Nintendo-App "Miitomo" Hilfe, der Typ interessiert sich für mich

Nintendo steigt ins App-Geschäft ein: "Miitomo" ist weniger ein Spiel als ein soziales Netzwerk - und fühlt sich manchmal wie eine Telefonumfrage an.

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Mit dem Game Boy hat Nintendo das mobile Spielen in den Mainstream gebracht. Umso erstaunlicher, wie sehr sich der japanische Konzern bislang aus dem App-Geschäft herausgehalten hat. Das ändert sich nun, mit "Miitomo" hat Nintendo eine eigene App für Android und iOS entwickelt.

"Miitomo" ist eigentlich kein Spiel, sondern ein soziales Netzwerk. Man erstellt einen Avatar, einen sogenannten Mii, der dann mit den Avataren der Freunde kommunizieren kann. Mit fast allem, was dazugehört: Sogar Fotos von den Avataren vor beliebigem Hintergrund lassen sich in der App erstellen und verschicken.

Es gibt drei Wege, bei Miitomo Freunde zu finden: Per Facebook, Twitter oder direkt über zwei Smartphones, wenn ein anderer Nutzer in der Nähe ist. Noch ist unser Test-Avatar aber sehr einsam, das Freundefinden wollte nicht so recht funktionieren.

Die umständliche Freundesuche macht es nicht leichter. Zur Verknüpfung der Twitter- und Facebook-Accounts fordert die App umfangreiche Rechte. Wer die nicht erteilen möchte, muss seine Freunde persönlich treffen, um sich im sozialen Netzwerk mit ihnen anzufreunden. Eine klassische Namenssuche gibt es nicht.

Langweilig ist "Miitomo" aber auch ohne Freunde nicht. Die Zeit, bis sich irgendwann Kumpels anmelden, kann man sich mit dem Mini-Spiel "Mii über Kopf" vertreiben. Oder damit, seinen Avatar anzupassen. Die Möglichkeiten hierfür sind fast grenzenlos. Frisur, Bart, Augen, Mund, Nase und selbst die Stimmlage des Avatars - alles lässt sich variieren.

"Welche Brotsorte magst du am liebsten?"

Zusätzlich kann der Kleidungsstil angepasst werden. Neue Klamotten bezahlt man, wie fast alles in der App, mit Münzen. Die bekommt man für die Anmeldung, beantwortete Fragen und geknüpfte Freundschaften. Wer mit seinem Avatar richtig angeben und ihm besondere Items besorgen will, kann die nötigen Münzen per In-App-Kauf besorgen. Das kann teuer werden: Der größtmögliche In-App-Kauf, 105.000 Münzen, kostet 74,99 Euro.

Es ist aber nicht nötig, so viel Geld auszugeben, um die App sinnvoll nutzen zu können. Das Ziel, einen möglichst realistischen - oder beeindruckenden - Avatar zu erstellen, kann man auch im Gespräch erreichen. Denn der Avatar stellt Fragen. Viele Fragen.

Nach einer Weile fühlt man sich wie in einer Telefonumfrage. "Was ist in deinem Umfeld gerade besonders beliebt?", "Welche Brotsorte magst du am liebsten?" und "Was ist gerade deine Lieblingssendung?". Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit diesem unverblümten Interesse am Konsumverhalten umzugehen. Man kann wahrheitsgemäß antworten und so seinen Freunden und Nintendo einen tiefen Einblick ermöglichen. Oder man unterhält seine Freunde mit besonders witzigen Antworten.

Wenn man endlich Freunde findet.


"Miitomo" ist kostenlos für iOS und für Android verfügbar.



insgesamt 8 Beiträge
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Tim_D 05.04.2016
1. Goodbye, Nintendo!
Wenn Nintendo sein Hauptgeschäft auf solchen Quatsch verlagert, dann wars das wohl mit Mario, Zelda und anderen nintendo-typischen Themen. Sollte auch noch Nintendo NX ein Flop werden, dann gute Nacht! Leb wohl, Nintendo!
skeptiker81 05.04.2016
2.
@Tim_D: Nintendo hat schon mehr Flops überlebt, als man glauben möchte... Andererseits sind sie aber auch in der Top 10 der meisterverkauften Spiele aller Zeiten auf gefühlten 90 % der Plätzen vertreten. Das und die sensationellen Verkäufe der Wii dürfte für das nötige Kapital sorgen. Bei der Wii-U hatte man leider verpasst die Casual-User für sich zu begeistern. Bzw. sie haben sich einfach zu sehr auf die Frage "Warum sollte ich eine Wii-U kaufen, ich habe doch eine Wii?" konzentriert...
oesiblog 05.04.2016
3. Apps, die die Welt nicht braucht
könnte man das ganze übertiteln. Daher wird es wohl mit Erfolg gekrönt werden.
spon-facebook-10000015195 05.04.2016
4. Ohje...
Nintendo ist leider nach der Wii Einführung eingeschlafen. Es gab seitdem keine Neuerungen und dadurch kam die Wii nie über eine Partykonsole mit mässiger Leistung hinaus. Jetzt wird schnell versucht in den mobilen Markt zu drängen - leider zu spät für solch eine sinnfreie App.
brucewillisdoesit 06.04.2016
5.
Zitat von skeptiker81@Tim_D: Nintendo hat schon mehr Flops überlebt, als man glauben möchte... Andererseits sind sie aber auch in der Top 10 der meisterverkauften Spiele aller Zeiten auf gefühlten 90 % der Plätzen vertreten. Das und die sensationellen Verkäufe der Wii dürfte für das nötige Kapital sorgen. Bei der Wii-U hatte man leider verpasst die Casual-User für sich zu begeistern. Bzw. sie haben sich einfach zu sehr auf die Frage "Warum sollte ich eine Wii-U kaufen, ich habe doch eine Wii?" konzentriert...
Bzgl. Konsolen hatte Nintendo den größten Erfolg mit dem NES, die Anzahl verkaufter Units nahm von dort mit jeder weiteren Konsole immer weiter ab, bis zur Wii U. Einzige Ausnahme von diesem Trend ist die Wii, welche im Grunde nicht anderes als modiizierter Gamecub ist und sich tatsächlich sensationell verkaufte. Das einzige was Nintendo wirklich über Wasser hält sind die Handheld-Verkaufe (GB, GBC, GBA, NDS, N3DS)
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