Lootboxen in Videospielen Apple setzt ein Zeichen gegen Verkaufsmasche

Künftig müssen Entwickler angeben, wie groß die Gewinnchancen bei kostenpflichtigen Überraschungsboxen in iOS-Spielen sind. Damit kommt Apple Behörden zuvor, die solche Maschen strenger regulieren wollen.
Lootboxen bei "Star Wars Battlefront 2" für PC, Playstation 4 und Xbox One

Lootboxen bei "Star Wars Battlefront 2" für PC, Playstation 4 und Xbox One

Foto: Electronic Arts/ Sönke Siemens

Überraschungsboxen in Videospielen haben in diesem Jahr zu kontroversen Diskussionen geführt. Vor allem in Blockbusterspielen tauchen vermehrt sogenannte Lootboxen auf, die Spieler gegen Geld öffnen können - um sich mit beispielsweise Erfahrungspunkten, Rüstungen und Waffen einen Vorteil gegenüber anderen Spielern zu verschaffen.

Mit einer neuen Regel für App-Entwickler will Apple diesen Trend zumindest bei Smartphone-Apps ein wenig eindämmen. Wie unter anderem das Videospieleportal "Polygon " berichtet, hat Apple mittlerweile die Richtlinien für Anwendungen im App Store ergänzt.

Darin heißt es: "Wenn Lootboxen oder ähnliche Mechanismen in einer App angeboten werden, um zufällig generierte virtuelle Gegenstände zu kaufen, dann muss den Kunden vor dem Kauf deutlich gemacht werden, wie hoch die Chance ist, den jeweiligen Gegenstand zu erhalten."

Künftig müssen die Entwickler also klare Gewinnchancen angeben. Bisher haben die Spieler davon oft nichts erfahren. Damit weitet Apple eine Regelung aus, die bisher nur für den App Store in China galt. Dort schreiben die Behörden schon seit längerer Zeit vor, dass die Nutzer darüber informiert werden müssen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, einen gewissen Gegenstand aus den kostenpflichtigen Boxen zu erhalten.

Sind Lootboxen Glücksspiel?

Die Diskussion um die Lootboxen war in den vergangenen Wochen vor allem entbrannt, weil Hersteller vermehrt dazu neigen, neben dem Kaufpreis auch noch für Zusatzinhalte abzukassieren. Davon sind längst nicht nur Multiplayerspiele wie "Star Wars Battlefront 2" betroffen, wo sich die Spieler einen Vorteil im Netz verschaffen können. Auch Einzelspieler-Blockbuster wie "Need for Speed Payback" und "Mittelerde: Schatten des Kriegs" versprechen raschere Erfolge, wenn man dafür zahlt. Das sind alles Spiele, die rund 60 Euro kosten.

Allerdings betreten die Spielestudios damit eine Grauzone. Einige Länder wie die USA und Australien nehmen die Angebote derzeit genauer unter die Lupe . Die Frage: Müssten Videospiele mit Lootboxen ähnlich reguliert werden wie etwa einarmige Banditen?

Auch in Europa werden Spiele wie "Star Wars: Battlefront 2" derzeit genauer untersucht. So wird laut dem Rundfunksender RTBF in Belgien seit einigen Wochen darüber beraten, ob Spiele aufgrund der Lootboxen als Glücksspiel eingestuft werden und damit strengere Auflagen für Spielehersteller gelten müssten. Der belgische Justizminister Koen Geens fordert sogar, dass die Lootboxen europaweit verboten werden .

Problem für junge Nutzer

Electronic Arts hatte auf die massive Kritik der Nutzer reagiert und bei "Battlefront 2" kurz vor dem Release dann doch noch auf Mikrotransaktionen verzichtet. Laut dem Hersteller handelt es sich aber nicht um Glücksspiel, da der Erfolg der Spieler nicht davon abhängig sei, sich Lootboxen zu kaufen.

Trotz Kritik und Zorn der Nutzer werden die Hersteller wohl eher ungern auf die Lootboxen verzichten, schließlich ist das für sie eine lukrative Einnahmequelle. Doch das Angebot richtet sich nicht nur an vermögende Gelegenheitsspieler, die sich für Geld Vorteile verschaffen wollen, um einige Spielstunden zu sparen.

Auch Kinder werden von den Lootboxen angesprochen. Politiker, etwa in Hawaii, sprechen sogar davon , dass Spiele wie "Battlefront 2" so gestaltet sind "wie ein Spielkasino, das Kinder anstiften soll, Geld auszugeben".

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