E3-Neuheiten Mehr Kriminalität in "Sim City", mehr Lego in Mittelerde

Im nächsten "Sim City" können die Spieler die Straßenverläufe frei bestimmen und mit den Nachbarstädten zusammenarbeiten. Weitere Neuheiten von der Games-Messe E3: Gaikai streamt Spiele auf den Fernseher, und Lego erobert Mittelerde.
"Sim City" (Screenshot): Steigende Kriminalität in Puppenhaus-Atmosphäre

"Sim City" (Screenshot): Steigende Kriminalität in Puppenhaus-Atmosphäre

Foto: Electronic Arts

Es hat eine gewisse Ironie, dass Electronic Arts sein neues "Sim City"-Stadtplanungsspiel ausgerechnet auf einer Messe in Los Angeles vorstellt: Geht man ein paar Minuten vom Gelände der E3 auf der falschen Straße nach Westen, landet man in einem Gewirr von Unterführungen, Brücken und Zufahrtswegen bei einer riesigen Stadtautobahn. Es ist nicht einfach, auf die andere Seite des Harbor Freeway zu kommen, wo ein paar Hotels liegen, viele Ladengeschäfte leerstehen und 1-Dollar-Discounter dominieren. Diese Stadt wurde nicht für Einwohner gebaut, sondern für Menschen, die mit dem Auto auf 10-spurigen Fluchtrouten schnell wieder verschwinden wollen.

Wie könnte es besser gehen? Im neuen "Sim City" kann der Spieler für seine Stadt Varianten ausprobieren. Das Spiel soll 2013 erscheinen. Das erste klassische Stadtplanungsspiel "Sim City" seit acht Jahren, bietet den Spielern eine enorme Vielfalt grafisch gut aufbereiteter Daten. Aus ihnen lässt sich ablesen, wie es gerade in der Gegend läuft: Man kann die Kriminalitätsrate in einer Heatmap über die Karte der eigenen Stadt blenden, um zu erkennen, wo es Probleme gibt. Baut man eine neue Straßenbahnhaltestelle, kann man in einer Statistik nachsehen, ob die Entfernung zum nächsten Haltepunkt nicht zu weit ist, wie viele Menschen im Einzugsbereich leben und ob nicht komplette Straßenzüge ohne ÖPNV-Anbindung blieben.

Bei der E3-Präsentation echter Spielszenen fallen vor allem diese Neuerungen auf: Nun können befreundete Spieler asynchron ihre Städte in derselben Region aufbauen. Dadurch entstehen interessante Wechselwirkungen. Liegt eine Industrie- neben einer von Dienstleistungsjobs dominierten Stadt, fahren viele Menschen nur zum Arbeiten in die Firmenzentralen in der Industriegegend. Dort wohnen nur noch Menschen, die es sich nicht leisten können, die Gegend zu verlassen. Der Verkehr nimmt zu, die Kriminalität in manchen Vierteln auch.

Die Spieler in Nachbarstädten können gemeinsam solche Probleme angehen. Beispielsweise kann ein Spieler dem anderen Strom schenken, falls seine eigenen Kraftwerke Überschuss produzieren. Teure Infrastrukturprojekte wie den Bau eines Flughafens können die Spieler angrenzender Städte auch gemeinsam finanzieren. Das könnte interessante Verhandlungen zwischen Spielern befeuern: "Ich finanziere den Flughafen mit, wenn du etwas gegen die Kriminalität tust, die in meine Stadt herüberschwappt."

Die Präsentation ist gefälliger und zugänglicher als bei vorigen "Sim City"-Spielen. Man kann statt aggregierter Daten auch Alltagsszenen in seiner Stadt beobachten, zum Beispiel, wie ein Gangster für einen Banküberfall aus einer fiesen Gegend der Nachbargemeinde anreist. Die Grafik ist sehr detailliert, nachts leuchten die Straßenlampen, und ein Tilt-Shift-Effekt verleiht der simulierten Welt Puppenhaus-Atmosphäre. Zum ersten Mal kann man den Straßenverlauf völlig frei bestimmen, Straßen durch die Natur schlängeln - eine kleine Revolution in der "Sim City"-Welt.

Weitere Spiele-Neuheiten auf der E3:

Gaikai - Spiele aus der Wolke in den Fernseher

Spielszene auf dem Fernsehbildschirm: Gaikai streamt Filme von seinen Servern

Spielszene auf dem Fernsehbildschirm: Gaikai streamt Filme von seinen Servern

Foto: SPIEGEL ONLINE

Das US-Start-up Gaikai streamt Spiele wie "Mass Effect 3" von seinen Servern. Das Versprechen der Firma ist dasselbe wie bei Konkurrenten wie Onlive: Man braucht keine Konsole und keinen Spiele-PC, sondern nur einen Fernseher mit einem Controller. Auf der E3 hat Gaikai eine Partnerschaft mit dem Fernsehgerätehersteller Samsung angekündigt: In bestimmten Samsung-Fernsehern soll noch in diesem Jahr die Gaikai-Software laufen, dann braucht es nicht einmal mehr die kleine Box, die heute den Controller mit dem Netzwerk verbindet und das Videosignal an den Fernseher weitergibt.

