"Minecraft" mit Microsofts Hololens Wie ein Besuch im Miniaturwunderland

Bei seiner E3-Pressekonferenz hat Microsoft das Publikum mit einer Augmented-Reality-Version von "Minecraft" verzückt. Funktioniert das wirklich oder ist es nur geschicktes Marketing? Wir haben es ausprobiert.
"Minecraft" mal anders: Nur der HoloLens-Träger sieht die auf einen Tisch projizierte Welt

"Minecraft" mal anders: Nur der HoloLens-Träger sieht die auf einen Tisch projizierte Welt

Foto: Microsoft

Von den diesjährigen E3-Pressekonferenzen hatte ich mir mehr Revolutionäres versprochen. Ich hoffte auf erste Virtual-Reality-Spiele, die mehr sind als kurze Demos mit simplem Spielprinzip. Ich hatte zumindest die Ankündigung erwartet, dass bekannte Serien wie "Assassin's Creed", "Mass Effect" oder "Mirror's Edge" VR-Ableger bekommen.

Die VR-Spiele, die ich bislang ausprobiert habe, erinnerten mich oft an Handy-Apps, mit Herausforderungen auf dem Niveau des ersten Wii Sports. Dessen Spiele waren einige Runden lang beeindruckend, boten aber zu wenig, um langfristig interessant zu bleiben. Zu schnell hatte man raus, wie man erfolgreich bowlt und beim Tennis gegen seine Freunde besteht.

Während Sony bei seiner E3-Präsentation im Wesentlichen einen Drei-gegen-Drei-Shooter für sein Project Morpheus ankündigte, nahm sich Microsoft mehr Zeit für seine Datenbrillen-Experimente. Auf der Bühne wurde für einen Träger der HoloLens-Brille eine kleine "Minecraft"-Welt an eine Wand projiziert, ebenso auf einen Tisch . Für den HoloLens-Träger schien die Klötzchen-Landschaft zum Anfassen nahe, mithilfe von Sprachbefehlen interagierte er mit der virtuellen Welt. Ein originelles Konzept, bei dem aber unklar blieb, ob das Ganze mehr ist als eine nette Inszenierung.

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Hier lässt sich viel Zeit verbringen

Am E3-Stand von Microsoft hatte ich Dienstag die Gelegenheit, gut 15 Minuten lang selbst per HoloLens eine "Minecraft"-Karte zu erkunden. Mein erster Eindruck: Allein mit dem Anstarren der Welt hätte ich den Rest des Messetags verbringen können. Das Prinzip der sogenannten Augmented Reality besteht im Gegensatz zur virtuellen Realität darin, dass man weiter den echten Raum sieht, über das Brillendisplay können ins eigene Sichtfeld jedoch Figuren oder Gegenstände eingeblendet werden - die Realität wird gewissermaßen erweitert.

Zunächst wurde mir erklärt, wie ich einen "Minecraft"-Spielbildschirm auf eine Wand projiziere, wahlweise in den Dimensionen eines Beamerbilds oder nur so groß, dass ich auf einen Blick alles erfassen kann. Mit einem Xbox-One-Gamepad konnte ich meine kleine Figur wie im normalen "Minecraft" durch die Welt bewegen, ein Mitspieler ohne HoloLens war dabei mein Guide.

Deutlich beeindruckender wurde es, als ich von der Wand auf einen Tisch blickte, wo per Sprachkommando eine virtuelle Welt erschien. Die wohl für die Präsentation vorgefertigte Karte konnte ich fortan per HoloLens aus jedem Winkel betrachten. Mit dem Wörtchen "Closer" zoomte ich heran, mit "Overview" landete ich wieder bei der anfänglichen Draufsicht.

Ich konnte aber natürlich auch einfach einen Schritt zurück oder in Richtung Tisch machen. Wenn ich so tue, als ob ich die Karte festhalte, lässt sich diese nach oben, unten oder zu den Seiten verschieben, woraufhin bis dahin nicht sichtbare Teile auftauchen - alles wie in der Microsoft-Präsentation.

