DDoS-Angriff während eines »Minecraft«-Turniers Was Internetausfälle in Andorra mit »Squid Game« verbindet

Bei einem E-Sport-Event konkurrierten 150 »Minecraft«-Spieler um 100.000 Euro. Doch einige von ihnen mussten ungewollt aufgeben.
Szene vom Finaltag der SquidCraft Games: Die Ideen für den Wettbewerb liefert die Netflix-Serie »Squid Game«

Szene vom Finaltag der SquidCraft Games: Die Ideen für den Wettbewerb liefert die Netflix-Serie »Squid Game«

Foto: Twitch Rivals

Üblicherweise spielt das Fürstentum Andorra in der Tech- und Gamingpresse kaum eine Rolle. Dieser Tage jedoch macht der zwischen Spanien und Frankreich gelegene Staat weltweit Schlagzeilen – weil es dort zuletzt mehrfach Internetstörungen gab. Und das nicht aufgrund eines technischen Defekts, sondern womöglich, weil Unbekannte die »Minecraft«-Spieler aus Andorra in einem hoch dotierten Onlineturnier ausbooten wollten.

Was genau war da los?

Klar ist, dass es in den vergangenen Tagen mehrere Überlastungsangriffe auf die staatliche Telefongesellschaft Andorra Telecom gab, die das Land als einzige mit Internet versorgt. Derartige Distributed-Denial-of-Service-Attacken (DDoS-Attacken) sorgten dem Provider zufolge dafür , dass einige Kundinnen und Kunden am Freitag und Samstag zeitweise nicht mehr wie gewohnt das Internet nutzen konnten, weder stationär noch per Mobilfunk.

Am Montag schrieb das Unternehmen auf Twitter, es sei erneut Opfer eines DDoS-Angriffs geworden . Zuvor hatte auch schon NetBlocks die Internetprobleme in Andorra dokumentiert. 

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Es ging um 100.000 Euro Preisgeld

Dafür, dass die Angriffe mit einem »Minecraft«-Turnier zu tun hatten, spricht vor allem ein zeitlicher Zusammenhang: Während die Attacken stattfanden, lief ein großer Onlinewettbewerb namens SquidCraft Games, der sich an der Netflix-Serie »Squid Game« orientierte und an dem auch bekannte Spieler teilnahmen, die in Andorra leben.

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Insgesamt 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer konkurrierten in dem Wettbewerb, der mit einer Modifikation für »Minecraft« realisiert wurde, um 100.000 Euro. Analog zur bekannten Netflix-Serie stellten sie sich verschiedenen Herausforderungen, bis letztlich nur noch eine Person übrig blieb (in diesem Fall ein Streamer namens Ollie).

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Live verfolgen ließ sich das am Montag beendete Sechs-Tage-Event auf der Streamingplattform Twitch. Beim großen Finale schalteten mehr als zwei Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer gleichzeitig ein  – die meisten von ihnen aus dem spanischsprachigen Raum.

Internet weg – und die Siegchance auch

Als sie nicht mehr ins Internet kamen, um weiterzuspielen, hatte das für manche Teilnehmer aus Andorra ärgerliche Folgen: Sie schieden aus und verloren so ihre Siegchance – was wiederum die Chancen anderer Mitspieler erhöhte, am Ende als Siegerin oder Sieger dazustehen.

Es kann also gut sein, dass es sich tatsächlich um einen Manipulationsversuch Dritter gehandelt hat, beispielsweise von Fans oder Anti-Fans bestimmter Streamer oder von Internettrollen, die einfach nur den Wettbewerb durcheinanderbringen wollten.

Medienberichten zufolge  kosteten die Störungen des Netzes mindestens acht Teilnehmer aus Andorra ihren Verbleib im Wettbewerb um die 100.000 Euro. Zu den Leidtragenden zählten demnach unter anderem die Streamer El Rubius  und Auron , denen in sozialen Netzwerken jeweils mehrere Millionen Menschen folgen.

Nach Angaben der Sportzeitung »Marca«  gab es jedoch auch Teilnehmer aus Andorra, die weiter mitmachen konnten.

DDoS-Attacken erfordern kaum Hackerkenntnisse

Der Provider Andorra Telecom schrieb am Samstag auf Twitter, die Attacken hätten das Ziel verfolgt, »YouTuber« zu stören. Das Unternehmen teilte auf seinem Twitteraccount auch in den Folgetagen Medienberichte zu den Angriffen.

Um DDoS-Attacken durchführen zu können, muss man grundsätzlich kein Meisterhacker sein: Die für solche Angriffe nötigen Werkzeuge oder Botnetze lassen sich auch mieten. Nach Informationen von »The Record«  kam in diesem Fall so ein Mietservice zum Einsatz.

Dass viele bekannte spanischsprachige Videomacher von Andorra aus Videos ins Netz stellen, ist übrigens kein Zufall: Für die meisten YouTuber und Streamer dürfte ihr Umzug ins Fürstentum steuerliche Vorteile mit sich gebracht haben .

mbö
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