Ein Testspiel des Shooters "Hawken" auf einem Samsung-Fernseher lieferte auf dem Messegelände ganz ordentliche Ergebnisse: Das Spiel läuft flüssig, reagiert ohne spürbare Verzögerung, obwohl alle Veränderungen auf einem Server berechnet werden und nur das Videosignal an den Fernseher gestreamt wird. Allerdings wirkt die Grafik etwas pixelig - das ist nicht die Qualität, die man von Konsolen gewöhnt ist.

Und das, obwohl die Gaikai-Server in Los Angeles nach Angaben des Betreibers etwa acht Kilometer vom Messegelände entfernt stehen. Das sind eigentlich ideale Voraussetzungen. Vielleicht ist an diesem Tag der Datenverkehr im Messenetzwerk einfach zu groß oder eine andere Schwierigkeit bei der Datenübertragung führt dazu, dass die Server die Bildqualität senken, damit das Spiel weiter schnell genug läuft.

So beeindruckend die Technik ist: Bis Fernseher mit Diensten wie Gaikai und Onlive Konsole und Spiele-PC ersetzen werden, müssen die Anbieter einige sehr teure Hürden nehmen: Konsolenbesitzer werden Einbußen bei der Grafik kaum hinnehmen, wenn sie den Anbieter wechseln sollen. Zudem ist fraglich, ob Menschen, die bis heute keine Konsole haben, wirklich Konsolentitel auf dem Fernseher statt zum Beispiel "Angry Birds" auf dem Smartphone spielen wollen.

"Watch Dogs" - das Überwachungsnetz fürs iPad

Szene aus "Watch Dogs" (Screenshot): Vom Tablet aus in die Spielwelt

Szene aus "Watch Dogs" (Screenshot): Vom Tablet aus in die Spielwelt

Foto: Ubisoft

Die Entwickler des aufsehenerregenden Action-Adventures "Watch Dogs" haben bei einer zweiten Präsentation hinter verschlossenen Türen ein interessantes Detail ihres Werks vorgeführt: Man hat auch über eine App vom Tablet aus Zugang zur dystopischen Spielwelt - zumindest zu den Daten der Bewohner, Mitspieler und Orte dieser Welt, in der von Privatfirmen betriebene Zentralrechner alle städtischen Einrichtungen und die Infrastruktur verwalten.

Mit der App zum Spiel soll man Dossiers zu Charakteren im Spiel, aber auch zu den Figuren menschlicher Mitspieler anlegen können. Man kann überwachen, wer was wo im Spiel tut, mit wem er spricht - und vielleicht auch worüber. Man kann sich das als eine Art In-Game-Facebook-Feed vorstellen, das immer Updates liefert.

Die Entwickler deuteten an, dass die Überwachungs-App zum Spiel Teil eines eigenen Wirtschaftskreislaufs werden könnte: Umfassende Überwachung kostet Geld, bringt aber vielleicht auch Gewinn, wenn man an brisante Informationen kommt. Wer spioniert, soll auf jeden Fall im Spiel von der Macht der gesammelten Informationen profitieren.

Wenn all das wirklich so kommt, könnte "Watch Dogs" zu einem der spannendsten Spiele des nächsten Jahres werden.

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"Herr der Ringe" als Legospiel - Mittelerde genoppt

"Star Wars", "Batman", "Harry Potter" und jetzt auch noch Mittelerde: Noch in diesem Jahr soll "Lego - Herr der Ringe" erscheinen, ein Action-Adventure, in dem Gandalf graue, eckige Klotzfüße hat und der eine Ring fast so groß wirkt wie ein Hobbitkopf. Für Mitglieder des Clubs Bewahrer des wahren Mittelerde e.V. wird dieses Spiel wohl nichts, aber für entspannte Mittelerde-Freunde könnte es vielleicht das beste Mittelerde-Spiel bislang sein: Schöne Landschaften, düstere Dungeons, aber keine übertriebene Getragenheit. Obwohl die Klötzchenhelden zum ersten Mal in einem Lego-Spiel sprechen, hier mit den Stimmen aus Peter Jacksons Verfilmung. Wo aus Schatztruhen goldgelbe Lego-Noppen rollen, ist Pathos kaum möglich.

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