Classic Mini SNES im Test Nintendos neues Miniatur-Wunderland

Sie wollen ein Stück Gaming-Geschichte nachholen? Oder Erinnerungen auffrischen? Nintendos Mini-SNES bringt die Pixelwelten der Neunzigerjahre zurück. Doch ohne Vorbestellung könnte die Nostalgie teuer werden.

Stephan Freundorfer

Vor gut einem Jahr gelang Nintendo ein Überraschungserfolg: Eine miniaturisierte Version des NES - der in den Achtzigerjahren marktbeherrschenden Nintendo-Konsole - kam so gut an, dass sich viele Gamer bis heute ärgern, keins der neuen Geräte voller alter Spiele im Regal stehen zu haben. Diesen Freitag nun geht Nintendos Nostalgie-Trip in die zweite Runde: mit einer Neuauflage des NES-Nachfolgers, des Super Nintendo (SNES).

Auch das zweite Gerät der sogenannten Nintendo-Classic-Mini-Reihe ist handtellergroß und nicht fähig, die Module von früher zu verwerten. Dafür stecken bereits ab Werk 21 vollwertige Spiele in dem grauen Kästchen. Viele davon sind echte Klassiker, einige waren europäischen Spielern in den Neunzigerjahren vorenthalten worden. Und ein Spiel wird gar zum ersten Mal veröffentlicht.

Fotostrecke

7  Bilder
Nintendo-Konsole: Das ist der neue Mini-SNES

Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen zum Mini-SNES, das wir schon seit einiger Zeit ausprobieren durften.

Woher bekommt man die Mini-Konsole?

Wie bereits beim Mini-NES dürfte es schwer werden, das neue SNES im Handel zu entdecken. Die nachgefragten Stückzahlen übersteigen die ausgelieferten erheblich. Wer nicht vorbestellt hat, geht daher mit hoher Wahrscheinlichkeit leer aus - wenigstens zum normalen Preis von rund hundert Euro. Auf den Internetmarktplätzen werden sich derweil vermutlich jede Menge neue, jedoch deutlich überteuerte Geräte finden lassen.

Wer warten kann, sollte diese Angebote von Wiederverkäufern ignorieren: Nintendo hat Mitte September bekannt gegeben, dass man 2018 weitere Mini-SNES nach Europa liefern werde und für den Sommer auch Mini-NES-Nachschub plant. Zudem will das Unternehmen, das von der Popularität der ersten Retro-Konsole noch überrascht wurde, diesmal von vornherein mehr Einheiten produzieren. Eine Nachlieferung vor Weihnachten liegt also im Bereich des Möglichen.

Wie unterscheiden sich Mini-SNES und Mini-NES?

Mini-SNES und Mini-NES emulieren die Hardware der alten Konsolen und verwenden den Programmcode der Originalspiele, der im internen Flash-Speicher des Geräts abgelegt ist. Mit 30 solcher Spiele-ROMs wurde das kleine NES geliefert, im Mini-SNES sind es neun weniger.

Dafür wird das neue Gerät statt mit nur einem von vornherein mit zwei Controllern ausgeliefert. Diese gleichen den SNES-Originalen bis auf die Anschlüsse (die denen der Wii-Fernbedienung entsprechen) und die Länge der Kabel. Statt 2,30 Meter sind die Kabel zwar nur 1,30 Meter lang, damit übertreffen sie aber die absurd kurzen Mini-NES-Strippen um rund 55 cm.

Wie beim Vorgänger kommt das knackscharfe Bild des Mini-SNES via HDMI auf moderne Displays. Mit Strom wird es über USB-Kabel (Typ A auf Micro-B) versorgt, wobei ein entsprechendes USB-Netzteil wie schon beim Mini-NES nicht beiliegt.

Welche Spiele befinden sich auf dem Gerät?

Als SNES-Mutterfirma steuert Nintendo selbst am meisten Highlights bei, von der makellosen Hüpferei "Super Mario World" über die legendäre Alien-Exkursion "Super Metroid" bis zum wegweisenden Zelda-Abenteuer "A Link to the Past". Die japanischen Videospielveteranen von Capcom, Square und Konami liefern sieben weitere Klassiker.

