Aufregung um Spiel mit SPD-Kanzlerkandidat Entwickler entfernen Frauke Petry aus Schulzzug-Game

Martin Schulz ist seit Kurzem ein inoffizielles Videospiel gewidmet. Es ist auf plumpe Art provokant: Mit dem "Schulzzug" kann man politische Gegner umfahren - darunter Frauke Petry. Nun soll diese Funktion entfernt werden.
Screenshot aus "Schulzzug - The Game"

Screenshot aus "Schulzzug - The Game"

Foto: Schulzzug GbR

Eigentlich ist "Schulzzug - The Game" kein Spiel, das eine Erwähnung wert wäre. Es ist ein durchschnittlich aufregendes Mobilspiel, wie es tausendfach im Jahr erscheint, ohne dass jemand groß Notiz davon nimmt. Spielerisch simpel, technisch eher fehleranfällig. Und ein vom Konzept her ähnliches Spiel fürs Smartphone gibt es ohnehin schon länger .

Durch einen läppischen Trick und ein wenig Promotion-Glück hat es "Schulzzug" aber geschafft, nicht nur ein so inoffizielles wie belangloses Kanzlerkandidaten-Werbespiel zu sein, sondern eins, über das in den Medien und in sozialen Netzwerken gesprochen wird. Das Spiel setzt nämlich auf eine - mit Blick auf die Videospielgeschichte plumpe - Provokation.

In der Rolle des SPD-Zugführers Martin Schulz kann man Figuren, die an Frauke Petry, Wladimir Putin oder Donald Trump erinnern, umfahren. Das gibt zwar meistens Minuspunkte, aber nicht immer.

Im Spiel muss man Hindernissen ausweichen: in der Browserversion durch Mausbewegungen, auf dem Handy durch Wischen übers Display

Im Spiel muss man Hindernissen ausweichen: in der Browserversion durch Mausbewegungen, auf dem Handy durch Wischen übers Display

Foto: Schulzzug GbR

Ein PR-Trick von "Call of Duty"

Die Macher des Spiels wussten wohl genau, dass sie so Aufmerksamkeit für ihr Werk bekommen - mindestens von AfD-Anhängern, denen "Schulzzug" sonst wohl herzlich egal gewesen wäre. Den Trick jedenfalls, reale Figuren als Gegner in Spiele einzubauen - damit sich der Betroffene oder seine Unterstützer empören -, kennt man aus der Shooter-Reihe "Call of Duty". Dort konnte man zum Beispiel mal jemanden abschießen, der wie Fidel Castro aussah.

Und auch wenn "Call of Duty" natürlich realistischer, ernster daherkommt als "Schulzzug" mit seinen Pixelwesen: Ein absehbarer Aufreger ist die Funktion natürlich.

Ob das Spiel der Kampagne von Martin Schulz dagegen irgendwie hilft, ist schwieriger einzuschätzen: Denn sonderlich gut ist es eben auch nicht, die Provokation ist schon das Aufregendste.

Kritik aus der CDU

Zudem hat die politische Konkurrenz ihre Chance bereits genutzt, der SPD - die mit dem Spiel nicht direkt etwas zu tun hat, wie auch Martin Schulz - einen mitzugeben. CDU-Bundesvize Julia Klöckner twitterte: "Menschen in einem Spiel überfahren zu lassen, ist nicht wirklich witzig, geschmacklos."

Vom vermeintlichen Crash-Skandal abgesehen, will das Spiel, das bei einem Hackathon in der SPD-Parteizentrale entstanden ist, Teil einer Netzbewegung sein. Der virtuelle Zug fährt darin nicht zufällig mit "voller Kraft" Richtung Kanzleramt, "ohne Bremsen". Die Formulierungen sind, wie "Schulzzug", Anspielungen auf den Internethype um den SPD-Kanzlerkandidaten.

Das Spiel wird gerade entschärft

Die Macher des Spiels möchten anonym bleiben. Auf Twitter antworteten sie am Dienstag aber schnell, wenn man sie auf die Crash-Funktion ansprach. "Die Populisten, die dem Schulzzug den Weg versperren und wie von einem Schneepflug zur Seite geräumt wurden, haben zu dem Missverständnis geführt, dass wir es gut finden würden, Menschen zu überfahren", antworteten sie per Direktnachricht. "Dem ist natürlich nicht so - das Spiel zielt nur auf die Ideologien und Weltanschauungen ebendieser Populisten ab."

Als Reaktion auf Kritik am Spiel hätten sie sich mittlerweile entschlossen, "bis auf Weiteres auf diese Metapher zu verzichten": Als kurzfristige Lösung nehme man die Figuren, die auf den Gleisen auftauchen, erst einmal aus dem Spiel. Man arbeite an einer Alternative.

Praktisch war diese Änderung zum Zeitpunkt des Dialogs noch nicht überall umgesetzt. In der Browserversion des Spiels gab es am Dienstagnachmittag zwar bereits keine Gegnerhindernisse mehr, in der Android-Version waren sie aber noch vorhanden. Und die iOS-Version war ohnehin noch nicht in Apples App-Store freigeschaltet.

Nicht schlimm, möchte man dazu noch allen iPhone-Besitzern sagen: Außer einer plumpen Provokation haben Sie nichts verpasst.