Microsoft Flight Simulator In China kann man nicht abheben

Der neue Flugsimulator von Microsoft zeigt die ganze Welt in fotorealistischer Qualität. Auch China, aber nicht in China - dort ist die beeindruckende Software offiziell nicht zu bekommen.
Schöne Aussicht am frühen Morgen, wenn man nicht in China lebt: Die Verbotene Stadt in Peking

Schöne Aussicht am frühen Morgen, wenn man nicht in China lebt: Die Verbotene Stadt in Peking

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Von Flugsimulatoren-Fans ist Microsofts neuer Flight Simulator begeistert aufgenommen worden. YouTube wird regelrecht von Videos überschwemmt, die zeigen, wie realistisch das Flugverhalten der Flugzeuge nachgebildet worden ist, wie überzeugend der komplette Planet darin dreidimensonal wiedergegeben wird. Ganz egal von welchem Flugplatz man wohin fliegen will: Von den größten Flughäfen bis zu erschreckend kurzen Graspisten auf indonesischen Bergen ist jede bekannte Landemöglichkeit der Welt nachgebildet, laut Microsoft sind es mehr als 37.000.

Etliche davon liegen in China und es lohnt sich, den einen oder anderen davon auszuprobieren, egal, ob man an der Chinesischen Mauer entlang fliegen, Sightseeing über der Verbotenen Stadt machen oder mit dem Wasserflugzeug auf dem Jangtsekiang vor Shanghai landen will. Das sieht alles super aus - solange man nicht in China lebt.

Denn wie die "South China Morning Post " berichtet, hat man von China aus keine - oder zumindest keine legale - Möglichkeit, Microsofts Simulator zu bekommen. Die Software ist demnach nicht im Microsoft Store zu bekommen, nicht auf der Gaming-Plattform Steam und schon gar nicht in Ladengeschäften. Man kann mit dem Programm also in China fliegen, aber nur solange man nicht in China ist.

Sind die Server zu weit weg?

Warum das so ist, ist allerdings unklar. Logisch, dass es dazu einige Theorien gibt. Die einfachste lautet, dass Microsoft in China einfach die Infrastruktur fehlt. Denn das Besondere am neuen Flight Simulator ist, dass er ständig aktuelle Karten- und Wetterdaten aus dem Netz nachlädt, um die Welt so real wie möglich nachzustellen.

Die Sendezentrale des staatlichen Fernsehens in Microsofts Flight Simulator

Die Sendezentrale des staatlichen Fernsehens in Microsofts Flight Simulator

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Microsoft wickelt das über seine Cloud-Technologie Azure ab. Aber damit das ohne noch längere Wartezeiten als schon jetzt funktioniert, müssen Microsofts Server zumindest grob in der Nähe der Nutzer stehen. Einige vermuten nun, dass das in China nicht der Fall sei.

Schon angemeldet?

Daniel Camillo, der darauf spezialisiert ist, Firmen dabei zu unterstützen, Spiele in China auf den Markt zu bringen, vermutet gegenüber der "South China Morning Post " dagegen, "einen Mix aus Lizenzfragen und den Inhalten des Spiels". Schließlich könne man damit virtuell beispielsweise die autonome Region Xinjiang überfliegen und dort nach den Umerziehungslagern suchen, in denen eine Million Uiguren festgehalten und indoktriniert werden . Microsofts Kartenmaterial ist so detailliert, dass sich solche Gebäude nicht verbergen lassen - außer mit Microsofts Hilfe.

Camillo vermutet aber ein anderes Problem als wahrscheinlich wichtiger: Den umständlichen Prozess, den ein Spiel durchlaufen muss, bis es in China zugelassen wird. Das könne sich monatelang hinziehen, sogar bis zu einem Jahr dauern. Wann Microsoft seinen Simulator für eine solche Lizenz angemeldet hat, weiß man nicht.

Microsoft selbst bestätigt auf Anfrage nur, "dass der Titel zu diesem Zeitpunkt nicht in China erscheint." Eine Erklärung, weshalb das so ist, lässt der Konzern vermissen, ergänzt nur in Marketingsprech: "Der Microsoft Flight Simulator wird sich mit der Zeit stetig weiterentwickeln, und wir werden zukünftig mehr zur Verfügbarkeit in neuen Märkten ankündigen."

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