Videospiel "Mount & Blade 2: Bannerlord" Endlose Ritterspiele

Städte, Dörfer, Burgen - und riesige Schlachten. In der Mittelalterwelt von "Mount & Blade 2: Bannerlord" kann man fast ein zweites Leben führen, Heirat inklusive - dabei ist das Spiel noch eine Baustelle.
"Mount & Blade 2: Bannerlord": Noch nicht fertig, aber schon für viele Spielerinnen und Spieler interessant

"Mount & Blade 2: Bannerlord": Noch nicht fertig, aber schon für viele Spielerinnen und Spieler interessant

Foto: TaleWorlds Entertainment

Der Klang von Pferdehufen erfüllt Tage und Nächte. Ihr hypnotisch entspanntes Klappern auf den kopfsteingepflasterten Gassen einer Stadt, das selbstbewusste Trommeln eines Trabs über grasbedeckte Steppen und der dumpfe Donner von Dutzenden Schlachtrössern, die in gestrecktem Galopp auf den Feind zustürzen.

Im Indie-Computerspiel "Mount & Blade 2: Bannerlord” erleben Spielerinnen und Spieler ihre intensivsten Glücksmomente auf dem Rücken der Pferde. Der ambitionierte Early-Access -Titel bietet aber weitaus mehr als nur meditative Ausritte und imposante Reiterschlachten.

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So sieht "Mount & Blade 2: Bannerlord" aus

Foto: TaleWorlds Entertainment

Als weiblicher oder männlicher Abenteurer findet man sich zu Beginn in einer riesigen Spielewelt wieder, die auch ohne eigenes Zutun lebt und atmet. Rivalisierende Adelshäuser herrschen über Dörfer, Städte und Burgen, schicken Karawanen und Armeen aus, bekriegen sich, schließen Frieden und treiben Handel miteinander. Stolze Wüstenvölker treffen auf grimmige Nordmänner, byzantinisch anmutende Königreiche ziehen gegen halbnomadische Reiterfürsten in den Krieg.

Ohne auf reale Völker oder die Geschichte direkt Bezug zu nehmen, zeigt "Mount & Blade 2: Bannerlord” ein buntes, mit Liebe zum Detail gestaltetes quasi-europäisches Fantasiemittelalter. Sich in dieser Welt einen Namen zu machen, ist das offene Spielziel dieser Abenteuer-Sandkiste. Wie es erreicht wird, bleibt einem selbst überlassen.

Heiraten und Kinder bekommen? Geht auch.

Die Spielerinnen und Spieler können entscheiden, ob sie sich mit einer wachsenden Schar an Söldnern einen blutigen Pfad zur eigenen Krone erkämpfen, als Vasall eines Fürsten zu Ruhm kommen, als Händler mit eigenen Werkstätten und Handelskarawanen reich werden, als gesetzlose Raubritter Angst und Schrecken verbreiteten oder sogar eine Karriere in der kriminellen Unterwelt anstreben. Sogar heiraten und Kinder bekommen ist möglich. Stirbt der eigene Spielcharakter, darf der Nachwuchs dessen Erbe antreten.

Es ist das beinah unverwüstliche Spielprinzip des Klassikers "Pirates! ” - mit dem Unterschied, dass man hier eben nicht als Karibik-Freibeuter sein Glück sucht, sondern als Ritter hoch zu Ross. Eine fest vorgegebene Spielhandlung gibt es in solchen Sandbox-Spielen nicht: Bei jedem Spielstart erschafft man seine eigene Geschichte, auch mithilfe eines einschüchternd komplexen Fähigkeiten- und Talente-Systems.

Auf sie mit Gebrüll

Während man den Kontinent mittels einer Weltkartenansicht bereist und viele Entscheidungen direkt aus Menüs trifft, darf man Städte, Dörfer und Burgen auch als Spaziergänger betreten. Man kann Händler, Fürsten und Stadtbewohner besuchen, an Turnieren teilnehmen oder ein Brettspiel mit gelangweilten Adeligen wagen.

