»Flight Simulator« Microsoft macht Deutschland, Österreich und die Schweiz schöner

Microsoft hat seinen Flugsimulator komplett überarbeitet. Mit dem letzten Update wurde die Leistung deutlich gesteigert, das nächste soll die Heimat des Entwicklungschefs verschönern.
Leider nur eine Simulation: Schloss Chillon am Genfer See

Leider nur eine Simulation: Schloss Chillon am Genfer See

Foto: Microsoft

Mit der 2020 vorgestellten Neuauflage des »Flight Simulator« hat Microsoft offenbar einen Nerv getroffen. Zwei Wochen nach Verkaufsstart meldete das Unternehmen bereits eine Million Spieler , bis Weihnachten waren es schon zwei Millionen. Marktforscher witterten ein Milliardengeschäft , Microsoft gibt sich Mühe, Spieler und Fans des Simulators mit Updates bei der Stange zu halten.

Kernpunkt dieser Strategie sind die sogenannten World Updates. Etwa alle zwei Monate veröffentlicht der Konzern ein solches Softwarepaket, das die Darstellung einer Weltregion verbessert, außergewöhnliche Gebäude und Sehenswürdigkeiten besonders detailliert nachpflegt. Den Anfang machten die USA, später kamen Großbritannien, Japan, Frankreich und die skandinavischen Länder dran. Passend zum Beginn der Spielemesse Gamescom folgt nun das World Update 6, mit Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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Das World Update 6 für den MS Flight Simulator

Foto: Microsoft

Im Gespräch mit dem SPIEGEL erklärte der aus Deutschland stammende Entwicklungschef Jörg Neumann, neue Satellitenbilder und Höhendaten seien die Grundlage für das Update, das sozusagen den Look der Region im Flugsimulator vollkommen verändern und viel realistischer machen soll.

Etliche Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz, darunter Frankfurt, Wuppertal, Basel, Wien und Graz, sowie rund 100 Sehenswürdigkeiten und mehrere Flughäfen wurden dafür von einem Team aus 30 bis 40 Spezialistinnen und Spezialisten am Computer nachgebaut.

Das Geheimnis liegt in den Daten

Manchmal halfen aber auch Drittfirmen, wenn auch nicht immer absichtlich. So bemerkte Neumann bei der Planung des Deutschland-Updates, dass die deutsche Softwarefirma Aerosoft, die Flugzeuge und Flughäfen als Add-ons für den »Flight Simulator« anbietet, an einer 3D-Version von Stuttgart arbeitet. Kurzentschlossen überzeugte er den Geschäftsführer der Firma, die digitale Stadt stattdessen für Microsoft zu entwickeln und mit dem Update 6 direkt in die Software einzubinden. Über die Kosten dafür spricht er nicht.

Genauere Geländedaten sollen Flüge durchs Gebirge interessanter machen

Genauere Geländedaten sollen Flüge durchs Gebirge interessanter machen

Foto: Microsoft

Wohl aber darüber, dass ein großer Teil der Arbeit schlicht durch die Einbindung verbesserter Datenquellen erledigt wurde. Davon soll unter anderem die Darstellung der Alpen profitieren, die bisher ziemlich weichgespült erschienen. Mit den neuen Daten hingegen sei die Darstellung bis auf ein bis zwei Meter genau, was Flüge durch das Gebirge realistischer machen solle als bisher, sagt Neumann. Hilfreich war offenbar, dass die Schweiz ihre Geländedaten im März 2021 zur kostenlosen Nutzung online gestellt hat.

Bush-Trips und Landing-Challenges

Oft mussten allerdings auch 3D-Designer Hand anlegen. Kräne, die von Satellitenbildern in das digitale Modell übernommen wurden, müssen beispielsweise von Hand ausgebessert werden. Neumann sagt, pro dargestellter Stadt sei ein Mitarbeiter etwa einen Monat lang mit solchen Feinarbeiten in 3D beschäftigt.

Neben den verbesserten Darstellungen der drei Länder bringt das Update auch neue sogenannte Landing-Challenges. Das sind Wettbewerbe, in denen Simulatorpiloten und -pilotinnen versuchen, an bestimmten Flugplätzen unter vorgegebenen Bedingungen möglichst perfekte Landungen hinzulegen. Eine dieser Challenges wird sein, auf dem Flugplatz Helgoland-Düne zu landen. Zudem wird es vier neue sogenannte Bush-Trips geben, vorgeplante Flüge, bei denen die Hobbypilotinnen und -piloten ein Land auf langen mehrteiligen Flügen mit kleinen Propellerflugzeugen kennenlernen können.

Ein Oldtimer zieht ein

Er selbst habe vor eineinhalb Jahren mit der Planung für das Deutschland-Update begonnen, sagt Neumann. Ein großes Problem sei für ihn gewesen auszuwählen, welche Objekte man im Simulator besonders detailliert wiedergeben solle. So rechnet er vor, dass es in Deutschland 18 Bundesligamannschaften gibt, außerdem 18 Zweitligisten und 20 Drittligisten. Von welchen davon soll man nun die Stadien en détail wiedergeben?

Die Ju 52 ist der erste Oldie in Microsofts Angebot

Die Ju 52 ist der erste Oldie in Microsofts Angebot

Foto: Microsoft

Einfacher war offenbar die Frage zu klären, mit welchem Flugzeug Microsoft das Versprechen einlöst, historische Flugzeuge in den Simulator zu bringen. Den Anfang macht nun die Junkers Ju 52, eine dreimotorige Maschine mit Wellblechbeplankung, die Anfang der Dreißigerjahre in Dienst gestellt wurde. Weitere Oldies werden mit späteren Updates kommen, verspricht Neumann.

Gigantische Updates

Veröffentlicht wird das Update allerdings erst am 7. September. Normalerweise sei ein World Update zwei bis drei Gigabyte groß, für das bisher letzte Update mit der laufenden Nummer 5 mussten Flugenthusiasten allerdings bis zu 40 Gigabyte aus dem Netz laden. Je nach Internetanschluss kann so etwas Stunden oder Tage dauern.

Jenes Update sei allerdings derart groß gewesen, weil man dafür den gesamten Datenbestand optimiert habe, um die Leistung der Software zu verbessern, so Neumann. Er glaube nicht, dass künftige Updates wieder so groß sein werden. Dazu trage auch bei, dass 3D-Städte beispielsweise nicht in den Updates enthalten seien, sondern beim Fliegen aus der Cloud geladen würden. Damit das ruckelfrei funktioniert, braucht man allerdings eine schnelle Internetverbindung.

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