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Fotostrecke: So sah "Leisure Suit Larry" aus

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30 Jahre "Leisure Suit Larry" Als die Pixel schlüpfrig wurden

"Leisure Suit Larry" feiert den 30. Geburtstag. Mit dem Grafik-Adventure brachte Spieldesigner Al Lowe anzügliche Unterhaltung auf den Computer - und er gab Heranwachsenden gute Gründe, Englisch zu lernen.

"Als das Spiel rauskam, glaubte ich, einen furchtbaren Fehler gemacht zu haben." Seit Ende 1986 hatte der amerikanische Spieleprogrammierer Al Lowe an einem Adventure gearbeitet, das endlich mal keine Fantasy-, Science-Fiction- oder Krimi-Story erzählen sollte.

Stattdessen schuf er mit seinem Grafikerkollegen Mark Crowe eine interaktive Komödie, gestrickt um einen einsamen Verlierer: Es war die Geschichte des alternden Muttersöhnchens Larry Laffer, der nach erotischen Abenteuern sucht - oder auch nach der großen Liebe.

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Die echten Verlierer waren aber zunächst die beiden Spielemacher, die wegen der finanziellen Schieflage des Publishers Sierra auf einen Vorschuss verzichtet hatten und nur am Umsatz beteiligt waren. Und der war bemerkenswert dürftig: Statt der 40.000 Stück, die ein neues Sierra-Abenteuer üblicherweise im ersten Monat in den USA absetzte, verkaufte sich "Leisure Suit Larry in the Land of the Lounge Lizards" erst einmal nur rund 4000-mal.

"Nur wenig Sex im Spiel"

Das Spiel war Anfang Juni 1987 ohne Werbemaßnahmen in die Regale der Computerläden gestellt worden, sofern es überhaupt dort landete. "Die größte Kette zu dieser Zeit, RadioShack, wurde von einem wiedergeborenen Christen geführt. Und der wollte nichts mit Spielen zu tun haben, in denen Sex ein Inhalt war", erinnert sich Lowe im Interview.

Dabei gab es in den kruden 320x200-Pixel-Szenen von "Leisure Suit Larry" nie nackte Protagonisten zu sehen. Und natürlich wurde auch der Akt, den Larry nach dem Überwinden einiger Rätsel im schäbigen Hinterzimmer einer Kneipe vollzieht, mit einem - sich immerhin rhythmisch bewegenden - Zensurbalken versehen.

"Es steckte nur wenig Sex im Spiel", sagt Al Lowe, "aber es drehte sich eben um erwachsene Themen." Auf die Verwendung vierbuchstabiger Kraftausdrücke habe er jedoch verzichtet. "Ich ging sowieso schon an die Grenze und wollte das nicht in jeder Hinsicht tun."

Quizfragen als Alterscheck

Ordinär war Larrys Abenteuer nämlich zweifellos. Der Schauplatz des Spiels war an Las Vegas angelehnt, der Spieler begegnete dort Prostituierten, Glücksspiel und Alkohol. Da es 1987 in den USA noch keine Altersfreigaben für Computerspiele gab, baute Lowe mit einem Multiple-Choice-Test wenigstens eine kleine Hürde für minderjährige Nutzer ein.

"Sierra-Chef Ken Williams und ich hatten Söhne in einem Alter, in dem sie nur allzu gerne das Spiel gespielt hätten. Sollten sie aber nicht", sagt Lowe. "Für uns war das also von persönlichem Interesse." Wer Larry durchs Nachtleben lenken wollte, musste daher erst einige zufällig ausgewählte Quizfragen aus Politik, Sport und Unterhaltung beantworten, was "sicher jede Menge Kinder vom Spielen abhielt", wie Al Lowe glaubt. "Aber natürlich hatte uns auch der damalige Erfolg von 'Trivial Pursuit' inspiriert."

Lernen mit Larry

Junge deutsche Spieler waren durch das Quiz doppelt gehandicapt, denn die Fragen waren nicht nur aufs US-Publikum gemünzt, sondern wie das gesamte Spiel in englischer Sprache verfasst. Was die Spielezeitschrift "ASM" Ende 1987 zu einer mäßigen Bewertung und der Prognose veranlasste, dass "allein diese Tatsache (...) dem Programm wohl keine großen Chancen auf dem deutschen Markt bescheren" werde.

Wie gut sich das erste "Leisure Suit Larry" in Deutschland verkauft hat, ist nicht bekannt. Viele derer, die Ende der Achtzigerjahre an PC und Mac, Amiga und Atari ST spielten, dürften aber lebhafte Erinnerungen an das schlüpfrige Grafik-Adventure und seinen bemitleidenswert lächerlichen Helden haben.

Und viele werden zurückdenken an die Suche nach Vokabeln, die im Englischunterricht nicht gelehrt wurden. So ist dem einstigen Musiklehrer Al Lowe, der vor seiner Adventure-Karriere Lernspiele programmierte, mit "Leisure Suit Larry" wohl der größte Erfolg im Bereich Edutainment gelungen. "Außerdem lernten die jungen Leute, Verhütungsmittel zu verwenden", merkt Lowe an. Einer von Larrys zahllosen Toden resultierte aus einem Schäferstündchen ohne Kondom.

Vom Frauen- zum Serienheld

Verlierer Larry machte Al Lowe dann doch noch zum Gewinner. Durch Mundpropaganda wuchsen die Stückzahlen Monat für Monat, und dank der Ächtung des Spiels durch RadioShack blieb mehr Geld hängen: Der dominanten Elektronikkette wären wie üblich hohe Rabatte beim Einkauf gewährt worden, bei der Konkurrenz war die Gewinnspanne für Sierra und die "Larry"-Macher höher.

Über die Jahre hinweg wurde "Leisure Suit Larry in the Land of the Lounge Lizards" millionenfach abgesetzt. Doch Al Lowes krude Sexklamotte war nur der Anfang. Bis 1996 ersann der heute 70-Jährige fünf weitere Episoden aus Larrys Loser-Leben, 2012 kam er kurz aus dem Ruhestand, um via Kickstarter ein Remake an den Start zu bringen.

30 Jahre nach seinem Durchbruch hat Lowe aber aufgehört, Spiele zu machen - und sie zu spielen: "Ich mochte immer die lustigen", sagt er. "Aber heute lässt sich nicht mehr viel Humor in Videospielen finden."

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