Achtung, Blitzeinschlag!

Mit meinen Blick steuere ich einen kleinen Cursor und kann so zum Beispiel bestimmen, wo ein Blitz einschlägt, den ich per Kommando "Lightning Strike" auf den Weg bringe. Mit den Blitzen lassen sich Tiere attackieren, aber auch Sprengstoff-Kisten zur Explosion bringen. Die Cursor-Steuerung wirkte noch etwas hakelig, man muss aber bedenken, dass es sich um eine Alpha-Version von "Minecraft" für einen HoloLens-Prototypen handelte - beide Produkte sind also lange noch nicht marktreif.

Dass man "Minecraft" mit der HoloLens so gut spielen kann wie am PC oder auf der Konsole, kann ich mir nach dem Selbstversuch nicht wirklich vorstellen. Gerade das Bauen geht vermutlich mit Tastatur und Maus beziehungsweise einem Gamepad und der üblichen Ansicht viel leichter von der Hand. Doch schon die Option, befreundeten Spielern in einer Mehrspieler-Partie mit der HoloLens von oben, unten oder von wo auch immer zuzuschauen, fasziniert mich.

Durch die HoloLens betrachtet, erinnert die "Minecraft"-Welt mehr denn je an echte Lego-Konstruktionen oder an das Hamburger Miniaturwunderland - ein wunderbarer virtueller Ort, um zu entspannen. Für Eltern, deren Kinder "Minecraft" spielen, wäre die HoloLens-Variante wohl der optimale Weg, dieses Hobby zu verstehen. Sie könnten zuschauen, wie ihre Kinder Stück für Stück die Welt verändern und wenn sie partout nicht zum Essen kommen wollen, schickt man einfach ein paar Blitze auf die Karte.

Aktuelle HoloLens-Version: Wann die Datenbrille auf den Markt kommt, ist bislang unbekannt

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Foto: AP/dpa

"Project X-Ray" fehlt der "Minecraft"-Charme

Neben "Minecraft" hat mir Microsoft ein weiteres HoloLens-Spiel vorgestellt, mit dem Arbeitstitel "Project X-Ray". In diesem Shooter wurde ich einige Minuten lang von ekligen Kreaturen attackiert, die durch simulierte Löcher aus den Wänden des Vorführungsraums kamen. Mit meinem Blick konnte ich sie ins Visier nehmen, mit einer Gamepad-Schultertaste auf sie schießen.

Den Geschossen der Kreaturen konnte ich dadurch ausweichen, dass ich einfach auf die andere Seite des Raums lief. Ebenso konnte ich den Attacken durch ein rechtzeitiges Bücken oder Zur-Seite-Lehnen entgehen. Ab und zu hatte ich die Chance, mit einer Röntgen-Funktion durch die Wände zu schauen und so zu sehen, wo sich die Kreaturen gerade aufhalten.

"Project X-Ray" hat durchaus Spaß gemacht - und war eher körperlich als spielerisch eine Herausforderung. Im Vergleich zur gezeigten "Minecraft"-Alphaversion fehlte dem Spiel der Charme des Bekannten, das Gefühl "So habe ich dieses Spiel noch nie gesehen".

Brille unter der Brille möglich

Der Brillen-Prototyp, den ich bei beiden Demos trug, war nicht gerade leicht, ich fühlte mich aber weniger eingeengt als unter VR-Brillen. Bei "Project X-Ray" hätte das Sichtfeld für meinen Geschmack gern ein wenig größer sein dürfen. Gut fand ich, dass ich meine normale Brille aufbehalten konnte: Das HoloLens-Display wird dafür ein Stück weiter von meinem Gesicht weggeschoben.

Im Video: Virtual Reality auf der E3

SPIEGEL ONLINE

Wann Microsoft die HoloLens auf den Markt bringt, ist bislang nicht bekannt. Auch mit welcher Plattform sie zusammenarbeitet - ist es nur Windows 10 oder vielleicht sogar die Xbox One? -, behält Microsoft bis jetzt für sich.