Mehr Shop als Spiel "Mario Kart" - auf dem Smartphone voller Spaßbremsen

Der Klassiker "Mario Kart" kann jetzt auch auf iOS- und Android-Geräten gespielt werden - und die Rennen machen tatsächlich Freude. Bei den Zusatzkäufen allerdings hat es Nintendo übertrieben.

Nintendo

Von


Über hundert Millionen Mal haben sich die Spiele der "Mario Kart"-Reihe bereits verkauft. Auch der jüngste Teil der Hauptreihe, "Mario Kart 8 Deluxe", zählt auf der Nintendo Switch zu den erfolgreichsten Games. Da verwundert es fast, dass Nintendo erst jetzt einen Ableger für Smartphones herausgebracht hat. Seit Mittwochmorgen lässt sich die App namens "Mario Kart Tour" aufs Handy laden. Aber ist das Mobil-Spiel mehr als ein naheliegender Versuch Nintendos, Fans zur Kasse zu bitten? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist "Mario Kart Tour?"

Es handelt sich um eine Spiele-App für iOS und Android. Die Variante für Apple-Geräte benötigt die iOS-Version 10.0 oder höher. Damit läuft "Mario Kart Tour" ab dem iPhone 6s und dem iPad ab der 5. Generation, dem Air 2 und dem Mini 4. Android-Nutzer benötigen ein Gerät mit Android 4.4 oder höher. "Mario Kart Tour" ist kostenlos herunterladbar, finanziert sich jedoch durch optionale Ingame-Käufe. Und, Achtung: Das Spiel ist zwar für unterwegs gedacht, braucht aber eine ständige Verbindung zum Internet.

Um spielen zu können, benötigen Nutzer außerdem einen Nintendo-Account . Ist ein solcher erstellt oder ein bestehender Account ausgewählt, wird dieser mit dem Spiel verknüpft.

Fotostrecke

8  Bilder
Handyspiel: Das ist "Mario Kart Tour"

Wie wird das Spiel gesteuert?

Gesteuert werden die "Mario Kart"-typischen Rennen per Touchscreen. Dabei gibt es verschiedene Steuerungsarten: Der Spieler kann die einfache Steuerung wählen, dann beschränkt sich der Input auf das Lenken und das Nutzen von Items. Zu empfehlen ist jedoch das manuelle Driften, das der Steuerung der "Mario Kart"-Teile für Konsolen und Handhelds nahekommt.

Hier muss der Spieler den Drift der Spielfigur kontrollieren, indem er den Finger auf dem Screen behält und gegensteuert. Für erfolgreich ausgeführte Drifts werden Boosts ausgelöst, die den Spieler schneller werden lassen. Während des gesamten Spiels muss kein Gas gegeben werden, das eigene Kart beschleunigt von alleine. Wer will, kann auch eine Bewegungssteuerung aktivieren, die jedoch ist recht schwerfällig.

Welche Modi gibt es in "Mario Kart Tour?"

Das Spiel besteht grundlegend aus vielen Cups, in denen der Spieler gegen vom Computer gesteuerte Fahrer antritt. In diesen Cups gilt es jedoch nicht nur, auf den ersten Platz zu kommen, sondern auch möglichst viele Punkte zu machen, etwa durch besonders viele Sprünge oder lange Flüge.

Einen Multiplayer-Modus gibt es zum Start noch nicht, die Gegner steuert der Computer. Direkte Duelle mit Freunden sollen erst durch ein "zukünftiges Versions-Update" möglich werden. Über Ranglisten kann sich der Spieler bis dahin nur indirekt mit anderen Spieler aus aller Welt messen. Diese Duelle um Bestzeiten laufen für jeweils zwei Wochen, dann steht der Gewinner fest. Zusätzlich gibt es eine separate Freundes-Rangliste, zu der Freunde eingeladen werden können. Am Mittwochmorgen jedoch waren beide Ranglisten noch nicht online.