Der spielerische Kern von "Mount & Blade 2: Bannerlord" jedoch sind die unzähligen kleinen und großen Schlachten. Seine im besten Fall gut ausgerüsteten und motivierten Truppen aus Infanterie, Kavallerie und mittelalterlicher Artillerie kommandiert man dabei per Tastendruck an strategisch günstige Orte auf den Schlachtfeldern und führt selbst halsbrecherische Angriffe an. Dafür kommt ein Kampfsystem zum Einsatz, das aus simplen Angriffen und Blocks aus vier Richtungen besteht.

Aus kurzen Gefechten mit armselig bewaffneten Banditen zu Spielbeginn werden irgendwann epische Schlachten mit Hunderten Teilnehmern oder taktische Burgbelagerungen. Bei denen werden mit Katapulten und anderen Belagerungsmaschinen Verteidigungsanlagen und Mauern sturmreif geschossen, bevor der Kampf in den Gassen der Festungen weitergeht.

Early Access aus Tradition

Wie spielmechanisch solide und unterhaltsam diese Kämpfe sind, zeigt sich nicht nur im Einzelspieler-Teil, sondern auch in den Multiplayer-Modi, in denen die Action gegen echte Mitspieler ganz ohne Sandbox-Kampagne weitergeht.

Wie viele Menschen sich online einmal auf dem virtuellen Schlachtfeld gegenüberstehen werden, ist derzeit noch ungewiss. Denn "Mount & Blade 2: Bannerlord” ist trotz fast schon zehnjähriger Entwicklungszeit noch lange nicht fertig.

Seine Macher allerdings sind Pioniere des Early Access: Das 2005 von einem Ehepaar gegründete türkische Indie-Studio TaleWorlds hat schon den Erstling 2008 auf diese damals noch völlig neue Art und Weise finanziert.

Durch gehaltene Versprechen und vor allem außergewöhnlichen Support für eine blühende Mod-Gemeinde hat das Studio Spielerinnen und Spieler überzeugt. Beim Vorgänger durfte man dank Fan-Umbauten etwa auch in der Welt von "Der Herr der Ringe" und "Game of Thrones" oder als Samurai in die Schlacht ziehen. Für den zweiten Teil wurde nun dieselbe Modderfreundlichkeit und damit Langlebigkeit garantiert.

Baustelle Mittelalter

Mit 200.000 gleichzeitigen Spielerinnen und Spielern auf Steam hat "Mount & Blade 2: Bannerlord" zur Early-Access-Veröffentlichung vor wenigen Tagen gleich einen sensationellen Start hingelegt. Die Hauptattraktion ist sicherlich die von Grund auf erneuerte grafische Präsentation, die zwar mit aktueller Hochglanzgrafik nicht ganz mithält, aber dennoch immer wieder atemberaubende Atmosphären und Szenen aufbieten kann.

Spielerisch gibt es dagegen wenig Neues, zugleich aber ist das neue Spiel genauso motivierend und unverwüstlich wie der Vorgänger. Nur manche Kleinigkeiten stören noch: Das neue Erfahrungssystem etwa sorgt bislang für eine sehr langsame Anfangsphase, Schuss- und Wurfwaffen der Feinde haben absurd hohe Treffergenauigkeiten und die Multiplayer-Server sind wackelig. Doch das alles dürfte mit der Zeit verbessert werden.

Bis "Mount & Blade 2: Bannerlord” tatsächlich fertig ist, wird es wohl mindestens noch ein Jahr vergehen. Und, Achtung: Derzeit muss man unter Umständen damit rechnen, bei größeren Updates wieder von vorn beginnen zu müssen.

Wer sich daran aber nicht stört, darf schon jetzt in diese mittelalterliche Parallelwelt eintauchen und wird darin für Tage, Wochen und Monate gut unterhalten. Ein spannenderes Mittelalterspiel als "Mount & Blade 2: Bannerlord” ist auf längere Sicht nicht am Horizont.

 "Mount & Blade 2: Bannerlord" ist im Early Access auf Steam für Windows erschienen .

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