Zehn Jahre "Minecraft" Klötzchen für Klötzchen zum kulturellen Phänomen

"Minecraft" ist das erfolgreichste und einflussreichste Videospiel unserer Zeit. Doch als der Welten-Baukasten auf den Markt kam, ahnte nicht einmal sein Macher, dass er derart durchstarten würde.

Microsoft

Der 17. Mai 2009 markiert im Leben des schwedischen Entwicklers Markus Persson einen dramatischen Wendepunkt. An diesem Tag veröffentlichte "Notch", so der Spitzname des Autodidakten und Schulabbrechers, im Forum von TIGSource die erste Version seines im Alleingang programmierten Aufbauspiels "Minecraft". Persson hatte für die anfangs noch unter dem Projektnamen "Cave Game" entwickelte Version 0.0.11a lediglich eine Woche Arbeit benötigt.

Trotzdem legte diese Fassung das Fundament für eine bis heute andauernde Erfolgsstory, die Persson sogar zum Milliardär machte. Denn zehn Jahre später ist der Welten-Baukasten ein kulturelles Phänomen und mit weit mehr als 155 Millionen Exemplaren das nach "Tetris" zweithäufigst verkaufte Videospiel überhaupt.

Markus Persson, geboren 1979, hatte schon im Alter von sieben Jahren auf dem Commodore 128 seines Vaters mit dem Programmieren begonnen. Mit acht entwickelte er sein erstes Text-Adventure. Als Teenager träumte er davon, eines Tages einen Hit wie "Doom" zu erschaffen.

Spiele wie "Dungeon Keeper" als Inspiration

Vor "Minecraft" veröffentlichte "Notch" einige kleinere Spiele, die er teils bei Programmierwettbewerben wie Ludum Dare fertiggestellt hatte. Zu seinen bemerkenswerteren Frühwerken zählt das 2006 gemeinsam mit einem Freund gestartete "Wurm Online" - ein Sandbox-Spiel mit offener Welt, in dem sich bereits viele Ideen seines späteren Klötzchen-Hits wiederfinden.

Für "Minecraft" ließ sich Persson von persönlichen Favoriten wie "Dungeon Keeper" und "Dwarf Fortress" inspirieren, zudem übernahm er Elemente aus "Wurm Online" und dem "Minecraft"-Prototypen "RubyDung".

Sein wichtigster Einfluss war indes "Infiniminer", ein Ein-Mann-Projekt des US-Entwicklers Zach Barth. "'Infiniminer' ist die Hauptinspiration für das blockige Aussehen und das Verändern der Landschaft", schrieb "Notch" seinerzeit in seinem Tumblr-Blog. Zudem bezeichnete er sein Projekt anfangs selbst als "'Infiniminer'-Klon".

Tatsächlich erinnert "Minecraft" schon auf den ersten Blick an Barths 3D-Multiplayer-Spiel, das mit Blockoptik und einer Bau- und Grabmechanik daherkommt. "Infiniminer" jedoch erreichte nie die Popularität von Perssons Kreation.

Der Beginn des Hypes

Die frühe "Minecraft"-Version fand nämlich schnell zahlreiche Anhänger - und nur vier Wochen nach der Veröffentlichung startete die Online-Enzyklopädie Minecraft Wiki. Persson öffnete außerdem das offizielle Spielforum, in dem er regelmäßig Informationen zum Entwicklungsprozess veröffentlichte. Sukzessive erweiterte er "Minecraft" mit zahlreichen Updates, die dem Spiel etwa einen Online-Mehrspielermodus, neue Inhalte und Mechanismen brachten.

Persson setzte früh auf ein Monetarisierungskonzept: Schon Ende 2009 konnten Spieler fünf Euro in einen Premium-Account investieren, um alle Neuerungen zu erhalten. Bis Juni 2010 verkaufte sich "Minecraft" 20.000-mal.

Mit dem Erreichen der sogenannten Alpha-Phase folgte eine Preiserhöhung auf zehn Euro, und im Netz grassierte der Klötzchen-Hype. Den befeuerte vor allem die lebendige Community: Immer mehr "Minecraft"-Fans berichteten auf Blogs sowie in Foren und Social-Media-Kanälen und vor allem auf YouTube von ihren faszinierenden Erlebnissen und kreativen Bauprojekten.

