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Pokémon: Nintendos sichere Bank

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Game-Phänomen "Pokémon" Taschenmonster sollen Nintendo helfen

Die Verkäufe von Nintendo schwächeln. Doch nun schicken die Japaner ihre stärkste Armee ins Feld: die "Pokémon". Eine neue Episode des Spiels um die Taschenmonster soll die Gameboy-Verkäufe ankurbeln. Dafür passt der Hersteller seinen 3DS-Handheld an die ganz junge Zielgruppe an.

Software sells Hardware - erst mit den passenden Spielen verkaufen sich Konsolen. Das Beispiel des Traditionsherstellers Nintendo   zeigt, dass viel Wahrheit in dieser Binsenweiseheit der Spielebranche steckt.

Die Verkäufe der Heimkonsole Wii U sind dramatisch hinter den Erwartungen zurückgeblieben: Bis zum Fiskaljahresende im März 2013 konnte Nintendo nur 3,45 der prognostizierten 5,5 Millionen Stück verkaufen, von April bis Juni 2013 kamen weltweit gerade mal 160.000 Konsolen hinzu.

Grund ist wohl hauptsächlich das Fehlen zugkräftiger Titel: Altgediente Helden (wie "Legend of Zelda"-Protagonist Link) und Erfolgsserien (wie das Spaßrennspiel "Mario Kart") lassen noch auf sich warten, neue Marken wie die Spielesammlung "Nintendo Land" entfalten nicht die Faszination eines "Wii Sports", das die neuartige Bewegungssteuerung der Vorgängerkonsole Wii einem breiten Publikum nahebrachte.

Während manche Analysten wegen der schwächelnden Wii U wieder einmal den Abgesang auf Nintendo als Hardware-Hersteller anstimmen und einen Multiplattform-Mario fordern, geben sich die Japaner betont gelassen. Schließlich verdienen sie ihr Geld nicht nur mit Heimkonsolen, sondern seit der Veröffentlichung des Gameboy im Jahr 1989 auch mit mobilen Spielgeräten.

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Neue Konsole: So sieht die neue 2DS aus

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Die fünfte Generation, der Nintendo 3DS, ist seit zweieinhalb Jahren auf den Markt und verkaufte sich in diesem Zeitraum im Vergleich zum Vorgängermodell Nintendo DS zwar ein paar Millionen Mal weniger, ist mit einem Gesamtabsatz von rund 32,5 Millionen Stück aber aktuell Nintendos wichtigster Umsatzbringer. Und die "bislang bestverkaufte Konsole 2013" in Deutschland, wie Deutschland-Chef Bernd Fakesch konstatiert. Im weiteren Verlauf des Jahres dürfte sich daran nichts ändern, trotz der Veröffentlichung der neuen PS4 und Xbox One. Denn ab dem 12. Oktober schickt Nintendo mit den Pokémon eine altgediente Armee virtueller Monster in den Konsolen-Wettkampf. Und die hat noch keine Schlacht verloren.

Bunte Monster als Erfolgsgaranten

Seit 1996 beehren die Pokémon regelmäßig und exklusiv Nintendo-Geräte, bereits Mitte 2010 wurde die Marke von 200 Millionen verkauften "Pokémon"-Spielen überschritten. Die "Pocket Monster" schafften den Sprung auf Leinwand und Fernseher, wurden zu Manga-, Sammelkarten- und Spielzeug-Stars. Vor allem aber hauchten farbenfrohe Phantasietierchen wie Pikachu, Bisasam oder Glumanda den Handhelds von Nintendo immer wieder frisches Leben ein. Sie sind - auch wenn der Hype in den letzten Jahren nachgelassen hat - bis heute Garant für Millionenumsätze.

Bereits das Debütspiel (das 1998 in den Versionen "Pokémon Rot" und "Pokémon Blau" im Westen auf den Markt kam) hatte dafür gesorgt, dass eine über sieben Jahre alte Hardware nicht in Rente geschickt wurde: Der veraltete Graustufen-Gameboy erlebte Ende der neunziger Jahre nur wegen "Pokémon" einen zweiten Frühling. Ein technisch bescheidenes Farb-Update folgte, der Gameboy Color. Die erste Generation der Hosentaschenmonster verkaufte sich schließlich über 60 Millionen Mal.

Seither sorgt die Hauptserie der Pokémon auf jedem Nintendo-Handheld für einsame Verkaufsspitzen: "Pokémon Rubin/Saphir" auf dem Gameboy Advance mit 13 Millionen, das Nintendo DS-Debüt "Pokémon Diamant/Perl" mit 17,5 Millionen, die DS-Nachfolger "Heart Gold/Soul Silver" oder "Schwarz/Weiß" mit 11,9 bzw. 11,5 Millionen Stück.

Spieler können die Monster untereinander tauschen

Die ungebrochene Attraktivität beruht auf der menschlichen Sammelleidenschaft: Der Spieler mimt stets einen jungen Pokémon-Trainer, der bei Streifzügen mehr und mehr Monster - mit Veröffentlichung der letzten Episode zählt man knapp 650 verschiedene Arten - entdeckt, in taktischen Kämpfen einfängt und wie in einem Rollenspiel weiterentwickelt. Die gleichzeitige Veröffentlichung zweier dezent unterschiedlicher Varianten fördert seit jeher das gemeinschaftliche Spielerlebnis: Versionen wie "Pokémon Rubin" und "Saphir" oder "Schwarz" und "Weiß" unterscheiden sich in einer Handvoll Monster, welche die "Pokémon"-Spieler durch Vernetzung ihrer Geräte untereinander tauschen können.

Auch der kommende, erste 3DS-Monstertitel wird in zwei Versionen erscheinen: "Pokémon X" sowie "Pokémon Y" entführen die Spieler in eine französisch angehauchte Welt, die zum ersten Mal in der Serie in echter 3-D-Grafik inszeniert ist - laut Entwicklungschef Junichi Masuda weil "der 3DS zum ersten Mal die nötige Grafikleistung mitbringt, um die komplexen Formen der Pokémon in 3D darzustellen und zu animieren".

Erneut werden Spieler ihre Monster lokal oder via Internet tauschen oder gegeneinander kämpfen lassen können. In Japan können Nutzer die Pokémon ab Dezember sogar abseits des Spiels in der Cloud aufbewahren: Für einen kleinen Jahresbeitrag dürfen die Monster aus dem neuesten Teil sowie den DS-Vorgängern in der Online-"Pokémon Bank" gespeichert und für künftige Pokémon-Titel zurückgelegt werden.

Im Westen zeigt sich an anderer Stelle, wie wichtig "Pokémon" für die Gegenwart und Zukunft von Nintendo ist: Vor wenigen Wochen hat der Hersteller den 2DS angekündigt - eine kostengünstige, nicht zusammenklappbare Variante der aktuellen Mobil-Hardware, die am selben Tag wie "Pokémon X/Y" in den USA und Europa erscheinen wird.

Mit niedrigerem Preis und Verzicht auf stereoskopisches 3D - ein Kernfeature des 3DS, das besorgte Eltern kritisch sehen - ist der 2DS auf die junge Zielgruppe ausgerichtet. Sie soll für das neue "Pokémon" endlich auf die nächste Handheld-Generation umsteigen. Software sells Hardware.

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