Halo 1,2,3 und 4 für die Current Gen Konsole Xbox One in 1080p und 60 fps portiert wird. Es würde jegentlich beworben das man beim spielen die gleiche Steuerung und das gleiche feeling wie vor 10 Jahren als man das original Spiel gespielt hat erleben wird. Dies war auch von den Fans ausdrücklich erwünscht! Und ja momentan verliert der Konsolen Markt Marktanteile an die App und mobile gaming Branche , dies wird aber nie zu dramatisch werden da Mobile games im Gegensatz zu einem AAA Game auf der Konsole oder pc ein Witz sind. In der Bahn oder in Bus sind sie zwar ein netter Zeitvertreib aber sie haben halt nicht das Niveau eines Konsolenspiels... da würde man Äpfel und Birnen vergleichen. Außerdem zielen die Konsolen Hersteller auf die Core-Gamer ab für die Handy und Tablett spiele keinen nennenswerte Alternative bilden obwohl die mobile Plattformen für Casual Gamer durchaus ihren reiz haben könnte. Solange die Sony/Microsoft weiterhin Indie Entwickler unterstützen und qualitativ hochwertige AAA spiele für ihre Plattform gewinnen können wird alles so bleiben wie es ist .
sydas 13.08.2014
2. wahnsinn
wieso wird ein ganzes Herr von Jugendlichen diesem Unsinn ausgeliefert - welchen Sinn macht es, wenn Jungs anstatt Hobbies zu pflegen Computerspiele spielen. Als Mann, der Jungs versucht auf den Weg zu bringen, mache ich nahezu bei allen Heranwachsenden die Erfahrungen, dass diese Spiele jedem und allem im Wege herumliegen. Keine Entwicklung, keine sinnvolle Freizeitbeschäftigung mehr möglich. Der Acker wurde von den GIGANTEN der Computerspielindustrie besäht. Es wächst nur noch Unkraut heran.
elhobbo 13.08.2014
3. vollkommen richtig
Die Branche zeigt wirklich absolute Einfallslosigkeit. Seit Jahren werden immer wieder die gleichen Spiele veröffentlicht. Konzeptionell ändert sich praktisch nichts. Lediglich die Grafik hat teilweise beachtliche Sprünge gemacht. Leider wird man durch die zahlreichen Bugs vergrault die, wie z.B. bei Battlefield 4, das Spiel ungeniessbar machen. Dann kann man nur hoffen, dass nach Monaten notwendige Verbesserungen nachgereicht werden. Den vollen Preis muss man trotzdem bezahlen und eine Rückgabe ist nahezu unmöglich. Wenn sich das Firmen in anderen Branchen leisten würden, wären sie nach kürzester Zeit pleite. Das größte Problem ist aber tatsächlich der Mangel an Ideen. Dennoch beweisen Spiele wie Portal, dass es auch anders geht. Ich führe einen Großteil der Probleme auf große Publisher wie EA zurück. Diese gieren nur nach mehr Gewinn der wohl durch den Verkauf des immer gleichen Produkts zumindest einigermassen konstant bleibt. Durch den Zeitdruck auf die Spieleschmieden werden dann auch noch unfertige Ware auf den Markt gebracht. Gäbe es mehr kleine Publisher und Spieleschmieden, hätten wir auch weitaus mehr gute Ideen uns Spiele. Eine Welle von Pleiten würde der Branche langfristig nutzen.
k1ck4ss 13.08.2014
4. manchmal erstaunlich
was heute als artikel im spon durchgeht
qoderrat 13.08.2014
5. Neue Ideen
Zitat von sysopMicrosoft Bei der Spielemesse Gamescom präsentieren die Giganten der Branche ihre Neuheiten. Dabei offenbart sich erschreckende Einfallslosigkeit. http://www.spiegel.de/netzwelt/games/kommentar-zur-gamescom-2014-giganten-ohne-vision-a-985804.html
Kann man so zusammenfassen, die grossen der Branche zeichnen sich nur durch immer mehr Grafik aber immer weniger Spielideen aus. Man kann zu Steam stehen wie man will, ich persönlich stehe besonders dem Quasi-Monopol etwas kritisch gegenüber, aber es bietet den kleinen unabhängigen Entwicklern eine Vertriebsplattform mit grossem Potential. Meine letzten Einkäufe waren durchgängig von Indy-Entwicklern, und dabei sind wirklich tolle neue Konzepte sichtbar. Ein Highlight z.B. wäre Space Engineers, eine Art Lego-Baukasten im Weltraum mit unendlichen kreativen Möglichkeiten.
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