Ehemalige Besitzer des PAL-SNES freuen sich über zwei Besonderheiten: Zum einen sind drei Spiele enthalten, die damals nicht nach Europa kamen (mehr zu den einzelnen Titeln in der Bildergalerie). Zum anderen ist mit "Starfox 2" ein Spiel im Angebot, das Mitte der Neunzigerjahre zwar entwickelt, aber wegen der 3D-kompetenteren Konkurrenten von Sony und Sega nicht mehr veröffentlicht wurde. Achtung: Alle Spiele liegen nur in ihrer englischen Sprachversion vor.

Welche zusätzlichen Funktionen bietet die Hardware?

Die Menüs und Funktionen des SNES Classic Mini zeichnen sich durch Übersichtlichkeit aus, die einzig relevante Einstellung betrifft die Grafikdarstellung. Drei Bildmodi stehen zur Wahl: das Originalformat (256x224 Pixel), eine leicht gestreckte 4:3-Darstellung sowie der CRT-Modus, in dem die Rasterlinien alter Röhrenbildschirme simuliert werden.

Die Spiele lassen sich nach einigen Attributen wie Erscheinungsjahr oder Nutzungshäufigkeit sortieren, und je Titel gibt es vier Speicherstellen, die mit einem Spielstand belegt werden können. Hilfreich: Eine Rückspulfunktion erlaubt das Überwinden kniffliger Stellen. Zurück ins Menü gelangt man durchs Drücken des Reset-Knopfs der Konsole.

Fotostrecke

31  Bilder
Vier Jahrzehnte Nintendo-Konsolen: Was vor der Switch war

Für wen lohnt sich die Anschaffung?

Während etliche der kruden 8-Bit-Spiele des kleinen NES der nostalgischen Verbrämung bedürfen, bietet das Mini-SNES auch Spielern ohne Retro-Faible viele Stunden Spaß. Auf ihre Kosten kommen vornehmlich Geschicklichkeitsspiel- und Rollenspielfans, aber auch für gesellige Zocker lohnt sich die SNES-Miniatur - allein wegen "Super Mario Kart" und "Street Fighter II".

Und zweifellos ist das neue Nintendo-Gerät eine unschlagbar bequeme Methode, auf einen Streich gleich ein ganzes Dutzend Meilensteine der Videospielgeschichte kennen- und vielleicht lieben zu lernen.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.


insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
n-less 27.09.2017
1. Reset
In das Menü kommt man auch mit Start+Select+R+L gleichzeitig - wie beim Original auch schon.
MannAusmNorden 27.09.2017
2. Ein echter Klassiker!
Wer es aber nur auf das Final Fantasy abgesehen hat (das bei uns Final Fantasy VI ist), der kann es sich auch auf Android holen. Grafik wurde da auch ein wenig aufgehübst, die Sprites sind immerhin in HD und man erkennt die Gesichter besser. Trotzdem einer der besten Teile der Serie!
rainerwäscher 27.09.2017
3. Nur für DAUs
Ich habe noch das Original mit etlichen Spielen im Schrank stehen. Wer das nicht hat, kann auf Emulatoren und Roms im Netz zugreifen und das Zeug am PC spielen -für umsonst.
Dark Agenda 27.09.2017
4. Künstliche Verknappung
Hier wird nicht an Spielefans gedacht sondern an Spekulanten. Die Geräte sind nahezu sofort aufgekauft. Die Spiele kann man sowohl am PC auf einem Emulator spielen (auch Exoten) oder auf Nintendos virtueller Konsole auf Wii oder Switch. So habe ich alle bisherigen Zeldas auf einer Wii u nachspielen können.
cih 27.09.2017
5. gut
die Games bekommt man auch anders online oder per WII. Was interessant gewesen wäre, wenn man einen an das Spiel ansteckbaren "Adapter" dazu liefern könnte, die man dann oben in den neuen kleinen einstecken könnte um eventuell die alten noch vorhandenen Games zocken zu können. So ist es leider wie immer: mal nen Trend verkaufen der bald wieder im Keller landet
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.