Die einzelnen Cups sind in verschiedenen Schwierigkeitsgraden spielbar: 50 ccm, 100 ccm, 150 ccm und 200 ccm. Letzterer Schwierigkeitsgrad kann allerdings nicht freigespielt werden kann, der Zugang muss mit dem sogenannten Gold-Pass (siehe unten) erkauft werden. So etwas gab es noch in keinem "Mario Kart"-Spiel.

Macht das Spiel Spaß?

Ja, "Mario Kart Tour" macht Spaß - solange man Rennen fährt. Die Steuerung ist, nach kurzer Eingewöhnungszeit, präzise und erinnert stark an die Vorbilder, trotz des fehlenden Gamepad-Sticks. Im Spiel kommen neue Kurse, aber auch viele Strecken aus alten Spielen vor, aus den Teilen für Super Nintendo, Nintendo 64 und Nintendo 3DS etwa - Fans der Reihe werden sich erinnern. Die Grafik ist sehr schön, aufs Ohr gibt es altbekannte, sofort ins Ohr gehende Melodien.

Insgesamt ist "Mario Kart Tour" aber wohl auf das Spielen zwischendurch ausgelegt. Der Spielspaß wird außerdem merklich dadurch ausgebremst, dass bisher nur gegen den Computer gespielt werden kann und dass es mit Blick auf die Zusatzkäufe und die mehreren spielinternen Währungen einige künstliche Beschränkungen gibt.

Ist das Spiel eine Kostenfalle?

"Mario Kart Tour" ist ein klassisches "Free to Play"-Spiel, das kostenlos heruntergeladen und gespielt werden kann. Es bietet jedoch viele Möglichkeiten, Geld auszugeben - wenn man in eine Sammelwut verfällt, sogar sehr viel Geld.

Im Spiel gibt es vier Währungen:

  • Goldmünzen: Diese werden auf den Strecken gesammelt und können im Shop gegen Charaktere oder Boni eingetauscht werden. So kostet der Charakter Knochentrocken 800 Goldmünzen. Nach gut einer Stunde des Spielens hatten wir 200 Goldmünzen. Diese Währung kann nicht mit Echtgeld gekauft werden.
  • Rubine: Wenn man etwa einen Cup erstmalig durchspielt, bekommt man 20 Rubine. Diese können im Shop genutzt werden, um die "Röhre zu zünden". Gegen 5 Rubine hat man die Chance, eine grüne Röhre einen Inhalt ausspucken zu lassen. Es handelt sich also um die klassische Lootbox, wie sie auch in anderen Spielen vorkommt.
    Über die Röhre kommt man an neue Fahrzeuge, Gleiter oder Fahrer. Die Chancen, die wirklich begehrten Figuren zu bekommen, sind jedoch sehr gering: Die Figur Pauline etwa bekommt der Spieler in der "New-York-Röhre 1" anfangs mit einer Chance von 1,0309 Prozent. Rubine können mit Echtgeld gekauft werden. Drei Rubine etwa (die nicht einmal zum Zünden der Röhre reichen) kosten im Shop des Spiels 2,29 Euro. Für 135 Stück werden 74,99 Euro verlangt.
  • Sterne: Nachdem der Spieler einen Cup gewonnen oder einen neuen Rekord aufgestellt hat, bekommt er Sterne. Diese werden benötigt, um neue Cups freizuspielen und Geschenke wie Charaktere oder Rubine zu bekommen.
  • Sternentickets: Sie haben die gleiche Funktion wie die Sterne, können jedoch nur mit Echtgeld gekauft werden. Im "New-York-Set" für satte 21,99 Euro etwa sind 45 Rubine, 5 Sternentickets und Mario als Spielfigur enthalten.

