"Lara Croft Go" im Test Hüpfen, klettern und ab und zu ein Handstand

Die Abenteuer von Lara Croft kann man neuerdings auch auf dem Smartphone und Tablet erleben. Doch wirklich Spaß gemacht haben die bisherigen Apps nicht. Was taugt das neue "Lara Croft Go"?
Von Tobias Hanraths
Einsam in der Dunkelheit: Wie in den ersten "Tomb Raider"-Spielen ist Lara Croft während des Abenteuers stets allein unterwegs

Einsam in der Dunkelheit: Wie in den ersten "Tomb Raider"-Spielen ist Lara Croft während des Abenteuers stets allein unterwegs

Foto: Square Enix

Um einen Vorwand für ein Abenteuer zu finden, braucht es manchmal nicht viel: Irgendwo im Dschungel betritt Hobby-Archäologin Lara Croft einen Tempel und sucht darin nach einem Artefakt.

Um was es genau geht? In welchem Land der Dschungel liegt? Und wo die Riesenschlange herkommt, die den Schatz bewacht? Antworten darauf gibt es im "Tomb Raider"-Ableger "Lara Croft Go" für Smartphones und Tablets nicht. Die Entwickler von Square Enix Montreal haben die Abenteuer der britischen Grabräuberin auf das Wesentliche eingedampft - mit überraschend spaßigen Folgen.

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"Go", "Relic Run", "Tomb Raider": Mit diesen Spielen erobert Lara Croft Smartphones und Tablets

Foto: Square Enix

Wie gut diese Reduktion funktionieren kann, hat das kleine Team schon einmal gezeigt: 2014 verpackte "Hitman Go" die Attentate des glatzköpfigen Agenten 47 als Puzzlespiel. Eine ungewöhnliche Entscheidung, die aber sowohl bei Spielern als auch bei Kritikern gut ankam. "Lara Croft Go" folgt einem ähnlichen Prinzip: Wie bei einem Brettspiel bewegen Spieler Lara Zug um Zug, vorbei an Hindernissen und Gefahren, bis das Ende der kurzen Level erreicht ist. Eindrücke vom Spiel liefert unsere Fotostrecke:

Die ungewöhnliche Brettspieloptik des Vorgängers hat Square Enix Montreal leider einem etwas gewöhnlicheren Look geopfert. Dafür gibt es diesmal echte Animationen und nicht nur eine statische Spielfigur: Geschmeidig hüpft und klettert Lara durch die Level und streut gelegentlich sogar einen Handstand ein. Zeit für solche Faxen hat sie genug, denn das Spiel ist rundenbasiert. Gegner und Fallen bewegen sich erst, wenn der Spieler einen Zug gemacht hat.

Die Entwickler lassen kaum ein Klischee aus

Das Spiel beginnt simpel, wird aber spätestens ab dem dritten von fünf Kapiteln knifflig. Denn in der Regel muss Lara jetzt nicht mehr nur einer Falle ausweichen, sondern gleichzeitig auch noch gefräßige Riesenspinnen im Auge behalten und den Schalter finden, der die Tür zum Ausgang öffnet. Bei der Wahl der Hindernisse lassen die Entwickler kaum ein Klischee aus - von Pfeilen aus der Wand über rollende Steinkugeln bis zur dramatischen Flucht aus dem einstürzenden Tempel.

Mit seinen kurzen Levelhäppchen, der simplen Gestensteuerung und Rätseln ohne Zeitdruck wird "Lara Croft Go" immerhin zur idealen Mobilversion des Spieleklassikers, trotz oder wegen des ganz anderen Ablaufs.

Dass es auch schlechter geht, zeigen andere mobile Spiele mit der Grabräuberin in der Hauptrolle: Für 99 Cent gibt es bei Google Play und im App Store zum Beispiel das Original "Tomb Raider I". Die umständliche Touchscreen-Steuerung und die angestaubte Grafik lassen dabei aber kaum Spaß aufkommen.

"Tomb Raider"-Neuauflage: Ein wenig schicker als das Original, aber sehr kantig

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Foto: Square Enix

Das zunächst kostenlose "Lara Croft: Relic Run" spielt sich deutlich besser, entpuppt sich schon nach kurzer Zeit aber als eher simpler Klon von "Temple Run".

Die alte Lara ist zurück

Eins haben aber alle mobilen Versionen der Abenteuer von Lara Croft gemein: Gezeigt wird hier die Originalversion der Videospielheldin, mit kurzen Hosen, zwei Pistolen und ohne jeden Respekt vor Altertum und Natur. Andere Menschen kommen in der Welt dieser Lara nur sehr sporadisch vor.

Das Ganze ist ein deutlicher Kontrast zur modernen Version aus dem 2013 erschienenen "Tomb Raider": Dieser Lara ging es eher ums Überleben als um die Suche nach Schätzen, die Gegner dabei waren meistens Menschen.

Im Nachfolger "Rise of the Tomb Raider", der Anfang November zunächst nur für die Xbox One erscheint, soll es nach Angaben der Entwickler zwar wieder mehr um Klettertouren durch antike Grabstätten gehen. In den Trailern war davon bisher aber nur wenig zu sehen. Stattdessen schleicht oder mordet sich Lara Croft als Guerillakämpferin durch ganze Armeen menschlicher Feinde. Das mag spielerisch unterhaltsam sein, wirkt im Kontrast zum Ursprung des Charakters aber etwas befremdlich.

Vielleicht hat Square Enix daher beschlossen, eine seiner wertvollsten Marken quasi zu teilen: Hier die Neuauflage im modernen Blockbustergewand, dort die kleineren Spiele mit Oldschool-Lara. Zumindest im Fall von "Lara Croft Go" ist diese Zweiteilung geglückt. Einziger Wermutstropfen: Nach rund 40 Leveln und rund vier Stunden ist der Rätselspaß schon wieder vorbei.


"Lara Croft Go", für iOS, Android und Windows Phone, 4,99 Euro, USK: ab 6 Jahren

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