Plötzlich so ruhig hier Was ist los mit "Fortnites" Partyinsel?

"Fortnite" ist mehr als Battle Royale: In dem beliebten Spiel gibt es auch einen Partymodus - selbst Weltstars treten dort auf. Aber seit dem Zoff mit Apple ist einiges anders.
"Fortnite" im Party-Royale-Modus

"Fortnite" im Party-Royale-Modus

Foto: Epic Games

"Party Royale" soll eigentlich die friedliche Seite von "Fortnite" sein: Spielerinnen und Spieler werden in dem im April 2020 eingeführten Modus auf eine deutlich kleinere Insel transportiert, wo sie ein Amphitheater mit Leinwand vorfinden, und eine Bühne mit Hologramm-Tänzern. Statt Waffen gibt es Farbgewehre und Bögen mit Saugnapfmunition, statt eines Zeitlimits unbegrenzten Aufenthalt auf der Partyinsel. Eine kuratierte Mischung aus Livesets von DJs wie Steve Aoki, Trailerpremieren vom neuen Christopher-Nolan-Film sowie Minispiele sollen die Kampfpause im "Battle Royale"-Spiel versüßen.

Doch Epic Games nutzt die selbst gebaute Bühne auch für eigene Zwecke: Pünktlich zum Rauswurf von "Fortnite" aus den digitalen Stores von Apple und Google flimmerte eine Parodie des bekannten Apple-Werbeclips "1984"  über die große Leinwand der Insel und erreichte damit potenziell Millionen von Spielerinnen und Spielern als einseitiger Kommentar und kaum versteckte Kampfansage.

Im Original läuft eine bunt gekleidete Frau an Sitzreihen voller grauer Figuren vorbei, die mit Propaganda berieselt werden, schleudert einen Vorschlaghammer auf einen riesigen Bildschirm und zerstört damit den Einfluss des "Big Brother". Apple kündigte mit diesem Spot die Veröffentlichung des ersten Macintoshs für Januar 1984 an, als Gegenentwurf zur Dystopie, die George Orwell im titelgebenden Roman "1984" beschreibt. Die Parodie von Epic stellt den Clip Szene für Szene in Spielgrafik nach. Nur, dass die Frau ein Kostüm trägt und einen Einhornhammer schwingt, während die Big-Brother-Figur auf dem Bildschirm durch einen Charakter mit angebissenem Apfelkopf ersetzt wird.

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Mit 350 Millionen registrierten Accounts im Mai 2020 ist "Fortnite" enorm beliebt, besonders bei jüngeren Generationen. Laut statistischen Erhebungen von 2018 und 2019 liegt der Anteil der Spielerinnen und Spieler bis 25 Jahren bei etwa 50 Prozent. Aber laut einem "Fortnite"-Insider verlor Epic Games im ersten Monat nach dem App-Store-Ausschluss 60 Prozent seiner aktiven Spielerinnen und Spielern auf iOS.

Ohne Updates wird das Multiplayer-Spiel für sie eben weniger attraktiv, egal, in welchem Modus. Kurz nach dem Eklat mit Apple zum Beispiel kündigte Epic Games eine Kooperation mit Marvel an. iOS-Accounts sahen dabei allerdings in die Röhre. Sie können nur noch mit ihresgleichen spielen, ohne neue Inhalte.

Auch für Epic könnte das zum Problem werden. Denn der Deal mit Marvel ist nur eine von mehreren prestigeträchtigen und vermutlich teuren Partnerschaften zwischen Epic und anderen Unterhaltungsriesen. Dazu gehörten neben Liveevents mit kosmetischen Gegenständen wie Lichtschwertern oder besonderen Kostümen für die Spielercharaktere auch schon immer musikalische Inhalte. 2019 trat der Künstler Marshmello im Spiel auf, knapp 10 Millionen Menschen schauten gleichzeitig zu. Im April 2020 gab es ein umfangreiches Event mit Musik von Rapper Travis Scott mit insgesamt 27 Millionen Zuschauern, eine Songpremiere inklusive.

Dieses Event fand zwar noch in der regulären Spielwelt statt, war aber sozusagen die Generalprobe für den neuen Spielmodus Party Royale. Zu dessen offiziellem Start fuhr Epic Games große Geschütze auf.

Fotostrecke

Konzerte, Kino, Quad-Rennen: So sieht der "Party-Royale-Modus" in "Fortnite" aus

Foto: Epic Games

Von der Eröffnungsfeier am 8. Mai bis Mitte August fanden Shows mit Künstlern wie deadmau5 und Diplo statt, Streams von ausgewählten Christopher-Nolan-Filmen und "Fortnite"-Turnieren oder von Discovery-Channel-Dokus und Sportereignissen. Zwischendrin durften Spielerinnen und Spieler untereinander Quad-Rennen veranstalten, auf einem großen Feld Fußball spielen, um die Wette angeln oder einen Hindernisparcours abschließen.

Wie beliebt dieser Modus derzeit ist, bleibt aber unklar. Epic Games ist bekannt dafür, nur vereinzelt Statistiken zu veröffentlichen. Auf Nachfrage äußerte sich das Unternehmen zu keiner der vom SPIEGEL gestellten Fragen - auch nicht dazu, wie das Entwicklerstudio zur Nutzung von "Party Royale" als Vehikel für Stimmungsmache steht.

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Gähnende Leere im Partyparadies

Der Ausschluss aus dem App Store schlägt sich aber offenbar auch im "Party Royale"-Modus nieder. Ob Freitagnachmittag, Samstagabend oder Sonntagmittag: Spielerinnen und Spieler loggen sich lieber in den regulären "Battle Royale"-Modus ein, statt sich zum gemeinschaftlichen Kicken oder Bootsrennen zu treffen. Bei Stippvisiten für den SPIEGEL fanden sich maximal 20 andere Spielerinnen und Spieler in einer Weltinstanz, die sonst bis zu 100 Teilnehmende unterstützt. Spontanes Zusammenspiel war kaum möglich.

Seit dem 13. September gibt es zumindest wieder etwas Programm auf der Partyinsel. In einer neuen Konzertreihe werden wöchentlich Sessions von Musikerinnen und Musikern aus einem dafür eingerichteten Studio in Los Angeles ausgestrahlt. Der Rapper und Sänger Dominic Fike machte den Anfang - mit eher verhaltener Reaktion seitens der "Fortnite"-Community, wenig Social-Media-Aufriss, dafür aber technischen Problemen.

Für den 28. September ist die erste Anhörung im Streit mit Apple angesetzt, das deutsche Kartellamt will den Fall ebenfalls beobachten. Die nächste große Party muss vermutlich erst einmal warten.

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