Hinzu kommt noch ein Abo-Angebot namens Gold-Pass für 5,49 Euro im Monat, das Spielern mit speziellen Missionen und dem Zugriff auf die höchste Schwierigkeitsklasse 200 ccm lockt (Zur Einordnung des Preises: Apples Flatrate Apple Arcade, die mit "Sonic Racing" ein ebenbürtiges Rennspiel ohne In-App-Lockangebote sowie den Zugang zu Dutzenden weiteren Spielen bietet, kostet im Monat 4,99 Euro.).

Unterm Strich bietet "Mario Kart Tour" ein so elaboriertes Einkaufssystem, dass man das Spiel mit Shop auch als Shop sehen könnte, an den ein Spiel angegliedert ist. Nintendo lässt hier kaum eine Chance aus, Fans in Versuchung zu bringen, irgendwie in das Spiel zu investieren - sei es in den Gold-Pass oder etwa in Rubine. Die meisten Inhalte können zwar auch ohne Echtgeld freigespielt werden, doch dafür bedarf es im Einzelspielermodus, der nie die Stärke der "Mario Kart"-Spiele war, sehr viel Zeit.

Was sollten Eltern beachten?

Wahrscheinlich ist es keine gute Idee, Kinder unbeaufsichtigt an das Spiel zu lassen. Vor allem dann nicht, wenn der Account mit einer Kreditkarte verbunden ist. "Mario Kart Tour" mag einsteigerfreundlich, optisch kindgerecht und belohnend sein und zunächst viele neue Charaktere, Fahrzeuge und Boni freigeben.

Doch spätestens, wenn es etwa darum geht, eine seltene Spielfigur aus der Lootbox-Röhre zu holen, ist die Geduld wohl schnell aufgebraucht und die Verlockung groß, für Geld direkt an ein Objekt der Begierde zu kommen. Natürlich können Eltern dazu einfach nein sagen - mit Quengelei ist aber zu rechen.

So kann es wohl gerade dann, wenn man mehrere Kinder hat, nervenschonender sein, einfach eine Switch oder eine günstigere Switch Lite mit "Mario Kart 8 Deluxe" zu kaufen. Dieses Spiel mit Multiplayer-Modus und ohne all die Kostenfallen der Mobilversion ist ohnehin das viel bessere "Mario Kart".



insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
draco20007 25.09.2019
1.
So gut viele Nintendo Spiele auch sind, sie übertreiben praktisch immer beim Preis. Das neue (alte) Zelda ist ein Beispiel dafür...60€ für einen solchen Titel sind schlicht zu viel...
Nonvaio01 25.09.2019
2. mit Quengelei ist aber zu rechen
das ist bei Kindern bei allem so wenn man nein sagt..;-) Alles in allem klingt es aber toll, und wenn man viel faehrt bekommt man die sachen auch so zusammen um sich tolle figuren zu kaufen wenn es denn sein muss.
schnarchn 26.09.2019
3.
Vom Spiel gehört, in den PlayStore geschaut. Gesehen, dass das Spiel selbst kostenlos ist und misstrauisch geworden. Details geöffnet: "In App Käufe von 2 - 75 €". PlayStore wieder zugemacht und beschlossen, dass ich dieses Spiel nicht brauche.
chrisma 26.09.2019
4. Geht besser
Ein Rennspiel im Hochformat, wtf ??? Was haben sich die Entwickler dabei gedacht, Menus total überfrachtet, keine Controller - Unterstützung , massig Lootboxen, Idee spitze, Umsetzung katastrophal
ryo_de_paris 26.09.2019
5. Clever!
Bei den Preisen könnte man fast meinen, Nintendo will die Leute abschrecken am Smartphone zu spielen. Es ist auf jeden Fall günstiger sich einfach eine Switch und Mario Kart 8 zu kaufen. Immerhin erhalte ich da den vollen Spielumfang, eine bessere Steuerung, habe keinen online Zwang und kann ohne Zusatzkosten, out of the Box, lokale Multi-player Matches spielen, sowohl unterwegs als auch am TV. So kann man sein Kerngeschäft natürlich auch Schützen und ankurbeln.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.