Das Spiel, das "Gronkh" bekannt machte

Deutsche YouTube-Stars wie Erik Range alias "Gronkh" verdanken ihren heutigen Ruhm auch zu einem großen Teil "Minecraft". Gronkhs erstes Let's-Play-Video zu "Minecraft" vom 19. Oktober 2010 wurde bis heute über 15 Millionen Mal aufgerufen. Bis Anfang Januar 2014 produzierte er über 1200 Folgen.

"Minecraft" war längst größer als sein Schöpfer geworden. Der reagierte und gründete im Oktober 2010 zusammen mit Jakob Porsér das aus seiner Privatfirma hervorgegangene Unternehmen Mojang AB, um die Entwicklung künftig im Team voranzutreiben.

Persson hatte Porsér bei seinem Ex-Arbeitgeber Midasplayer kennengelernt. Die Firma wurde später in King umbenannt und 2015 von Activsion Blizzard übernommen, sie ist bekannt als "Candy Crush"-Hersteller. Als Mojang-Geschäftsführer fungierte Carl Manneh, den Persson aus seiner Zeit beim Online-Fotodienst jAlbum kannte.

Klötzchen für Millionen

Ende 2010 wechselte "Minecraft" in die Beta-Phase, bekam erneut frische Funktionen spendiert und kostete fortan 15 Euro. Den Absatzzahlen schadete das allerdings nicht, ganz im Gegenteil: Im Januar 2011 knackten die Verkäufe die Millionengrenze. Am 18. November 2011 verließ "Minecraft" schließlich den Beta-Status und war nun zum Preis von knapp 20 Euro als Vollversion verfügbar.

Gab es "Minecraft" anfangs nur für den PC, wurde das Spiel in den Folgejahren auch für Smartphones und Tablets sowie sämtliche aktuellen Gamingplattformen veröffentlicht.

Markus Persson jedoch wurde der Erfolg bald zu viel: Er zog sich am 1. Dezember 2011 aus dem Entwicklerteam zurück, um sich eine Auszeit zu nehmen und neuen Projekten zu widmen. "0x10c", das wohl meistbeachtete seiner folgenden Spieleprojekte, stellte er jedoch aufgrund mangelnder Ideen ein. Um die Zukunft von "Minecraft" kümmerte sich fortan Jens "jeb_" Bergensten, der bis heute die Weiterentwicklung des Spiels verantwortet.

Für 2,5 Milliarden Dollar verkauft

Auch ohne Persson ging es für "Minecraft" weiter bergauf. Das Spiel war nicht nur Dauergast auf Videoportalen, sondern eroberte auch Popkultur und Gesellschaft (siehe Fotostrecke).

Verständlich, dass Mojangs Welterfolg Begehrlichkeiten weckte. Hatte Persson einer Offerte des Branchenriesen Valve noch widerstehen können, wurde er am 15. September 2014 schwach: Microsoft kaufte Mojang für 2,5 Milliarden Dollar. Persson, Porsér und Manneh verließen nach dem Verkauf das Unternehmen - als reiche Männer.

Was als kleines Spiel von Markus Perssson begann, lebt seitdem unter dem Banner des Tech-Riesen aus Redmond weiter. "Minecraft" ist bis heute eines der meistgespielten Games weltweit.

Nur dem Namen "Notch" begegnen Spieler neuerdings seltener. Microsoft hat mehrere Hinweise auf den Erfinder aus dem Startbildschirm des Spiels entfernt. Vermutlich will sich der Konzern damit von Persson distanzieren, der in den letzten Jahren immer wieder mit fragwürdigen Tweets auf sich aufmerksam machte.


Spieletipp: Sie wollen wissen, wie mit "Minecraft" alles angefangen hat? Microsoft und Mojang haben die Classic-Version von 2009 anlässlich des zehnjährigen Bestehens kostenlos veröffentlicht. Man kann sie hier direkt im Browser spielen.

insgesamt 1 Beitrag
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Flying Rain 17.05.2019
1.
Ich bin der Meinung dass einer der ausschlaggebenden Punkte beim Erfolg von Minecraft vor allem auf der Möglichkeit lag ohne große Hürden Mods zu erstellen.
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